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Im hierzulande relativ unbekannten schwedischen Horrorfilm „The Visitors“ aus dem Jahre 1988, dem Regiedebüt von Jack Ersgard („Dangerous Move“), bezieht ein Ehepaar (Kjell Bergqvist und Lena Endre) mit zwei Kindern unwissend ein „Haunted House“ auf dem Lande, das einige seltsame Phänomene bereithält. Anscheinend gibt es einen unliebsamen, dämonischen Mitbewohner auf dem Dachboden…

Das klingt nach guter alter Standardkost, ist es aber nicht ganz. Zunächst einmal handelt es sich um einen skandinavischen Genrefilm, derer mir aus den 1980ern nicht viele bekannt sind. Zudem zickt sich das Ehepaar permanent gegenseitig an, „Das Böse“ dringt diesmal also nicht in eine heile Welt, eine Familienidylle ein, dort lag schon vorher einiges im Argen. Ehemann Frank gerät sogar noch mit dem Postboten aneinander und dass er es nicht auf die Reihe kriegt, einen Briefkasten anzubringen, wird zu einer Art „Running Gag“ des Films. Inwieweit das freiwilliger Natur ist, weiß ich nicht genau, eher unfreiwillig erscheinen mir in jedem Fall die komischen Momente, wenn Frank bedingt durch den wahnwitzigen Apparats des Geisterjägers Allan durch die Luft geschleudert wird oder er sich am Auto seiner fliehenden Frau entlanghangelt. Jener Geisterjäger, der aussieht wie ein jüngerer Horst Schlämmer, sorgt aber auch für einen bewusst komödiantisch und tatsächlich irrsinnig komischen, längeren Dialog im Mittelteil. Spätestens ab diesem Punkt ist klar, dass es „The Visitors“ nicht um die Erzeugung einer dichten Gruselatmosphäre, sondern eher um lockerere Unterhaltungswerte geht. Umso überraschender und effektiver fällt dann das letzte Drittel des Films aus, das den Psychoterror, das spürbare Gefühl der Bedrohung, auf die Spitze treibt. Blutig wird es dabei übrigens nie, es stirbt auch kaum jemand. Dafür wird die Spannung, die Angst vor dem Unbekannten, gesteigert, bis… ja, bis man den Dämonen einmal kurz zu Gesicht bekommt. Aber das war’s dann auch schon – woher er kam, was er dort zu suchen hatte, wer er überhaupt war? Wird nicht geklärt. Das ist etwas schade, wirkt die ganze Chose dadurch doch etwas plump.

Dennoch hat es „The Visitors“ geschafft, über die gesamte Laufzeit ohne einen Anflug von Langeweile zu unterhalten – wenn auch nicht immer mit Genrecharakteristika – und nicht zuletzt mit seinem 80er-Charme zu punkten. Mir jedenfalls hat der Film so wie er ist überraschend gut gefallen und wer auf der Suche nach europäischer Genrekost der glorreichen 1980er ist, sollte „The Visitors“ vielleicht einmal freundlich zu sich hereinbitten.

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