Altgediente Darsteller machen und machten schon mal hippe bis schräge Sachen, die dann später in ihrer Biographie mit erhobenen Augenbrauen quittiert werden und wurden und ich denke, ein Disko-Geschoss wie „Vampira“ von 1974 gehört eindeutig auch dazu, also merket auf.
In diesem Fall hat sich nämlich ein gestandener Mime wie David Niven überreden lassen, doch mal eine komische Rolle in einem Gruselfilm anzunehmen. Der Horrorfilm war zu dieser Zeit sowieso in einer Übergangsphase, der klassische „Hammer“-Stoff war kurz vor dem Aus, der Teufel führte überall Regie und eigentlich wandelte sich Film gerade komplett, hin zu kurzlebigen Moden wie Kampfsport oder Disco.
Womit wir denn auch bei Vampira wären, denn der hier schon stark angegraute Niven spielt doch tatsächlich einen einigermaßen würdevollen Graf Dracula, der gern seine Holde wieder zum Leben erwecken möchte, seit diese sich an einer Blutprobe vergiftet hatte und im Schlafe darnieder liegt. Den Lebensunterhalt samt Lebenssaft bestreitet der Beißer anhand von Touristengruppen, die er durch sein transylvanisches Schloss schleust, samt Kost und Logis, um dann Blutproben auf Kompatibilität zu prüfen. Und siehe da, eine Gruppe von fünf Fotomodels (aha!) haut hin, eine hat den nötigen Erweckungsstoff in den Venen.
Doch die Sache hat einen Haken, denn Lady Vampira wandelt sich nach Infusion und Erwachen von einer bleichen Weißen in eine funky schwarze Discoschnitte (offenbar war es das schwarze Model mit der korrekten Probe). An dieser Stelle lassen wir die geschmacksunsicheren Folgen mal Folgen sein, denn Sir David hätte gern seine helle Schönheit zurück, was aber nicht so einfach ist. Man bricht halt schwer mit alten Gewohnheiten.
Der Rest des Films (so ca 60 Prozent) besteht nach Ankunft des Beißerpärchens in London aus hippen Club-Dance-Moves aus der seligen Disco-Ära und (in einem geringeren Anteil) aus den Bemühungen eines Pärchens, den Vampiren den Garaus zu machen, was aber aufgrund deren relativer Unerfahrenheit nicht eben großartig von Erfolg gekrönt ist.
Und so sitzt man dann und schaut einem Film zu, in dem der vampirische Held und sein dienstbeflissener Butler bemüht sind, bei Frau Vampir die maximale Pigmentierung wieder zurück zu drehen, was übrigens gegen Ende (zwischendurch gabs ein wenig unwichtiges Gerangel mit den "Vampirjägern" und die weibliche Verfolgerin ersäuft mal fast in einem Verlies) zu einem Blackfacing-Joke führt, der sogar den Plot mit all seiner Fragwürdigkeit auf die Plätze verweist.
Wer jetzt auf viel nackte Haut setzt, wird übrigens auch enttäuscht werden, der Film gibt sich von allen Seiten recht zahm, auch wenn sich Teresa Graves in ihrer letzten Kinorolle (sie ließ sich ihre Karriere durch einen Beitritt zu den Zeugen Jehovas versauen bzw. beenden) bemüht, zumindest beim Grooven auf dem Dancefloor eine gute Figur zu machen, während Niven auch als Vampir in erster Linie Niven spielt. Was aber wie üblich grundsympathisch ist. Ein paar paar Bonmots kommen ganz gut rüber und einige hübsche Mädels waren auch dabei, aber wer das hier sieht, weiß die Bedeutung von „New Hollywood“ oder Rainer Werner Fassbender ganz neu einzuordnen. (3/10)