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Hier kann man sich ordentlich gruseln!

Seinerzeit waren die Basteiheftchen, in denen regelmäßig über die Abenteuer des berühmten Geisterjägers John Sinclair berichtet wurde, vor allem der Schublade "Schundlitaratur" zuzuordnen, was den Geschichtchen rund um den Scotland Yard Inspektor und seinem Kumpel Suko nicht wirklich gerecht wurde. Denn des öfteren fanden sich in den dünnen Heftchen durchaus bemerkenswerte Stories mit einigem Kultpotential.

Nun ist die Beurteilung von Literatur nicht wirklich einfach, liest man sie hauptsächlich im zarten Pubertätsalter von 13 bis 14 Jahren (was bei mir etwa dem Anfang der Achtziger Jahre entsprach). Was damals dennoch ins Auge fiel, war die teilweise doch recht unbeholfene "Schreibe" des Fließbandautors Jason Dark. Stets mit zielgruppengerecht erhobenem Zeigefinger wurden Phrasen gedroschen wie "ich fuhr mit dem Auto durch den dichten Nebel nach hause, während aus dem Autoradio laute Rockmusik dröhnte, die jedoch nicht meinen Fahrstil beeinflusste". Ahja.

Die Atmosphäre der Geschichten schwankte hierbei von Heft zu Heft von heruntergespult bis zu einigermaßen originell. Zumindest Trashfans hatten ihre wahre Freude an den Geschichten um Dämonen, Vampiren, Hexen, Untoten und Werwölfen.

Nun gibt es also eine (deutsche) TV-Produktion rund um John Sinclair, seinen silberfarbenen Bentley und seine mit ebenso silbernen Kugeln geladene Baretta. Prinzipiell sollte die Paarung "Schundlitartur vs. deutsche TV-Produktion" ja durchaus passen. "Sollte" ist ein durchaus passendes Wort hierfür, denn eigentlich "sollte" man es nach all den Jahren mit deutschen TV-Produktionen besser wissen.

Zum Aufwärmen: Die Geschichten haben mit John Sinclair und den Geschichten von Jason Dark ungefähr so viel zu tun, wie eine Badeente mit Schnatterinchen. Man hat hier wohl vor allem auf den vermeintlich zugträchtigen Namen des Geisterjägers gesetzt, ohne auch nur eine Spur John Sinclair-Atmosphäre einzufangen. Es gibt keinerlei wiedererkennbare Charaktere, der Schauspieler verkörpert den eigentlich coolen Geisterjäger so treffend, wie Bernd das Brot sich in der Rolle des Taxidriver machen würde, und die Dialoge könnten ebenso wie die dargestellten schauspielerischen Leistungen dem Mittagsschläfchen eines Praktikanten im Offenen Kanal Ihrer Heimatstadt entsprungen zu sein.

Hölzern und unbedarft wäre hier zu viel der Schmeichelei. Das Laienensemble der nächstgelegenen Dorfschule könnte nicht schlechter spielen (genaugenommen tut man den armen Pennälern mit diesem Vergleich vermutlich sogar großes Unrecht). Moderne und oskarverdächtige TV-Produktionen vom Schlag eines "Niedrig und Kuhnt", den Teletubbies oder dem letzten Quiz auf Neun Live hängen den Geisterjäger qualitativ um Längen ab.
Ein hartgesottener Trashfan könnte dennoch auf seinen Genuss kommen, wenn die Filme denn so etwas wie eine Story aufweisen würden. Oder wenn es wenigstens genügend Handlung für unfreiwillige Lacher gäbe. Leider liegt der Unterhaltungsfaktor die ganze Zeit über ziemlich genau auf der Nulllinie. Ebenso wie meine Lust, dieses erbärmliche Stück deutscher Fernsehgeschichte noch weiter zu kommentieren.


Fazit: Hier ist einfach alles schlecht. Ausstattung, Dialoge, Schauspieler, Story, Kamera, Catering... Man hat hier im Grunde genommen ein x-beliebiges Z-Movie genommen, ihm den Namen John Sinclair übergestülpt und das ganze dann vergessen, filmisch umzusetzen. Da ist jeder Diaabend mit den tirolreisenden Nachbarn erfrischender und unterhaltsamer.

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