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"Neutronen - Bombe" erzählt die Geschichte eines Wissenschaftlers, der einen neuartigen Sprengstoff entwickelt hat, den die Regierung des Landes, in dem er lebt, gerne für militärische Zwecke nutzen möchte.
Dafür gibt Dr. Prokoff seine Erfindung nicht her und wird im folgenden von Regierungsschergen entführt und in einem High Tech Militärkomplex gefangengehalten.
In seiner Gefangenschaft lernt er den obersten Boss der Regierung kennen, der sich in völliger Dekadenz in einem Palast suhlt und die Bombe eher aus Langeweile als aus einer Notwenigkeit heraus will.
Außerdem bändelt die Tochter eines Militärchefs mit Prokoff an, was ihn dazu bringt, der Regierung doch ab und zu ein wenig seines Sprengstoffes zu überlassen.
Einige Male gelingt ihm sogar die Flucht, lange bleibt er jedoch nie in Freiheit.
Nachdem ihm die Regierungsoberen in zermürbender Folter endlich das Rezept für den Spengstoff abgejagt haben, wird der direkt mit dessen Verwendung konfrontiert: Sein ehemaliger Kommilitone Dr. Thomas hat die Neutronen Bombe entwickelt und stützt die Welt mit seiner und Prokoffs Erfindung ins Inferno.

Dieser Film ist sehr lang und sehr ernst und nicht gerade, wie man sich einen tschechischen Endzeitfilm von 1980 vorstellt.
Allerdings ist er als Auseinandersetzung mit Rüstungspolitik hinter dem eisernen Vohang absolut singulär und lief vor 1991 wohl eher selten im tschechischen Fernsehen.

"Neutronen Bombe" ist kein bisschen trashig und auf die lange Spielzeit auch wenig spannend, eher klassischen Agentenfilm-Motiven folgend, immerhin mit einigen skurrilen Spitzen: Der dekadente Machthaber erstaunt ebenso wie eine Demonstration völlig ausgeklinkter zappelnder und kreischender Hippies mit Friedensfahnen und Bekleidung, die vermutlich eigens angefertigt wurde, um in diesem Film benutzt zu werden.
Auch wenn Hippies in der westlichen Welt um 1980 schon geradezu anachronistisch waren, waren sie in Tschechien wohl bis dato noch nicht gesehen und symbolisieren hier - rückblickend eher amüsant - den militanten Widerstand auf der Straße.

Das Land, dessen Regierung für den ganzen Schlamassel verantwortlich ist, wird nie benannt oder angedeutet, vermutlich eine Vorsichtsmaßnahme der Produzenten, die es sich nicht völlig mit der restriktiven Regierung ihrer Zeit verscherzen wollten.
Dennoch schlägt der Film einen deutlichen Ton gegen Rüstungswettlauf und Militärjunta an, so dass die Vorstellung, dass Regisseur O. Vavra nach der Veröffentlichung ein ähnliches Schicksal zuteil wurde, wie dem Hauptprotagonisten seines Filmes, nicht vollkommen abwegig erscheint.

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