Review

Psychologisch betrachtet ist meine heimliche Liebe zum Rockerfilm eindeutig Ausdruck meiner Bewunderung für unsere ledrigen Motorradfreunde da draußen: Kommt er von links angerauscht drückt er meine kindliche Sehnsucht aus, die Fesseln der Gesellschaft mit meinen baumstammdicken, tättowierten Armen in Fetzen zu reißen, knattert er von rechts um die Kurve verarbeite ich damit die Wut, nicht im Moppedzirkus mitauflaufen zu dürfen, weil es mir neben dem Führerschein auch an den stählernen Eiern mangelt, die man zum Reiten des Eisenschweines braucht. Das Leben kann grausam sein, das Kino auch. Ich persönlich mag beide Herangehensweisen des Rockersubgenres, Hauptsache, das Gezeigte ist laut, grob und asozial.

Mittlerweile in Zeiten angekommen, wo sich dank der Romantisierung durch "Easy Rider" Spießer und Outlaws im Kino beim Gruppenwichsen die Hand reichen - vorzugsweise die unverklebte - und sich immer mehr Freizeitbiker in die Szene einkaufen bin ich einerseits froh, doch keine Subkultur mit diesem Gesocks teilen zu müssen, andererseits, dass es Filme wie "Die grausamen Sieben" gibt, eine Art evolutionärer Uga uga! - Vorstufe zum hopper'schen Dramaklassiker (Nebenbei bemerkt finde ich, dass Klaus Lemkes 72er "Rocker" der bessere Film ist). Wo Hopper, Fonda und Nicholson auf sanften, gefälligen Mainstream - Hippiefüßen nichts böses ahnend oder wollend ins Kino trippeln wie ein Haufen prätenziöser Kunststudenten, die das erste Mal an einem Joint gezogen haben, poltert das Siebenerpack auf eisernen Stiefeln in den Saal, dass dem BWL - Justus in der Mittelreihe der Popcorneimer durchbröselt. Der Film ist nichts für Muschis! Nach Maßstäben von 1968 zumindest nicht.

Regisseur Richard Rush zeigt ab Minute 1, was in seinem Film geschossen wird: ghettoisierte Ureinwohner, habgierige weiße Kalkleistenkapitalisten und die berüchtigten Biker der Gang "Savage Seven" (die zu Filmbeginn zu Zehnt auffahren!) finden in einem Wüstenkaff am Arsch der Welt zusammen, um gemeinsam einen Cocktail sozialer Ungerechtigkeit anzurühren, basierend auf gesellschaftlicher Unterdrückung durch sozial besser Gestellte Spießer: Während die Bonzen um den dicken Provinzekel Filmore die ortsansässigen Stammesmitglieder am liebsten vertrieben und um ihr Land erleichtert wüssten wie in guten alten Zeiten und die naturliebenden Urvölkler mit der Faust in der Tasche kuschen müssen sitzen die Rocker mit schmissigen Namen wie Stud, Joint und Kisum zwischen den Stühlen.

Zunächst mal, denn das weiße Ansinnen, die Moppoedbrüder als Brandstifter im custer'schen Kolonialsinne zu engagieren schlägt nach kurzen Missbverständnissen fehl und nach einer brüderlichen Klopperei verbünden sich die Gefickten der US - Gesellschaft zu einer Art Impromptu - Antifa gegen Filmore und seine Schläger. Nicht, dass da viel Ideologie im Spiel wäre, aber Minus mal Minus ergibt immer noch Plus und gemeinsam versagt es sich besser. So gut de facto, dass Filmore nun mittels eines Auftragsmordes einen Krieg zwischen beiden Seiten anzettelt.

Wie gesagt: Hauptsache asozial! Den soziopolitischen Tiefgang des ansonsten schnarchlangweiligen "Easy Rider" bietet dieser Film nicht, aber aus dem gemutmaßten Publikum wird da auch wahrscheinlich keine Vermisstenmeldung eintrudeln. Stattdessen prügelt der Zuschauer Protagonisten und Zuschauer gleichermaßen windelweich und zeigt, wie übel Scheiße auch auf Sparflamme überkochen kann, wenn man sie lange genug schmoren lässt. Zwischen Diebstahlsanstiftungen, Kneipenschlägereien und gemeinsamen Saufgelagen steigen immer wieder erste Rauchschwaden auf und man ahnt, dass Rushs Rockerreigen und der geknechtete Stamm nicht zur dauerhaften Einheit bestimmt sind, wenn man mal von Bandenchef Kisum und Kellnerin Marcia, der Schwester von Junghäuptling Johnnie, absieht.

So läuft Völkerverständigung im 20. Jahrhundert nunmal: Im Wesentlichen vollkommen daneben und frei nach dem Slime - Motto "Alle gegen alle". Und eigentlich passt der Gedanke am besten zum Ur - Rocker, den einst Marlon Brando in "The Wild One" verkörperte: "What are you rebelling against?" - "Whadda you got?" wurde nach dem Wilden selten so schön filmisch auf den Punkt gebracht wie hier. Oder um mal eine deutsche Philosophieperle vergangener Jahrzehnte zu zitieren: Wenn ich Kneipe, dann ich Assi." Wenigstens im Kino darf so'n Kuschelpädagoge wie ich sich noch hart fühlen.






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