Bevor der britische Schriftsteller Robert Harris 1998 seinen Polit-Thriller "Aurora" zur Veröffentlichung freigab, hatte er sich bereits durch genreverwandte Publikationen wie "Vaterland" und "Enigma" - beide mit z.T. hochkarätiger Besetzung verfilmt - seinen Ruf als einer der führenden Polit-Fiction-Romanciers erschrieben. Diese Mixtur aus historiographisch fundiertem Hintergrund mit einer spekulativ überhöhten und einer ordentlichen Prise Action & Geheimniskrämerei angereicherten Handlung hatte insbesondere im angelsächsischen Sprachraum stets sein Publikum. Deutsche Verleger hatten indes so ihre ureigenen Probleme mit Harris' Werken: sein durch Titel wie Themenstellung extrem provozierender Erstling "Fatherland" wanderte erfolglos durch zwei Dutzend deutsche Verlagshäuser, bevor 1992 der Zürcher Haffmans-Verlag zugriff und so den Start einer vielversprechenden Schriftsteller-Karriere ermöglichte.
Soviel zum literarischen Background vorweg. Aber nun geht's um eine "Rote Verschwörung" (was für ein blöder Titel!), die den neuen Bond-Darsteller, Daniel Craig, zum Hauptdarsteller besitzt - wenngleich nur im gehobenen TV-Format.
Die Verfilmung folgt ihrer literarischen Vorlage in ungewohnt hohem Ausmaße, und was anderswo einen uneingeschränkten Vorzug darstellte, erweist sich im Falle von "Aurora/Rote Verschwörung" eher als stupender Nachteil, denn bereits Harris' Epos - sein bislang wohl am wenigsten gelungenes - strotzt vor dramaturgischen wie logischen Schwächen. Und was Ende der 90er des vergangenen Jahrhunderts noch als halbwegs realistische Option erschien - daß nämlich ultra-nationalistische Kräfte wie Schirinowski oder aber Traditions-Kommunisten die Machtprobe mit damals Jelzin verpflichteten Kreml-Herrschern wagen würden, entpuppt sich angesichts des modernen Zarentums Putin'schen Zuschnitts als schwer überholt.
Noch mehr aber fällt die unrunde, stellenweise unübersichtliche und sich dahinschleppende Erzählweise negativ ins Gewicht: die gesamte Story will nicht so recht in Gang kommen, trotz einiger im Halbdunkel gehaltener (Tat)-Orte, schwer auf der verschwörungstheoretischen Ebene daherkommender Elemente sowie einem Surplus an medioker bis lächerlich inszenierten Verfolgungs-Szenarien. Man beachte einfach mal die Archangelsk-Aufnahmen, welche vor inszenatorischer Einfallsarmut geradezu stinken.
Selbst der aus dem Grundgerüst um ein bizarres "weltpolitisches Mysterium" gewobene Spannungsbogen, der einiges an Potenzial zu versprechen scheint, kann nur mühsam bis zum Ende aufrecht gehalten werden, aber immerhin hält er einigermaßen und zählt damit zu den Aktivposten dieses politischen Schauermärchens.
Ach ja, es gäbe noch eine kleine kinematographische Welt zu bekritteln, aber man kann sich weitere Details vielleicht ersparen, indem man diesem doch reichlich mißglückten Streifen gerade mal 5/10 Punkten und somit das Prädikat "schweres Mittelmaß" verleiht.