Review

Aus der Gelegenheitskaufgrabbelkiste...
...schnell gesehen und besprochen, da sonst morgen wieder vergessen.
"Evilspeak" hat ja als Horrorstoff einen gewissen Ruf, nicht zuletzt wegen seiner Nähe zu den "Video Nasties", wobei selbst in der restaurierten, voll bestückten 100-Minuten-Version die Frage bliebe, was die Prüfer in der Nacht zuvor denn so geraucht haben.
Sicherlich, der Film kommt mit ein paar netten Szenen daher, die zumeist etwas mit "Kopf ab" oder "Kopf zerteilt" zu tun haben, ansonsten ist der "Teufelsschrei" (aua!) aber kaum mehr als biederer Durchschnitt, der überdies sonst ziemlich mies geplottet ist und über anderthalb Stunden nicht aus der Hüfte kommt.

Die Story ist gutes altes Rachematerial von dem gequälten Dummbaddel und Ungeschicksnerd, der auf einer Militärakademie fortwährend gehänselt, geschubst, verhöhnt, beschimpft, geschlagen, bedroht, veralbert und eingesaut wird und dafür anschließend auch noch die Strafe einsteckt. Wer so viel einstecken muß, sieht automatisch so aus wie Clint Howard, der etwas weniger "hübsche" Bruder des Regisseurs Ron Howard, also ein moppeliges, schwitziges, fratziges Pummelchen mit Schweißflecken überall. Die Mitschüler sind allesamt Fieslinge (außer dem einen Quotenschwarzen, die Randgruppen halten zusammen), der Sportlehrer sowieso ein Drecksack, der Hausmeister ein saufender Schläger, der Geistliche ein mühsam die Agressionen unterdrückender Heuchler und der Kommandeur läßt zwar das Gleichnis vom Gleichsein vom Stapel, holt dann aber die Rute raus (also so eine zum Zuschlagen).

Paßt also prima, daß die Akademie auf den Gewölben eines Klosters/ einer Abtei/ einer Mission steht, die einstmals ein verbannter spanischer Geistlicher und gewiefter Teufelsanbeter namens Esteban gegründet hat, was aber wohl nicht so lippensynchron überliefert wurde, weil Estebans Portrait (das eindeutig nach einem finsteren Satansanbeter ausschaut) besucherfreundlich in der Halle hängt. In der Titelsequenz wird er samt Jüngern und noch viel Jüngeren am Meere ausgesetzt und hobelt einem ihm ergebenen Mägdelein erstmal das Schrapnell von der Kehle. So fangen Filme schön an - bauen dann aber stark ab. Die nächsten 85 Minuten befassen sich nämlich ausnahmslos mit den Abenteuern und Schikanen unseres Antihelden Stanley Coopersmith und seinen unfähigen Versuchen, eine Teufelsbeschwörung vom Stapel zu lassen. Er hat nämlich beim Kellerräumen das Geheimverließ samt Folianten und Hexenmeisterkühlschrank gefunden, dann einen prähistorischen PC aus der Akademie geklaut und dort unten offenbar in vollkommener Abwesenheit von 500 Jahre alten Steckdosen angeschlossen. Das Teil ist schon im PC-Labor knorke, denn es hat ein reißendes Übersetzungsprogramm für das Altspanische und beantwortet Fragen sofort, die ich erst stundenlang im Internet recherchieren müßte.
Später wird das alles obsolet, denn im Laufe seiner Schwarzmessenforschung entwickelt dieser Commodore-Urahn ein munteres Eigenleben, macht die Schweineherde beim Nachbarn agressiv und baut im Notfalle aufgrund eines voll evil Bildschirmschoners dem Hals des Hausmeisters einen klassischen 180er. Und das alles eigenständig und ohne, daß die Beschwörung für die Satansanrufung (und damit Estebans feierliche Rückkehr) überhaupt abgeschlossen wäre, denn obwohl das Menu ihm eindeutig vorblinkt, daß noch eine Hostie und Blut fehlt, braucht Stanley ne Woche dafür, davon gar nichts hinzubekommen.
Es bedarf dann schon ein paar volltrunkenen Idioten und einer Affektmeuchelei, damit die Chose ins Rolle kommt, aber da steht der Minutenzähler dann schon fast auf der 90 (von 100 minus Abspann).

Man muß es einsehen, das Furchtbarste an diesem Film ist das Drehbuch, daß Episode an Episode und Quälerei an Quälerei reiht, bis die Spielzeit fast abgelaufen ist. Zwischendurch macht Stanley Dönekens, steht stierend in der Gegend rum, leckt sich die Lippen und stellt sich bei Sport, Spaß und Mädels schön dämlich an. Und so 20 Minuten gehen u.a. dafür drauf, daß er vom Koch einen Hund geschenkt bekommt, den wir schon fast auf dem Opfertisch sehen, was aber erst doch nicht geschieht, dann im Rahmen einer Tierquälerei doch, um dann jedoch null Wirkung zu zeigen, weil das Ritual Menschenblut verlangt, was aber zuvor nicht vom Monitor angezeigt wurde. Satanisch, wie? Was die meisten Filme mit 20 Minuten Exposition erledigen, zieht sich hier den ganzen Film durch, bis der Getriebene schließlich, vom Geiste des Satanspriester besessen, mit Feuer, Schwert und Schwein zur Attacke reitet, bzw. schwebt.
Das ist dann, trotz aller herben Schlachteffekte auch nur halb so dolle, wenn zwischendurch nämlich immer auf Howard geschnitten wird, der offensichtlich an Drähten von der Decke hängt, das Schwert wie ein Buttermesser hält und dabei so grenzdebil dreinschaut, wie es sonst nur nach enormen Mengen Alkohol möglich ist.
Es dräut das Gefühl, daß man einen richtig derben Horrorfilm dann wohl doch nicht drehen wollte oder die Gefühlskiste anzusprechen war, nur kommt das bei Howard kaum in die Gänge, denn so leid er uns manchmal tut, so nervtötend und abstoßend ist er auch manchmal, soll aber drehbuchgemäß sympathisch sein.

Was den Gewaltlevel angeht, hier fliegen schon ein paar Köppe, einen Nagel vom Kreuz Christi gibts volles Brot in die Stirn und der Hausmeister geht ex (siehe oben), aber die vielgerühmte Schweineattacke auf die Schulsekretärin, die das magische Tagebuch gefunden hat, nachdem Stanley Dorftrottel es in den Mülleimer hatte fallen lassen, und die das Siegel auf dem Einband wohl als Schmuckstück haben möchte, ist kaum der Rede wert, schlußendlich sinds dann doch richtige Schweine und die rüsseln einfach nur ein wenig rum, aber sie beißen nicht.
Was anfangs also vielversprechend aussieht, läuft sich dann alsbald tot, legt falsche Handlungsfährten aus und dreht sich solange im Kreis, bis man sich fragt, wieso der PC so esteban-kompatibel ist und wieso die Beschwörung so wichtig ist, wenn der schwarzmagische Bildschirmschoner im besten Videodesign auch ohne Extratreiber Menschen in die nächste Welt befördern darf.
Das bißchen Gore am Schluß weckt mich dann auch nicht mehr auf - die große Geschmacklosigkeit, die dem Film unterstellt wird, ist aber übrigens nirgendwo in Sicht, stattdessen gibt reichlich Komik, gewollt und zunehmend ungewollt.
Und wenn man die Alberei geschickt zusammenschneidet, dann kommt dabei sogar ein imposanter Trailer wie bei "Evilspeak" raus, der alle Fans garantiert auf die falsche Fährte lockt. Eric Weston hat danach übrigens nie wieder einen Horrorfilm gedreht und das ist ihm hoch anzurechnen, denn Filme, in denen die Hauptfiguen so sinnige Namen wie "Coach", "Sarge"; "Ox", "Bubba", "Jo Jo" und "Kowalski" tragen, sollten eher als geplante Komödie gedreht werden, nicht als putziger Betriebsunfall im Horrorbereich. (3/10)

Details
Ähnliche Filme