Naja, nicht ganz, Folge 8 habe ich nicht gesehen, aber ob sie mein Gesamturteil ändern würde, wage ich mal zu bezweifeln. O Mann! Nach dem Film "Dämonenhochzeit" mit Florian Fitz habe ich gedacht, schlimmer gehts nicht, und bin eigentlich ganz entspannt an die alten VHS-Bänder von einem Kumpel herangegangen. Aber dann! Fitz mag ja kein Bilderbuch-Sinclair gewesen sein, aber Kai Mertens ist das noch viel weniger. Mit einer fettigen Schmachttolle im Gesicht (in den späteren Folgen trägt er sein Haupthaar komplett zurückgeschleimt oder zumindest aus der Stirn gekämmt) und einer Mimik, die an Gregory Peck im Koma erinnert, stapft er grimmig durch das Dorf seiner Geburt, um den Mörder seiner Eltern zu finden. Der dunkle Ritter... äh, der Sohn des Lichts! Bald hat er den Verantwortlichen ausgemacht, einen tuntigen Glatzkopf, der glänzende schwarze Leggins und einen schwarzen Umhang trägt und ständig von irgendwelchen Mauern springt. Auha, das kann nur dicke enden...
Spätere Folgen waren nicht ganz so dämlich, stellenweise sogar atmosphärisch, nur hat man bei Ansicht irgendwie den Verdacht, daß die Macher außer den Drehbüchern keine weitere Recherche über Sinclair und sein Umfeld betrieben haben. Bill kommt noch einigermaßen getreu rüber (Zufall!), Glenda ist eine Symbiose mit Jane eingegangen, dementsprechend blond und nervt, von Suko und Konsorten fehlt (wie schon bei der "Dämonenhochzeit") jede Spur. Sinclairs Wohnung scheint eine leerstehende Lagerhalle zu sein (kahle Wände und Stahltüren!), dafür hat er einen supertollen Hightech-CD-Player. Auch die Drehbücher waren nicht immer das Gelbe vom Ei, wobei ich nicht alle Romanvorlagen kenne. Der Pilot, "Ich töte jeden Sinclair", dürfte die so ziemlich schlechteste Folge sein, dicht gefolgt von "Der Hexenclub" und "Der Sensenmann als Hochzeitsgast". Recht ordentlich "Die Rattenkönigin" und "Anruf aus dem Jenseits", beinahe gut "Das Horrorkabinett" und "Engelsgrab". "Todeskarussell" fehlte leider bei den Aufnahmen, und die letzte produzierte Folge, "Der Gerechte", strahlte RTL seinerzeit garnicht mehr aus, da die Quote offenbar nicht stimmte - wen wunderts? Von der filmischen Umsetzung her wirkt die Serie wie aus einem Guß, nur scheint die Form einige Fehler gehabt zu haben. Neben den deutschen Hauptakteuren wurden die Nebenrollen mit Tschechen besetzt, die vermutlich direkt vor Ort aus der Laienspielgruppe der Kirchengemeinde rekrutiert wurden, was auch die Synchronisation nicht vertuschen kann. Die Inszenierung ist von unbeholfen inkompetent bis annehmbar vertreten, die FX etwa auf dem selben Niveau wie "Dämonenhochzeit". Einen Vorzug hat diese Serie allerdings: Bis auf den üblen Piloten dauern die Folgen nur 45 Minuten, und für Trashfreunde kann ich hier eine klare Empfehlung aussprechen. Gerade das inkompetente Anti-Schauspiel Kai Mertens', wenn er z.B. angesichts mehrerer Leichen nur ein genervtes "O nein." herausbringt, muß man mal gesehen haben. Insofern ist die Serie um einiges "gelungener" als der Fitz-Film, weil noch unterhaltsamer, wer sich allerdings gruseln will (oder - noch schlimmer - Sinclair-Fan ist), der sollte um diese Serie einen weiten Bogen machen, was ihm allerdings recht leicht gemacht wird, denn seit der Erstausstrahlung verrottet sie in den RTL-Archiven, lediglich die "Dämonenhochzeit" wurde 2001 für eine einmalige Wiederholung wieder rausgekramt.
Fazit: Wer Trash liebt, kann bei Gelegenheit zugreifen (so wie ich), verpassen tut man aber nichts.