Review

Im Jahre 1974 soll eine gewisse Carla Moran in Culver City, Kalifornien, von einem unsichtbaren Geist bedrängt und vergewaltigt worden sein.
Diese angeblich wahre Begebenheit wurde zu einem Buch zusammengefasst und kurz darauf als „Entity“ verfilmt.

Nun bin ich aber nicht geneigt, parapsychologischen Erscheinungen allzu großen Glauben zu schenken und auch über die Existenz Carla Morans ist nur auf einschlägigen Internetseiten etwas zu erfahren.
So betrachtet man „Entity“ besser als kleine und einfache Variante von Tobe Hoopers „Poltergeist“…

Carla Moran (Barbara Hershey) befindet sich in psychiatrischer Behandlung von Dr. Sneidermann (Ron Silver), doch wie konnte es dazu kommen?
Ein unsichtbarer Geist hat sie mehrfach vergewaltigt, doch anfangs will ihr kein Mensch glauben schenken. Panikattacken, Flucht mit ihren drei Kindern zur besten Freundin, doch niemand außer ihr nimmt Absonderlichkeiten wahr.
Auch Dr. Sneidermann sucht die Ursache der „Störungen“ in Carlas Vergangenheit, bis das bemitleidenswerte Opfer zwei Parapsychologen begegnet.

Wenn man sich diese Fakten einen Moment lang durch den Kopf gehen lässt, gelangt man zu zwei Theorien: Entweder Carla ist psychisch gestört oder es gibt wirklich einen Geist.
Mit der möglichen Gestörtheit Carlas beschäftigt sich die erste Hälfte des Streifens und der argwöhnische Zuschauer ist geneigt, dem Psychiater zu glauben. Üble Kindheit, frühe Bindung, plötzlich verstorbener Ehemann, Flucht in die Arme eines Ersatzvaters, - passende Hintergründe, um eine psychische Labilität zu diagnostizieren.

Doch dann gibt es Zeugen der Attacken: Der älteste Sohn Carlas bricht sich bei einer Rettungsaktion die Hand und ihre beste Freundin plus Ehemann erleben, wie ihr eigenes Haus von unsichtbarer Hand verwüstet wird. Dem Zuschauer wird spätestens jetzt nahe gelegt, sich auf eine übernatürliche Erklärung vorzubereiten. Und wenn eine Gruppe Parapsychologen in Carlas Haus Fotos von Blitzen macht, die auf paranormale Energiefelder hindeuten, fühlt man sich doch stark an „Poltergeist“ erinnert.
Nur hier ist weniger Rumms drin.

Das liegt einerseits daran, dass die Laufzeit mit 120 Minuten eindeutig zu lang ausgefallen ist und zum anderen, dass sich nur wenig Gehaltvolles ergibt.
Irgendwann nimmt man diesen Geist als Tatsache einfach hin, obgleich man zu keiner Zeit etwas über dessen Motive erfährt. Parapsychologen handeln entgegen des Psychologen (die konnten sich ja noch nie riechen) und am Ende soll der Geist durch ein waghalsiges Experiment (durch flüssiges Helium) neutralisiert werden.

Ansich eine ganz nette Idee, doch die Spannungsmomente verflachen zusehends, da sie sich ständig wiederholen: Carla im Bett – Geist kommt, Carla strampelt.
Carla in der Wanne, Geist kommt, Carla strampelt.
Carla schläft, Geist kommt, Carla kommt auch…
Zwar sind diese Momente mit einem überzeugenden Score eines Charles Bernstein unterlegt (hier hat er schon mal deutlich für die späteren „Nightmare“-Teile geübt), aber so richtig hat mir die Frau nicht Leid getan.
Obgleich das „unsichtbare Hand knetet Brustwarzen und alles Drumherum“ nicht nur aus erotischer Sicht beeindruckend wirkt, ist die Macht des Geistes nie omnipräsent genug, um wirklich Panik mitzuempfinden.
Straffung der Handlung ist ein Knackpunkt, lebendige Erzählweise mit ergreifenden Höhepunkten ein anderer.
Es fehlt an Humor, es fehlt an liebenswerten Charakteren und bis auf Hershey und Silver kann man auch niemanden als Darsteller ernst nehmen.
So vergehen zwei Stunden und man hat den Eindruck eine gestreckte Folge „XXX - Dem Unbegreiflichen auf der Spur“, (würde auf jeden Fall auf RTL 2 laufen), gesehen zu haben.

Kann man sich als Freund von Poltergeist- Filmen geben, sollte aber etwas mehr Geduld und nicht zu hohe Erwartungen mitbringen.
Nein, nein, am Ende bin ich doch ganz zufrieden, denn nun weiß ich Hoopers „Poltergeist“ noch ein wenig mehr zu schätzen.
„Entity“ hingegen ist nicht schlecht, aber im Vergleich zum Kinohit nur ein kleines Licht, - ein solches, wie es in Carla Morans Haus zu sehen ist, welches die Figur erstaunlich gelassen hinnimmt.
Ähnlich gelassen beurteile ich dieses Werk: Nicht übel, aber insgesamt nur ein harmloser Kugelblitz, der an einem vorüber glüht…
5 von 10 Punkten

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