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Die Marshalls sind ein glücklich verheiratetes, finanziell abgesichertes Ehepaar um die vierzig. Brad (Jeff Hayenga) ist ein angesehener Anwalt, während Virginia (Brooke Adams) als Kinderbuchautorin Erfolge feiert. Das einzige, das zum großen Glück fehlt, ist ein eigenes Kind. Doch das Schicksal hat es mit Virginia nicht gut gemeint. Sie hat bereits zwei Fehlgeburten erlitten, und nach einer Untersuchung attestierten ihr die Ärzte, daß sie keine Kinder mehr bekommen könne. Doch die beiden klammern sich an jeden Strohhalm, den sie greifen können, und einer davon ist ein Arzt namens Dr. Richard Meyerling (James Karen aus The Return of the Living Dead; in einer kleinen Rolle als dessen Sekretärin ist übrigens der zukünftige Friends-Star Lisa Kudrow zu sehen). Tatsächlich wird Virginia nach einem kleinen Eingriff schwanger, und die beiden können ihr Glück kaum fassen. Doch aus dem Traum wird schnell ein Alptraum, als immer mehr darauf hindeutet, daß mit dem Baby etwas nicht stimmt.
Rodman Idle Hands Flenders Regiedebüt wurde vom "King of the B's" Roger Corman produziert und ist vielleicht der beste Film, der unter der Fittiche des Altmeisters in den 1990er-Jahren entstanden ist. The Unborn ist weitaus besser, als man es angesichts der wenig originellen Prämisse vermutet. Flender und seine Drehbuchautoren John D. Brancato und Michael Ferris legen das Hauptaugenmerk auf die Marshalls, und da ganz besonders auf Virginia, gespielt von der großartigen Brooke Adams. Die am 8. Februar 1949 geborene New Yorkerin stand bereits im Jahre 1963 erstmals vor einer (TV-)Kamera und trug entscheidend dazu bei, daß sowohl Philip Kaufmans Neuverfilmung Invasion of the Body Snatchers (1978) als auch David Cronenbergs Stephen King-Adaption The Dead Zone (1983) so verdammt gut funktionieren. Die Aktrice schafft es spielerisch, ihren sympathischen Figuren eine emotionale Tiefe zu verleihen, von der andere Schauspielerinnen bestenfalls träumen können. Hier ist es nicht anders. Als Zuschauer schließt man die werdende Mutter (die vor einigen Jahren einen Nervenzusammenbruch hatte und an Depressionen litt) ins Herz und wünscht ihr nur das beste. Und wenn ihr dann schlimme Dinge zustoßen, tut das einfach weh.
Und schlimme Dinge passieren natürlich, schließlich ist The Unborn ein Horrorschocker. Daß mit den Meyerling'schen Babys etwas ganz und gar nicht in Ordnung ist, wird schnell klar. Der gewissenlose Genetiker ist eine Art moderner Dr. Frankenstein, der bessere, intelligentere, und widerstandsfähigere Kinder schaffen möchte. Bereits als Föten beginnen diese Wesen damit, ihre Geschicke selbst zu bestimmen, so daß selbst der Mutterleib gegen die sich anbahnende Bedrohung rebelliert. Das erinnert manchmal an den Körperhorror eines David Cronenberg (vor allem an The Brood; es gibt sogar einen brutalen Hammermord), ohne jedoch dessen unangenehme Intensität zu erreichen. Als weitere Inspirationsquellen dienten Roman Polanskis Rosemary's Baby und Larry Cohens It's Alive. Trotz allem ist The Unborn ein toller, eigenständiger Film, der sich und den Zuschauer ernst nimmt, überaus packend umgesetzt wurde und darüber hinaus mit einigen starken (und blutigen) Set-Pieces beeindruckt. Vor allem die konsequente Dramaturgie - das sich stetig steigernde Grauen - ist Flender und seinem Team erstklassig gelungen. Die Bluteffekte sind gut in die Handlung eingebettet und trotz aller Drastik niemals selbstzweckhaft. Überraschenderweise hat der Film auch eine richtig schöne Sexszene in einem Schaukelstuhl zu bieten, die ganz ohne Nuditäten auskommt, dafür erotischer und sinnlicher ist als vieles, was man in Mainstreamfilmen zu sehen bekommt. Gegen Ende driftet der Streifen zwar etwas ins Absurde ab, aber da zappelt man als Zuseher bereits längst am Haken und stört sich nicht groß daran. Der mit dem Ergebnis sichtlich zufriedene Roger Corman meinte: "I think you'll find the end result quite disturbingly enjoyable!" Und wo er recht hat, hat er recht.
The Unborn ist ein kleiner, leuchtender Stern am Horrorfirmament der 90er: intelligent geschrieben, glaubwürdig gespielt, und mitreißend inszeniert. Ein richtig starker Schocker. Rick Jacobson ließ 1994 mit The Unborn 2 - Born Again (hierzulande idiotischerweise Baby Blood 2) ein amüsant-garstiges Trash-Sequel folgen.

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