Review

Kindheitserinnerungen, halb von hinter der Couch verinnerlicht, hegen immer noch das schönste Gruselpotential, das sich bis ins Erwachsensein fortpflanzt. Die Frage nach dem ersten Horrorfilm ist immer noch einer der beliebtesten Themenstarter und wirft ein interessantes Licht darauf, was so um den 10.Geburtstag gerade so in Mode war.
Während heute die harten Sachen relativ früh per Internet eingesaugt werden, waren vor 20 Jahren echte Klassiker und gruselige Geheimtipps noch für so manchen echten Alptraum verantwortlich - was wiederum einer der Gründe ist, warum sich der schwedische Film "Visitors" einer recht beachtlichen Fangemeinde erfreuen darf und in Internetforen recht häufig zwecks Identifikation gesucht wird.

Die Schlüsselworte dabei heißen: abgelegenes Haus, Dachboden, verdächtige Geräusche und eine dämonische Präsenz.
Alles Zutaten, wie man es sie bei einem Spukhausfilm erwartet.
Ergänzen wir also noch folgendes: eine amerikanische Familie ist wegen eines wichtigen Werbeauftrages extra ins schwedische Hinterland gezogen und will dort endlich mal ganz groß durchstarten. Die Ehe hat schon leichte Belastungsbrüche, weil der Ehemann immer so viel arbeitet und dann haben wir da das alte Haus, in dem es jetzt nicht eben ungemütlich ist, jedoch die Tapeten öfter mal von der Wand fallen. Auf dem Dachboden schwingen die Lampen und hinter den Fenster sieht man unheimliche Schatten, ergänzt durch eine geheimnisvolle Tür (ohne Schlüssel, logo) auf dem Dachboden, hinter die natürlich niemand sieht, ehe es dramaturgisch unvermeidbar wird.

All das scheint einer gewissen Gruppe von TV-Zuschauern eine Höllenangst eingejagt zu haben und weil ein schwedischer Film eher ein Nischendasein bei den Ausstrahlungen und Veröffentlichungen fristet, gingen die unheimlichen Effekte ihren Weg von handwerklich gut zu legendär grauenhaft.

Besieht man sich den Film dann mal mit einem modernen Auge (und ev. dem Wissen um einige andere - wirklich unheimliche - Filme), dann wird der geheime Klassiker zunehmend zum Geduldsspiel.
Zunächst sei erwähnt, daß die Story im Wesentlichen ein Plagiat von von Tobe Hoopers "Poltergeist" ist, abzüglich den Zivilisationsbezügen und der Kapitalismuskritik. Der Reigen ist vorhersehbar: Einzug, unheimliche Phänomene, familiäre Krise und dann taucht irgendwann ein Okkultspezialist mit einigen selbstgebauten (lustig piepsenden) Maschinen auf, der das Haus reinigen will.
Das ist jetzt nicht der schlechteste Storyaufbau, aber offenbar hat Regisseur cum Auteur Jack Esgard bei seinem Debüt noch nicht die Finesse, einen Plotaufbau so zu trimmen, daß man die Hälfte des Films als Zeittotschlagung wahrnimmt.
Abgesehen von den unheimlichen Szenen, die wirklich recht versiert daherkommen, wenn auch altbacken und relativ unspektakulär, darf man dem Zerfall einer Ehe beiwohnen, der mit der Brechstange aufgebaut wird.
Daß die US-Herkunft (und die englischen Namen) eine reine Erfindung des Exportmarktes sind - im Original sind das alles Schweden - nimmt man gern als geschenkt. Daß der Film auch nach seiner deutschen Höchstkürzung um 11 Minuten (von 109 auf 98 Minuten) ziemlich langweilig ist, kann nur schwer wieder gutgemacht werden.

Warner und Mahner ist diesmal Papa Frank, der bald die Zeichen an der Wand erkennt, dessen Versagen auf beruflicher Ebene jedoch eher dazu führt, daß er sinnlose Streitgespräche mit seiner Gattin sucht und sich zunehmend wegen einer nicht näher definierten Gefahr fertig macht, bis ihn alle für deppert halten. Gattin Sara ist das typische Beispiel für einen hübschen Konfrontationskurs und das sichere Händchen, immer im falschen Moment auch noch das Falsche zu sagen, das geht so weit, daß sie praktisch auf dem Höhepunkt des Spuks einfach mal den Wagen nimmt und ihre Familie verläßt, inclusive zweier Kleinkinder, die sich bei ihrem, ihrer Einschätzung nach, paranoiden und fast gefährlichen Ehemann zurückläßt. Ja, das klingt doch schlüssig.

Den Vogel schießt aber Parapsychologe (gnihihi...) Allan Svensson ab, ein Überbißmonstrum mit Pornobalken, der Herausgeber eines Magazins ist, das in etwa die Professionalität einer Schülerzeitung aus der Grundschule ausstrahlt.
Er soll wohl neben dem wissenschaftlichen Unterbau auch für den Humor sorgen und macht deftig schlechte Scherze, während er das Haus elektronisch reinigen will (übrigens ein Gimmick, den die Macher offenbar bei Richard Mathesons "Hell House" abgeschrieben haben).
Und dann haben wir natürlich noch den "Besucher", der aber wohl mehr ein "Bewohner" ist, auch wenn die Existenz des "Dämons" genauso nebulös bleibt wie seine Herkunft oder die seltsame Ausstattung der Dachbodenkammer des Vorbesitzers und seines ominösen Tagebuchs, das auch keine Klarheit schafft.
Man möge übrigens nicht allzuviele Maskeneffekte in diesem Film erwarten (genau 0,5 Sekunden trifft es recht präzise), offenbar bezog der Film seine Wirkung daraus, daß ein leicht zu beeindruckendes Publikum ewig auf eine Auflösung warten mußte, so daß sich die Enthüllung dann zu gigantischen Dimensionen verklärte.
Tatsächlich ist das Finale dann auch angemessen hysterisch (und Dad dazu angemessen inkompetent) und so müssen mal wieder die Kinderchen den Tag retten, übrigens garniert mit ein paar zusätzlichen Geistererscheinungen, die man wiederum bei "Shining" durchgepaust hat.

Das soll nicht heißen, daß alles an "The Visitors" mies wäre, aber abgedroschen und plagiiert trifft es schon ganz gut.
Die Story braucht einfach zu lange, um in die Gänge zu kommen, erbricht sich dann ewig an Eheproblemen und Belanglosigkeiten (der junge Postbeamte, der mehrfach zu Besuch kommt) und schmeißt dann zu viel durcheinander, das die gute Location, die akzeptablen Tricks und in so mancher Sequenz die unheimliche Grundatmosphäre nicht vollständig retten können.
Die eher horrorphobe weibliche Zuschauerschaft wird "Besökarna" wohl als zumutbaren Grusler akzeptieren, aber wer die drei hier im Text erwähnten Filmklassiker bereits gesehen hat, wird kaum noch etwas finden, was einen so wegbläst, wie unsere Erinnerungen uns das wünschen. Bitte noch mal um 10 Minuten kürzen! (4/10)

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