Die rumänischen Karpaten während des kalten Krieges: Ein Militärtransporter windet sich auf Serpentinen bergwärts. Mehrere Söldner(?) in der Fahrerkabine werden ordentlich durchgeschüttelt, müssen dann aber schließlich zu Fuß weiter, als ein Felssturz die Strasse gesperrt hat. Ein Einheimischer führt sie zu einem verlassenen Kloster direkt an den Felswänden - dort scheinen sie etwas zu suchen. Die ungestüm vorgehenden Männer in den Tarnanzügen, die am Handgelenk eine auffällige Tätowierung V.S.S.F. tragen, brechen dann unvermutet durch den Boden der Krypta in ein größeres Gewölbe im Keller durch. Kurz danach, ausgelöst durch eine Sprengung, ereignet sich ein Felsregen auf die Kirche, der immer heftiger wird und diese völlig einstürzen läßt und unter sich begräbt...
Ein spannender Beginn eines Thrillers möchte man meinen, wenn man diese wenigen Minuten des Allerweltstitels The Cave gesehen hat: Ein Bergdrama im geheimnisvollen archaischen Rumänien der Ceaucescu-Zeit - was mögen die militärisch gekleideten Männer dort wohl gesucht haben, was hat es mit deren Tätowierungen, der kleinen Kirche und dem Felssturz auf sich? Aber nichts wird es mit einem Action-Streifen, denn dann erfolgt ein harter Schnitt 30 Jahre später auf ein paar Sonnyboys & Sonnygirls auf einem Schiff vor Hawaii - Tauchspezialisten, die mal eben um die halbe Welt fahren, um eine große Höhle in Rumänien zu inspizieren. Eine Klappe später sind sie auch schon dort, klettern kurz und lassen sich dann hinunter in ein großes unterirdisches Gewölbe. Das ist dann Ausgangs- und Endpunkt für den restlichen Film, der fast ausschließlich dort unten spielt.
Leider folgt nun ein behäbiges Höhlentauchen und -klettern, das den geneigten Zuseher mit einigen bemühten Action-Momenten gerade noch vor dem Einschlafen bewahrt: In der feuchten und dunklen Höhle gibt es einige schmale Gänge und fließende Gewässer, die durchkrochen und durchtaucht werden müssen. Dabei werden die wackeren "Forscher" langsam aber sicher dezimiert, da sich dort auch offenbar fleischfressende Höhlenbewohner befinden. Diese bleiben zunächst durch Schnellschnitte und Wackelkamera wortwörtlich im Dunklen, gegen Ende des Streifens aber zeigen sich immer mehr dieser computergetricksten Alien-Lookalikes, die nicht nur schnelle Schwimmer sind, sondern auch fliegen und an senkrechten Tropfsteinhöhlenwänden herumlaufen können. Das alles ist weder spannend noch tricktechnisch besonders gut umgesetzt, und vergeblich wartet man dann auch auf einen Bezug zu der oben geschilderten Eingangsszene, der ausschließlich mit Groß-Zooms auf Hautpartien der Monster hergestellt werden kann, weil diese ebenfalls die Buchstabenkombination V.S.S.F. erkennen lassen. Was dies aber bedeuten soll?
Der Subplot um die Vermehrung der Biester mittels Blutparasiten wird anhand der schleichenden Verwandlung des verletzten Teamleiters Jack (Cole Hauser) vorangetrieben, der langsam immer eckigere Pupillen und bläuliche Haut bekommt, und die verbliebenen Expeditionsmitglieder erstaunlich präzise über das Verhalten der Aliens und einen Ausweg aus der Höhle informieren kann. Die Logiklöcher dieser nur für den Survivalthriller entworfenen Riesengrotte mag man schon gar nicht mehr aufzählen, aber fließendes Wasser am Boden, eisbedeckte Steilwände und schließlich noch brennendes austretendes Methangas und Geysire in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander lassen das Ganze als unausgegorenen SciFi-Klamotte erscheinen, von den lustig tätowierten Flugechsen ganz abgesehen...
Vorhersehbarerweise gibt es dann doch Überlebende dieser Tour, die in einer kurzen Schlußszene auch noch Befürchtungen bezüglich einer Fortsetzung schüren, die ganz bestimmt kein Mensch braucht. Nein, The Cave ist nicht völliger Mist (das Setting zumindest ist streckenweise eindrucksvoll und auch ordentlich abgefilmt) jedoch ein vollkommen belangloser, mit zunehmender Dauer immer weniger spannender "Höhlen-Film", der einen zu keiner Zeit mit irgendeinem Darsteller mitfiebern läßt und bezüglich der soundsovielten Alien-Kopie auch keinerlei neue Ideen oder gar Überraschungen bietet. 3 Punkte.
PS: Die vielgeschmähte Tante Wiki bietet für das ominöse V.S.S.F.-Tattoo übrigens die Bedeutung „Vereinigung Schweizerischer Sprengfachleute“ an. Und ich war mir so sicher, daß dieses V.S.S.F. für "Verkleidete Securitate-Spezialisten Forschungsabteilung" steht. So kann man sich täuschen...