1973 veröffentlichte die japanische Filmschmiede „Toho“ mit „Panik über Tokio“ alias „Der Untergang Japans“ einen Katastrophenfilm, in dem aufgrund tektonischer Erdplattenverschiebungen infolge einer Erdkernausweitung diesmal gleich ganz Japan im Meer versinkt. Vorbote war das Absacken einer japanischen Insel. Geophysiker Dr. Tadokoro geht der Sache im wahrsten Sinne des Wortes auf den Grund und entdeckt die schreckliche Wahrheit.
Unter der Regie von Shirô Moritani wird nach einer Romanvorlage Sakyo Komatsus einmal mehr die japanische Lust am eigenen Untergang bzw., und das trifft es wohl besser, die Auseinandersetzung des von Natur- und anderen Katastrophen gebeutelten Landes mit seiner eigenen Verletzlichkeit zelebriert. Mit „Der Untergang Japans“ ging man dabei weiter als in vorherigen Produktionen und thematisiert in diesem pessimistischen Film die Probleme der Evakuierung eines ganzen Landes. Da wird es selbst für einen Katastrophenfilmmuffel wie mich interessant. Leider liegt mir nur eine radikal gekürzte Fassung vor: Von ursprünglich einmal 144 Minuten blieben lediglich 97 übrig und ich habe keine Informationen, was genau alles herausgeschnitten wurde. Es müssen jedenfalls ganze Handlungsstränge gewesen sein, was den etwas holprigen Verlauf des Films erklären könnte. Ich kann mich im Folgenden also nur auf die fragmentarische Fassung berufen.
Sonderlich herausstechende, auffällige schauspielerische Leistungen konnte ich keine ausmachen, doch das wäre vermutlich auch gar nicht die Intention des Films: Statt seinen Fokus auf Einzelschicksale zu richten und damit eine rührselige Geschichte für ein Popcorn-Publikum zu erzählen, setzt man auf einen betont realistischen, beinahe dokumentarischen statt cineastischen Stil, was sich stark in einigen recht trockenen wissenschaftlichen Dialogen bemerkbar macht, die die Seriosität und Fundiertheit der aufgestellten Theorien untermauern sollen. Inwieweit sie dieses tatsächlich tun, vermag ich als Laie nicht zu beurteilen, wohl aber, dass für den Zuschauer die aus Japan gewohnten Zerstörungsorgien vermutlich einen wesentlich höheren Unterhaltungsfaktor aufweisen. Die häufig wie gewohnt auf Miniaturbauten basierenden Spezialeffekte, die Erdbeben und daraus resultierende Gebäudeeinstürze, Überflutungen, Feuerbrünste etc. darstellen, sind gut gelungen, Stuntmen jagen mit lichterloh brennend durch apokalyptische Kulissen und Bilder von Vulkanausbrüchen faszinieren ob ihrer Schönheit und verdeutlichen gleichzeitig imposant die zerstörerische Kraft der Natur.
Moritanis Film verfügt aber eben auch über die globalpolitische Ebene, in der es darum geht, möglichst viele Japaner in Sicherheit zu bringen. Da wird große Weltpolitik gemacht, Kraft der Diplomatie mit anderen Nationen verhandelt und dennoch immer wieder an Kapazitätsgrenzen gestoßen. Dieser Einblick in die japanische Weltsicht des Entstehungszeitraum des Films ist hochinteressant und führt das genretypische „Was wäre, wenn...?“-Gedankenspiel eine Stufe weiter als sonst üblich. Welche politische Brisanz die Komplettfassung möglicherweise aufweist, ist leider nur zu erahnen. Ein stärkeres Gewicht auf diesen Aspekt des Films wäre jedenfalls wünschenswert gewesen, wenngleich er auch in der mir bekannten Form nicht eben stiefmütterlich behandelt wird.
Und dann wäre da ja noch die stolze japanische Seele, der unbändige Patriotismus der Nation, den uns zumindest die Drehbuchautoren verkaufen wollen. In pathetischen Dialogen wird es durchaus als Alternative angesehen, lieber erhobenen Hauptes mit Japan im Meer zu versinken, statt heimatlos auf die Gastfreundschaft anderer angewiesen zu sein. Dieses fast märtyrerhafte Ehrgefühl, das hier in starken Worten aufflammt, wirkt bisweilen doch arg irritierend und zentimeterdick aufgetragen, zumal diese noch die emotionalsten Momente – von den Massenpaniken einmal abgesehen – dieses ansonsten so sehr um Sachlichkeit bemühten Films sein dürften. Insofern entsteht trotz seines Fatalismus – zumindest in diesen Szenen – der Eindruck eines um Konformität bemühten, das eigene Selbstbild heroisch verklärenden Films.
Nichtsdestotrotz ist „Der Untergang Japans“ ein spannender, fesselnder, auf seine spezielle Weise typisch japanischer Film, den ich gern komplett gesehen hätte. Großes dystopisches Katastrophenkino, konsequent apokalyptisch, gespickt mit reichlich Zeitkolorit, interessante Fragen aufwerfend, weitestgehend kitschfrei und trotz gerade aus heutiger Sicht natürlich einigen durchschaubaren Effekten sehr dem Realismus verpflichtet.