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Mittlerweile hat sich die Lage im Kantonesischen Kino ja insofern wieder so gebessert, dass man durch Rückgriffe auf anerkannt hergebrachte Themen und bewährte Schauspieler gleichermassen in moderner Optik den immer noch geneigten Zuschauer wieder mit geeignetem Material versorgen kann. Dabei spielt man auch durchaus die Budgetkarte aus und traut sich zwar in weniger Projekten, aber dafür dann dort wenigstens gesittet die jeweiligen Filme auch zu finanzieren; von den aufkommenden Chinese Super Blockbustern ja ganz zu schweigen. Bis nicht vor allzu langem sah dies noch etwas anders aus: Mit der Entwicklung der preisgünstigen Video CD sowie der nicht wesentlich teueren DVD bommte vor allem die home video distribution, was sich im nachhaltigen Echo dahingehend niederschlug, dass man sich gar nicht richtig vor der Masse billigst hergestellter direct to video Ware schützen konnte. Selbst wenn man diesem speziellen Bereich der langfristig wohl eher industrieruinierenden Unterhaltung zugetan war, gab es darüber keine kundige Führung; man konnte sich vor allem nicht gross an Darstellern und Regisseuren orientieren oder gar auf Erfahrung verlassen.
"Wir wissen zwar, wie es geht, aber wir können es nicht."; wobei öfters auch das Erste noch fraglich ist.

Hot Cop in the City gehört ebenfalls direkt in die Ballung der national determinierten und regional begrenzten no budget Werke, hat sicherlich kein weiterreichendes Ansehen, aber fällt durch Titel und Cover auf und gehört noch eher zu den prägnanter hervorscheinenden Fabrikaten. Finanziert wurde das Trauerspiel von Punch Pictures Company Ltd, die subsidiär untergeordnet für Panorama Entertainment sogenannte tele - feature films herstellen und damit Hand in Hand auch der Hong Kong Cable Television Limited zuarbeiten. Sogar die Besetzung ist leicht namhafter als für dieses Metier mutloser Angelegenheiten üblich. Wer jetzt denkt, der Film hat deswegen auch nur irgendetwas Angenehmes zu bieten, der irrt.
Die Lam Wai Yin / Yuen Gai-Chi Doppelregie gehört zu dem Schlechtesten, was je das Licht der Welt erblickt hat und stellt sogar in diesem schon so zumeist niederen Bereich kommerzieller Verwertungsinteressen den absoluten Bodensatz dar. Die harte Schule hemmungsloser Kritik ist schlicht machtlos.

Es soll ja ein Auditorium geben, dass sich gerne eine Sammlung möglichst wenig beachteter, weitgehend unbekannter Fassungen zulegt und dafür auch in Kauf nimmt, dass man eben nicht Können und Wollen reputierter Inszenatoren frei Haus bekommt. Lam dürfte den Meisten vollkommen ungeläufig sein, befindet sich eng im Schatten des nur unwesentlich ruhmreicheren Tony Leung Hung - wah und hat sich auch vor allem für diese Nemesis des HK Kinos beruflich tätig gemacht: Demoniac Flash, A Wondrous Bet und Get The Murderer als die letzten Kunstwerke im Schaffen des Unheilsteams; unnötig zu erwähnen, dass nur eine Handvoll in den Genuss der Artikel gekommen ist und die zufällig Reinzappenden wahrscheinlich gleich wieder abgeschaltet haben.
Yuen dagegen mag zwar auch kein leuchtendes Aushängeschild sein, gehörte aber in den 80ern und beginnenden 90er zu den Autoren eines Dutzend allseitig bestätigter Klassiker; die bei A Chinese Ghost Story anfangen, stilsicher über I love Maria, Pedicab Driver und She shoots straight fortgesetzt werden und ihr Ende bei Fight back to School 2, Drunken Master 2 und Chinese Feast finden. Der Mann müsste es eigentlich weitaus besser wissen, kann oder mag hier aber nichts retten und ändert rein gar nichts an der akuten Pein.

Hot Cop in the City stellt eine Belastungsprobe dar, die dem Betrachter schon viel an Geduld und Schmerz abverlangt und gängiges Mittel in Sadomasokreisen darstellen sollte. Auch für den Vielgewöhnten ist dieses Erzeugnis dadaistischer Antikunst weit mehr Anstrengung als Unterhaltung; zumindest weiss man hiernach, dass es nur noch besser werden kann. Dabei ist die Scharlatanerie ein Übergangsfilm: Es geht vom simplen "schlecht" zu "minderwertig", "miserabel" und "desolat".
Der Krampf der Armseligkeit beginnt gleich zu Anfang, fängt sich dann für vielleicht 45 hoffnungsbesetzte Sekunden und legt dann erst richtig auf der Miesenskala los. Kein langsames Herantasten an die Foltergrenze, sondern mitten rein in den Kampf um Geschmack und die Verirrung dessen. Die Geschichte selber klingt nach Abzug aller Idiotien so übel nicht; man hatte für seine früheren Actionkomödien auch nicht mehr in der Hand und könnte auch hier etwas daraus machen.

HK Cop Peggy [ Tiffany Lee ] arbeitet beim Promotion Department der Polizei, sorgt also weniger für die Vermeidung von Verbrechen als viel mehr für "Aufklärung" der Bevölkerung und hat Sorge dafür zu tragen, dass der Anschein gewahrt wird und die Rekrutierung auf Hochtouren läuft. Dabei agiert sie auch ohne Waffe und führt mit Kamera und Mikrofon ausgestattete Reportagen an diversen kleinen Brandstellen der Kriminalität durch. Eines Tages bekommt sie Verstärkung durch die Chinesin Judy Chu Jing [ Sonia Kwok ], die allerdings nur eine Tarnung für etwas weitaus Grösseres darstellt.
Plotwise geht es um Falschgeld in Unmengen. Um den verbrecherischen Ex - Cop Fred Luk [ Hugo Ng ], der nach einem Autounfall abgesehen vom Kopf nur aus Metall besteht, sich nach und nach auflöst und deswegen auch starke Magnetfelder meiden muss. Um Peggys nur scheinbar schwulen Mitbewohner Lam Chun [ Patrick Tang ], der seit zwanzig Jahre die Sissy spielt, um in ihrer Nähe sein zu können und über die Dekaden zur Memme #1 geworden ist. Und um den Informanten Mike Bee [ Tats Lau ], der als Computerspezialist in die Fälscherorganisation eingeschleust wird, obwohl er nicht einmal eine Diskette kopieren kann und bei "open the window" erstmal für frischen Durchzug im Raum sorgt.

Wenn man ganz gnädig ist, kann man diesen einen Witz gelten lassen; alle anderen aber bestimmt nicht. Der Film ist eine fiktionale Illusionsproduktion, die sich vom Ausgangspunkt stark an den weitaus gelungeneren Sunshine Cops anlehnt - der humoristischen Variante des Breaking News - und sich entsprechend auf dem Konstrukt des buddy pictures ausruht. Hinzu kommt noch der ebenso gängige culture clash von Chinese und Kantonese. Allein auf dem Papier hat man sicherlich auch noch diverse weitere Zutaten für 80min Lauflänge in weitgehender Standardisierung, scheitert in grotesker Erschütterung aber auf durchweg allen Sektionen.

Selbst der geneigte C - Film Afficiando wird weitgehend kaltgestellt. Rare Gesprenkel von Action umfassen Sam Ho - choreograpierte Kicks; die zwar jedesmal nach zwei, drei Tritten aufhören, aber sich im Vergleich zum schändlichen Rest noch ganz wacker schlagen und zumindest bemühen. Das Tempo wird sinnig angetrieben und eventuelle over the top - Violenz durch Negativverfahren gebündelt; auch die durchaus klare Visualität und einige seltenere Schauplätze weisen in eine leicht bessere Richtung hin. Doch damit ists schon Pustekuchen. Der einzige Shootout im Finale ist komplett CGI - enhanced. Dasselbe gilt auch für ein Ping Pong Spiel, einen geworfenen Tennisball, gesprühtes Tränengas und die Explosion einer Tür, wobei die Letztere wohl eher mit dem Photoshop simuliert wurde. Kann man trotz gewagter Bildersprache und Schmalspurkamera alles mit leben, auch wenns noch zusätzlich von der Heimorgel unterspielt wird.
Nur hätte man das heillos missglückte Experiment niemals mit vermeintlichen Witz speisen dürfen.

So wirkt man nicht nur wie ein müder Tod, sondern auch noch nervig, laut, unsympathisch, teilweise über Penetranz abstossend und durch Unzumutbarkeiten und Paradoxien jenseits von Selbstkontrolle bestimmt. Der Verzweiflungsschrei des Elends erfasst grossteils unzumutbare Schauspieler, die hemmungslos überzogen und in starrer Anspannung zugleich ihr kontraproduktives Marionettentheater voll bemerkenswerter Chargenrollen absolvieren. Austeilen und Wehtun ist die unermüdlich befolgte Maxime der gruselfilmerprobten Equipe; die Inszenierung der Absu[r]dkomiker stellt ganz auf Körpereffekte, gebrochenen Bewegungsfluss und Kinderanimation ab und pflanzt dazwischen seine unsäglich - nichtswürdigen Dialoge.

Das Ergebnis ist katastrophalen Ausmaßes. Die Büchse der Pandora. Ein stimmiges Argument für säkularen Kulturpessimismus. Eine Vision vom Ende der Filmgeschichte.

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