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Spätestens hiernach weiss man auch, warum SciFi im HK Kino derartig stiefmütterlich behandelt wird und nur alle Jubeljahre mal in einer entsetzten Ausfertigung das Licht der Welt erblickt. Sie können es einfach nicht. Wahrscheinlich wollen sie es auch nicht können, denn ständig derartig verhohnepipeln kann man das Genre gar nicht, ohne es nicht mit Absicht darauf anzulegen, dass so gar nichts Vorzeigbares dabei herumkommt. Selbst wenn man die Motive der Science-Fiction-Phantasie nur in einem Teilbereich zur Rate zieht und sich noch nicht einmal darauf stürzt, sondern nur als Gewürz nimmt, geht es zumeist vollkommen daneben. Auch bei prominenteren und ansonst gutbetuchten Regisseuren. Und das kann kein Zufall sein.

Jemand wie Alex Cheung zum Beispiel. Startet erst mit den beiden grimmigen, realitätsbewussten Copdramen Man on the Brink und Cops and Robbers durch, nachdem er dasselbe vorher für die kleine Mattscheibe bereits manierlich aufbereitet hat. Auch sein Danger has Two Faces zeigte noch vereinzelt Ausläufer von städtischer Apokalypse angesichts der Kriegserklärung von Verbrechern gegenüber der Polizei und umgekehrt, aber brachte bereits die ersten Fehlbesetzungen und unfreiwillig lustigen und damit blamierenden Momente ein. Twinkle Twinkle zeigt sich nur unfähig; pfuscht, stümpert und hudelt dermassen talentlos durch die Gegend, dass man die nunmehrige Regiehure Cheung ganz schnell den Geschmackswärtern übergeben sollte.
Dies liegt weniger am Umgang mit dem womöglich unbekannten Stoff und der Unkenntnis beim Zutritt prinzipiell nie betretbarer Schauplätze, sondern daran, dass der Film ganz einfach nicht lustig ist.

Der asiatisch - zwiespältigen Einstellung zum Fortschritt zufolge weicht die Begegnung mit ausserirdischem Leben nämlich schnell einer Chaoskomödie; schon ein zweites Gebiet, auf dem die Chinesen eher berüchtigt als berühmt sind, auch wenn dortig die Erfahrungen und Anzahl der Produkte weitaus höher gelagert ist. Abgesehen von Stephen Chow, dessen nächster Auswurf auch noch im Weltraum angesiedelt sein soll - es kann Einem Angst und Bange werden - sind die Filmemacher und ihre Darsteller ja nicht gerade bekannt für einen hierzulande verständlichen Witz. Die Auffassungsgabe bezüglich dem Andere Länder, Andere Sitten - Humor ist je nach Geschick und Gemüt schon weitreichend unterschiedlich; aber die Chance, mit der nächsten Comedy einen Fehlgriff zu tun ist nicht nur für naysayer mit einem hohen Risiko verbunden. Manchmal entscheidet der Tagesgeschmack, aber Twinkle Twinkle ist im Witz so brachliegend, dass man jede Gutsagung trotz Nächstenliebe und Opfermut steckenlassen kann.
Es mangelt ja bereits an den simpelsten Voraussetzungen schon für die Entstehung einer Sympathie gegenüber dem Produkt; allein durch das Casting hat man bereits die Zuneigung arg in Gefahr gesetzt:

Die beiden Privatdetektive Eden [ James Yi Lui ] und Columbo [ Tam Tin - nam ] halten sich mühsam mit dem Aufdecken von Ehebetrug und dem Einfordern von Rückzahlungen für einen Kredithai über Wasser. Als sie dabei einen der unfreiwilligen Klienten in den Tod treiben, wollen sie sich auch das Leben nehmen und von einem Zug überfahren lassen. Auf dem Gleis findet sie die bereits wartende junge Li Tien Zhen [ Cherrie Chung ] vor, die denselben Gedanken hat. Ihr Freund Kwok [ David Lo ] hat sich bei der Wahl Geld oder Liebe nämlich für das Erste entschieden und dem naiven Dummchen den Laufpass gegeben. Kurz bevor der Zug seine Ziele erreicht, erkennen die Drei, dass sie sich gegenseitig aus der Patsche ziehen können. Und dann gibt es noch Dr. Lu [ Leung Tin ], der nicht nur mit Schimpansen forscht, sondern auch auf der Suche nach UFOs ist.

Nun ist das beileibe nicht der Anfang vom Film, aber das Erste, was man als klare Handlung erkennen kann. Chronologisch befindet man sich bereits nach Halbzeit; der Löwenanteil ging inzwischen für allerlei Blödsinn drauf, dessen Geistesarmut verbunden mit vermeintlich anarchischen Narrenschanz ein weitgehend ungefälliges Elendsgemälde ergibt. Wie auch in diversen anderen "zur Erheiterung dienend" klassifizierten Lustspielen wird sich oft im sozialen Leid ausgetobt; wobei man den Lacher im letzten Ausweg Suizid ebenso vergeblich suchen muss wie auch im beabsichtigten Aufmarschieren durchweg hässlichster Gestalten. Die Komik wird ja bekanntlich zuallererst an Personen gefunden, sonach gibt es keinen Einzigen im Panorama, der nicht irgendwie schiefnasig, schielend, triefäugig oder sonstwie verzerrt ist. Selbst die in folgenden Jahren durchaus als hübsch zu bezeichnende Cherie Chung ist hier noch ein eher welkes Mauerblümchen. Der Auftritt in weisser Spitze lenkt nicht nur den Zuschauer für einen Moment davon ab; die folgende rosa Leggings vervielfältigt ihn dann aber wieder.
Gleichklang von Stil und Substanz mal als was Neues. Aussen pfui und innen auch pfui; da verdeckt auch der Weichzeichner nichts mehr.

Die Pointen zielen hauptsächlich auf das Grobe. Li bleibt mit dem Absatz im Gully eines Lüftungsschachtes stecken, ihr Röckchen weht hoch und löst nach gierigen Blicken unaufmerksamer Autofahrer eine Massenkarambolage aus. Eine schön trockene Explosion schliesst sich an. Ihr Körper und die Folgen als Beginn einer Reihe von Attraktionsmedien, bei denen sich die sechs Autoren schon phantasiebegabt anstellen; aber nur mit Müh und Not eine Handlung anfertigen können und die Personenkonstellation selber erst gar nicht hinkriegen. Unentschlossen werden sehr mässige Parodien [ Russisch Roulette Szene aus Die durch die Hölle gehen ], unsinnige Popverweise auf Delon und Monroe, Tanzdarbietungen bis hin zum 80ties Videoclip und Vielleicht - Homagen an bekannte Szenarien [ Die unheimliche Begegnung der Dritten Art, Mad Scientist Chrie ] ohne ersichtliche Anordnung in die Erzählmitte geworfen, um am Ende in aller Verzweiflung doch die antike Tortenschlacht zu bringen.

Natürlich macht Kleinvieh auch Mist. Die Trashfans oder die, die in jedem Schlechten etwas Wunderbares reininterpretieren möchten, werden sicherlich fündig werden. Mal entdeckt man auch einen Schnake, der unter all den misslungenen Kalauern hervorstechen mag. Das Biegen und Brechen von Konventionen und das schlichtweg irre Erzählmuster anhand des porös roten Fadens kann auch dafür sorgen, dass aufgrund Unahnbarkeit des Nächstkommenden eine gewisse Kurzweiligkeit entsteht; die aber ein Wechselverhältnis mit rasch auftauchendem Kopfschmerz eingeht. Taxi Driver Karikatur, Drag Szene, ein ausschweifendes Unwetter, Duell mit Leuchtschwertern und Leuchtnunchaku gegen einen Darth Vader Verschnitt ect. alles binnen von Minuten ergibt auf Dauer eben nur eine schwer verträgliche Höllenpein, die selbst mit einigen besseren Sets nicht mehr ausgetilgt werden kann: Das Raumschiff - Interieur ist mit mehr Inspiration aufbereitet als die Hülle. Auch der Schauplatz eines Werbespots ist wie frisch aus den Shawstudios geschlüpft komplett in einer altertümlichen Landschaft mit Teich, Brücke und Insel ausgestattet; nur die Scheinwerfer an der Decke stören.
Hier hätten schon viel früher die Lichter ausgehen sollen.

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