Der italienische Filmemacher Alberto De Martino („Im Dutzend zur Hölle“, „Inferno 2000“) kann als wahres Multitalent auf ein breit gefächertes Gesamtwerk zurückblicken, da er sich sich im Gegensatz zu seinen Kollegen nie auf ein bestimmtes Genre festnageln ließ. Dies ist auch einer der Gründe, warum „Django – Nur der Colt war sein Freund“ so einen spritzigen Eindruck hinterlässt. De Martino klammerte sich im Gegensatz zu einigen seiner Arbeitskollegen, die sich über Jahre hinweg fest im Italowestern niederließen, nicht an manifestierte, konventionelle Inszenierungen, sondern ging etwas kreativer zu Werke. Frisches Blut haben diesen Filmen über Jahre hinweg immer wieder gut getan.
Dass in der deutschen Fassung Rainer Brandt und seinen Synchronsprechern mal wieder der Schalk im Nacken saß, verfälscht den ursprünglichen Film dagegen deutlich und wird nicht bei jedem Zuschauer auf Gegenliebe stoßen. Die bärige Kalauersynchronisation („Wer nichts wird, wird Wirt“) könnte allerdings besser kaum sein und hat in mir auch wieder einen treuen Anhänger gefunden. Ich möchte behaupten ohne den Wortwitz würde mir der Film auch nur halb so gut gefallen.
Der Niederländer Glenn Saxson („Die Stunde der Aasgeier“, „Das Gesetz der Erbarmungslosen“) schlüpft in die Rolle von Glenn Garson, der sich aber lieber Django nennt und beileibe kein Kind von Traurigkeit ist. Ihm läuft nämlich mitten in der Wüste während einer Rast ein Kopfgeldjäger über den Weg, der zufällig die Leiche seines Herrn Papa mit sich schleppt, um den fürstlichen Lohn von 5000 Dollar zu kassieren. Django sieht gar nicht ein, warum er die stattliche Summe nicht selbst kassieren soll und knallt den Kopfgeldjäger kurzerhand über den Haufen. Seinen toten Vater liefert er danach prompt in Silver Creek ab und erntet beim Kassieren in der Bank misstrauische Blicke. Der Bankier war nämlich selbst ein Partner von Djangos Vater und schwimmt nur so im Geld. Als Django das spitz bekommt, will er sein Erbe, die Hälfte der Kohle, einfordern, aber den Anspruch will Cluster (Nando Gazzolo, „Eine Flut von Dollars“) gar nicht anerkennen. Er hatte schließlich schon genug Scherereien, um dessen Vater erst ins Gefängnis und dann um die Ecke zu bringen. Doch der hartnäckige Erbe erhält Unterstützung durch den ewig Zigarren rauchenden und eigenartige Weisheiten von sich gebenden Gordon (herrlich: Fernando Sancho, „Requiem für Django“, „Sartana – Bete um deinen Tod“), sowie einem schweigsamen, mysteriösen Fremden, der auch eine Rechnung zu begleichen hat und dafür stets sein Skalpell mit sich führt. Da Cluster sowieso ein blutsaugender Kredithai ist, kann das Trio seinen Plan zudem auch noch als Dienst an der Allgemeinheit abhaken.
Frisch, fromm und fröhlich startet „Django – Nur der Colt war sein Freund“ auffallend unbeschwert durch und gönnt sich über die komplette Distanz gar keine großartigen Durchhänger, die den Filmspaß schmälern. Der Plot gibt leider nicht so viel her, doch die tolle Synchronisation und Fernando Sancho als vorlauter Stichwortgeber geben alles, um jedes absehbare Zwischentief abzublocken. Um ein paar Nuancen erweitert wird die ansonsten den gängigen Standards folgende Geschichte immerhin durch die Maßnahmen des ausgefuchsten Cluster, der zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen will, seine eigene Bank ausraubt und dies prompt Django in die Schuhe schieben will. Auf den Kopf gefallen ist sein Widersacher aber natürlich nicht.
Dazwischen sorgen gut inszenierte Shootouts zwischen Django und Clusters Schergen oder eben mal eine zünftige Prügelei im Saloon für Abwechslung. Die Frauenzimmer werden hier übrigens nicht ganz so stereotyp wie gewohnt abgehandelt und erweisen sich in einem Fall sogar als sehr hinterhältig und biestig. Neue Akzente setzen sie allerdings nicht. Verlangt aber auch keiner von ihnen. Am wenigsten Django, der sich zwischen Clusters Frau Jessica und der Saloondame Lucy offensichtlich sehr wohl fühlt. Beide Rollen sind mit Erica Blanc („Django und Sabata - Wie blutige Geier“, „Die Grotte der lebenden Leichen“) und Ida Galli („Ein Loch im Dollar“, „Django – Die Nacht der langen Messer“) übrigens prominent besetzt.
Bis zur absehbaren Eskalation zwischen dem streitbaren Trio und Clusters Gang dauert es natürlich ein Weilchen. Zunächst wird mit den Säbeln gerasselt, Maulschellen verteilt (Ja, Riccardo Pizzuti ist natürlich zur Stelle) und so lange gedroht, bis jeder weiß, wodran er bei seinem Gegenüber eigentlich ist. Bisweilen kann der Ton dabei auch schon ernster werden, Django in Not geraten und der Bodycount in die Höhe schießen, bis auf die letzte Viertelstunde dominiert allerdings ein lockerer Grundton, der ohnehin nicht zum Ende passen würde.
Bruno Nicolai pflegt dazu einen angenehmen Score, der nicht zu seinen besten Arbeiten zählt, aber immer noch stimmungsvoller die Szenen untermalt als das einige italienische Workaholics in ihren besten Tagen hinbekommen hätten.
Ganz angenehm ist übrigens die mitschwingende Ironie, die den Film zusätzlich in einem nicht ganz so ernsten Licht stehen lässt. Speziell die sahnige Schlusspointe setzt dem Film nochmal sein Krönchen auf. Doch auch auf das Spiel mit der genrebedingten Erwartungshaltung seines Publikums versteht sich De Martino. Wenn Django zusammen mit Gordon durch den Ort marschiert, sich ringsherum die schießwütigen Schergen in aggressiven Posen aufbauen und dann doch nichts passiert, wartet man nur noch auf ein Augenzwinkern der Darsteller.
Für genügend Abwechslung wird also gesorgt und sei es nur die kurzweilige Inszenierung oder der galoppierende Plot, der trotz seiner Konventionalität, mit seinen paar wenigen Ideen mehr Überraschungen verbrät, als man das angesichts der Konstellation zunächst vermuten würde. Schön auch, dass Alberto De Martino bei seiner Inszenierung Kurzweiligkeit über alles stellt und damit ein flottes Tempo garantiert. Zum Vorspulen wird man hier jedenfalls gewiss nicht genötigt. Dem Finale fehlt nur leider der letzte Höhepunkt, weil der letzte Coup mit Hirn anstatt mit Blei bestritten wird.
Fazit:
Regisseur Alberto De Martino kredenzt einen sehr amüsanten, kurzweiligen Italowestern, dem die deutsche Synchronisation noch ein paar Kalauer mehr abringt – sehr zur Freude des Publikums. Die flotte Inszenierung weiß zu gefallen, auch weil sie nicht ganz so konventionell gestrickt ist und die gut aufgelegten Darsteller haben offensichtlich genauso Spaß an der Sache. Rundum gelungen, mit Schmackes umgesetzt, von einem guten Score bekleidet und sehr leichtfüßig abgehandelt. Das ist mehr als so manch anderer Italowestern von sich behaupten kann.