„Ich weiß, die Geschichte klingt wie ein billiger Drei-Groschen-Roman, aber sie ist wahr!“
Im Jahre 1967 erschien die italienisch-spanische Eurospy-Komödien-Koproduktion „Agente Sigma 3 - Missione Goldwather“, für die Gian Paolo Callegari die Regie führte. 1974 kam man dann bei der französischen „Eurociné“-Produktion auf die abwegige Idee, den spanischen Vielfilmer Jess Franco („Frauengefängnis“) das Drehbuch für eine Zweitverwertung des Films, umgeschnitten und angereichert mit reichlich neugedrehten Sleaze- und Schmuddel-Elementen, verfassen zu lassen, woraus das dreiste Bahnhofskino-Flickwerk „Das Schiff der gefangenen Frauen“ resultierte. Regie hierbei führte der Franzose Pierre Chevalier („Mit Rohrstock und Peitsche“)...
Die Prostituierte Yvette (Magda Mundari) eröffnet einem ihrer Freier (Raymond Schettino, „Das Mädchen von St. Tropez“), dass sie gegen ihren Willen im Luxusbordell festgehalten wird und das Opfer von skrupellosen Mädchenhändlern wurde. Ihr gelingt die Flucht und der Interpol-Agent Marc Roberts (Jack Taylor, „Pieces“) wird damit beauftragt, die Hintermänner des international agierenden Drogen- und Prostitutionsring ausfindig zu machen und ihnen das Handwerk zu legen. Die Kriminellen entführen junge Frauen, verschleppen sie auf ein altes Schiff und verkaufen sie an verschiedene Puffs. Ferner wird eine hübsche junge Agentin als verdeckte Ermittlerin eingeschaltet. Der Kampf um die Freiheit der Mädchen wird zum Kampf um Leben und Tod.
Aus Eurospy mach Sexploitation – dass dabei jegliches Niveau, Anspruch und Logik auf der Strecke bleiben, dürfte die wenigsten überraschen, „Das Schiff der gefangenen Frauen“ ist unfreiwilliger Vollblut-Trash in Formvollendung. Dass es sich strenggenommen um eine Mogelpackung handelt, überrascht da vielleicht schon ein bisschen mehr, denn selbst nach Francos Drehbuch ist der Film keinesfalls ein Women-in-Prison-Heuler geworden und auch das titelgebende Schiff spielt eigentlich nur in einer Szene eine Rolle. Dafür laden direkt die allerersten Szenen zum kräftigen Kopfschütteln oder auch Auslachen ein, wenn die Entscheidung, aus dem Bordell zu flüchten, in Sekundenschnelle getroffen und förmlich mit dem Auto durch marokkanische Laubwälder (…) geschlichen wird, um nach einiger Zeit erst einmal ein Schäferstündchen einzulegen. In den unteren Schubladen des schlechten Geschmacks fischt man im Anschluss, wenn gleich mehrere Vergewaltigungsszenen quasi aufeinander folgen, die zwar grundsätzlich wenig ernstzunehmen sind, jedoch dennoch ein mulmiges Gefühl angesichts des Umstands, dass diese offenbar zu voyeuristischen Unterhaltungszwecken integriert wurden, hinterlassen. Und sie sollen nicht die einzigen bleiben, treten ungefähr gleichberechtigt mit den Agentenfilm-typischen zahlreichen Prügeleien auf. Die Handlung, will man sie denn als eine solche bezeichnen, erscheint – wen wundert's – unzusammenhängend, beliebig und erwartet anscheinend gar nicht erst vom Zuschauer, dass dieser mitkommen kann oder will. „Das Schiff der gefangenen Frauen“ ist bisweilen erbarmungswürdig geschauspielert, die Dialoge sind nicht nur grenz-, sondern volldebil und der Schnitt ist lachhaft. Aber: Irgendwie ist es tatsächlich gelungen, bei aller Sprunghaftigkeit die beiden immerhin sieben Jahre auseinanderliegenden Filme halbwegs gekonnt zusammenzufügen, dass man als unbedarfter Zuschauer nicht immer gleich mit der Nase darauf gestoßen wird, welche Szene nun aus welchem Jahrzehnt stammt (alle Szenen mit Jack Taylor als Marc Roberts stammen aus dem „Sigma 3“-Film, wo Taylors Rolle eben die des Agenten „Sigma 3“ war). Das soll jedoch nicht heißen, dass man hier nicht mit Perücken, die Gesichter handelnder Personen nicht zeigenden nachgedrehten Szenen und wenig Ähnlichkeiten aufweisenden Doubles arbeiten würde, doch das fällt in der Idiotie des Gesamtwerks gar nicht immer auf und so könnte beispielsweise ein unbekanntes Gesicht kein schlechtes Double, sondern schlicht eine weitere uninteressante Rolle sein, die zu Streck- oder Alibi-Zwecken zwischen Agenten-Trash, nackter Haut ansehnlicher Damen bzw. unappetitlicher Herren und Drehort-Hopping ihren Auftritt bekommt. Wen schert's angesichts geballten Blödsinns?
Da fallen ein Agent in Eierkneifer-Badehose mit hochgeschlossenem Taucheranzugsoberteil oder mit martialischer Faust- und Handkanten-Pose schon eher erinnerungswürdig ins Gewicht, ebenso der Frauentransport in Körben, der allgemeine Machismo absolut jeder männlichen Rolle und das so dermaßen übertrieben präsentierte misogyne Frauenbild, das trotz oberflächlicher Verurteilung der Zwangsprostitution so selbstentlarvend ausfällt, dass man nur darüber lachen kann. Sollte der originale „Sigma 3“ als eine Art Parodie auf die ganzen Bond-und-Konsorten-Testosteron-Fantastereien zu verstehen gewesen sein, hat man von der Ironie nichts merklich herübergerettet. Vergiftete Fingernägel kennt man, großangelegte Showdowns aus dem Agenten-Genre eigentlich auch, auf letzteren muss man jedoch verzichten. Kurz wird’s hektisch und unvermittelt wird der Zuschauer mit einem Happy End konfrontiert, der nun endlich darüber sinnieren kann, wie viele Gehirnzellen ihn die Neugierde, die ihn in diesen Unfug getrieben hat, nun wieder gekostet hat... Unglaublich – aber wahr! (um eine Brücke zum Eingangszitat zu schlagen)