Wunderbare, detailverliebte Bildeinstellungen, gelungene harte Schnitte, hervorragende Musik von Morricone. Eine großartige schauspielerische Leistung von Dagmar Lassander, daß sie auch unglaublich schön ist, versteht sich von selbst. Ebenso übrigens Susan Scott. Pier Paolo Capponis unterkühlte Darstellung gefällt mir auch, nur der "Maniac" bleibt zu blaß. Es stimmt, daß der Film nicht der große Nervenreißer ist, sondern mehr ein subtiles Psychodrama, auch ist die Auswahl der Lösungen des Rätsels nicht groß, so daß die Spannung in Grenzen bleibt. Giallo-typische Twists bleiben praktisch aus, der Verdacht wird nicht in mehr Richtungen gestreut als bei einem durchschnittlichen Krimi üblich. Der deutsche Titel hat - entgegen der Standardbehauptung er sei irreführend - durchaus Recht: die Qual ist seelisch (was Qual genaugenommen immer ist), nur der Plural ist unangebracht. Selten gibt ein Titel den Inhalt so komplett wieder wie dieser, demgegenüber rückt der Originaltitel nur ein wichtiges Handlungselement in den Vordergrund.
Der Film ist mehr etwas für das Auge als für den Puls, erfreulicher- und erstaunlicherweise ist die DVD-Bildqualität hervorragend. Die gelungenste Szene ist IMHO das gemeinsame Suppenessen der beinahe apathischen Minou mit Ehemann und Freundin, die heftigst zu flirten anfangen. Die Kamera geht mit dem Suppenlöffel mit und man weiß nie zu welchem Mund dieser geführt werden wird. Der psychische Zustand aller drei Beteiligten wird in dieser kleinen verdichteten Szene deutlich. In keinem anderen Film sind übrigens Lassanders Füße so häufig in Großaufnahme zu sehen, mir ist das kinky genug...