Review

Klein aber oh no


Ein junger Trommler, kracht mit drei Jahr'n hin, 
da kommt ihm eine bahnbrechende Idee in den Sinn. 

Er will nicht mehr wachsen, keinen Zentimeter, 
dass das nicht ohne Nebenwirkungen kommt, merkt er erst viel später. 

Kurz nach dem ersten Weltkrieg wird er gebor'n, 
zum kleinen Betrachter und Wutknubbel auserkor'n. 

Aus seinen Augen sehen wir die Entwicklungen und Strömungen unseres Landes, 
wie Frieden und Glück verlaufen immer am Rande des Sandes. 

„Die Blechtrommel“ gewann den Goldjungen, Bennent war ebenso einer, 
und so wie Mario Adorf ist und war und wird niemals sein eh keiner. 

Krieg und Wut und Tod und Staunen, 
ging selten einher durch diesen Blickwinkel und mit einem traurigen Raunen. 

Klar bietet das Buch noch mehr Details und Hintergründe, 
doch auch der Director's Cut ist schon wert, die ein oder andere Sünde. 

Schlöndorff streift nicht nur Tabus, er lässt los ein wahres Feuerwerk, 
am Ende steht man vor einem unüberwindbaren und komplexen Berg. 

Ein Land im Tumult, ein Volk mit Wut im Bauch, 
das kommt sicher nicht nur von den köstlichen Kartoffeln und dem Lauch. 

Draußen will abgehängte Dummheit Demokratie und Bundestag stürmen, 
und im dunklen Lichtspielhaus schafft es der berühmteste Liliput seine Ungläubigkeit zu türmen. 

Aufwändig, schockierend, traurig und von internationaler Brisanz, 
ja, das ist ein aufwühlendes Epos, nicht nur für Hans, Maria und Franz. 

Etwas surreal, aber mit viel Wahrheit und Herz, 
ist trotz einigen Lachern dieses gestauchte Lebensdrittel alles andere als ein Scherz. 

Und die neue 4K-Restauration ist eine echte Augenweide, 
vom rotweissen Trömmelche bis zur frustrierten Scheide. 

„Die Blechtrommel“ eilt ein Ruf voraus, ist etwa in China noch immer verboten, 
doch schafft dieses Opus viel mehr, als nur Grenzen und Tabus auszuloten. 

Wann ist man erwachsen, womit steht und fällt ein Land, 
wann hat dies selbst ein verwirrtes Kind erkannt?

Ein Meisterstück, das bringt Gläser zum bersten, 
das gehört zum zweiten in jede gepflegte Sammlung, in jeden Schulunterricht zum ersten. 

Fazit: „Die Blechtrommel“ von Günther Grass war ein Jahrhundertroman. Die Verfilmung von Volker Schlöndorff wird diesem nahezu gerecht, ist mit Nichts zu vergleichen und hat seinen Auslandsoscar redlich verdient. Das sollte Lob und Empfehlung genug sein. Ein Kriegsfilm, ein Junge, ein Land, Denkanstöße, Sichtweisen, wie man sie nur hier findet. Pflichtprogramm und Kulturgut. Unbequem und skandalös. Skandalös gut. Mutig, mächtig, malerisch. 

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