Review

An sich ist die Kombination ja vielversprechend: Romanvorlage des „Die purpurnen Flüsse“-Autors Jean-Christophe Grangé, Chris Nahon („Kiss of the Dragon“) als Regisseur und Jean Reno in der Hauptrolle. Leider ist das Ergebnis bloß mittelmäßig.
Allerdings beginnt der Film nicht mit Reno, sondern mit Anna Heymes (Arly Jover), einer jungen Ehefrau, die unter einer besonderen Form von Amnesie leidet. Zwar kann sie ganz normal denken, kann sich aber nicht an ihren Ehemann erinnern, weshalb sie sich behandeln lässt. Allerdings fällt es ihr auch so schwer sich daran zu erinnern. Dieser Strang wird immer wieder aufgegriffen, während man dann parallel endlich zur Haupthandlung kommt.
Diese dreht sich um den jungen Polizisten Paul Nerteaux (Jocelyn Quivrin), der in den Morden an drei jungen, illegal eingewanderten Frauen im Türken untersucht. Doch er kommt nicht weiter, die Mordkommission hat den Fall bereits zu den Akten gelegt. Er sucht daher Hilfe bei dem korrupten Kollegen Jean-Louis Schiffer (Jean Reno), den man wegen seiner Tätigkeiten zwangsweise ins Altersheim schickte, um Hilfe, da niemand das Türkenviertel so gut kennt wie er. Gemeinsam jagen sie den Killer und decken dabei eine Verschwörung auf...

Alte Filmregel: Zeigt ein Thriller zwei scheinbar unabhängige Geschichten, dann müssen diese früher oder später zusammenlaufen. So auch hier, doch in der ersten Hälfte hätte man den Anna-Handlungsstrang deutlich kürzer fassen können. Vieles wiederholt sich, mit etwas unnötigen Visionen und Hui-Buh-Effekten klargemacht, dass hier mehr hinter der Sache steckt, nur halt leider viel zu ausgewalzt. So werden die Ermittlungen des Polizistenduos etwas enttäuschend in den Hintergrund geschoben, sodass die erste Hälfte leicht öde wirkt.
Dafür wird es in der zweiten Hälfte deutlich spannender: Hier kreuzen sich die Geschichten und man erkennt endlich die Verbindungen. Die Wendungen der Geschichte überraschen und in der zweiten Hälfte lässt Nahon deutlich mehr Tempo verspüren als vorher. Leider wirkt das Ganze teilweise arg konstruiert (aber Grangé überfrachtet seine Plots ja ganz gerne), denn die Verschwörungen sind sehr weitreichend, aber spannend ist die zweite Hälfte von „Empire of the Wolves“ schon. Selbst wenn der Film es gegen Ende mit den überraschenden Enthüllungen übertreibt.
Qualitativ ebenso unterschiedlich wie der Plot fallen die dünn gesäten Actioneinlagen aus: Die paar Schießereien und Martial Arts Einlagen (ohne letztere kommt ja scheinbar kein französischer Unterhaltungsfilm der letzten Jahre aus) vor dem Showdown sind allesamt recht gut inszeniert, wenn auch bei weitem nicht so spektakulär und ausufernd wie die Actionszenen in „Kiss of the Dragon“. Die finale Schießerei ist da schon länger geraten, aber leider greift Nahon mal wieder zur in letzter Zeit allseits beliebten Wackelkamera, sodass man kaum Überblick gewinnt und das Finale daher enttäuscht. Vor allem die finale Fieslingsbeseitigung auf dem Steinkopf fällt zudem auch noch nach Schema F aus.

Highlight des Film ist sicherlich Jean Reno als fieser Bulle, denn sein Schiffer lässt teilweise selbst Dirty Harry brav aussehen: Da werden Informationen erkauft, indem man mit Fingerabschneiden droht und Verdächtige derbe zusammengeprügelt. Reno spielt den Brutalocop dann auch mit viel Hingabe, was den nicht immer so gelungenen Plot aufbessert. Chris Nahon spielt Reno in die Hände und inszeniert „Empire of the Wolves“ als ziemlich düsteren Film, in den eine derartige Hauptfigur auch wunderbar reinpasst.
Doch auch auf Nebendarstellerseite kann man hier Positives berichten: Jocelyn Quivrin macht seine Sache als idealistischer Jungpolizist wirklich gut und sieht zu, dass er neben Reno nicht verblasst. Auch über Arly Jover kann man sich nicht beklagen, denn sie schafft es ihren anfangs noch isolierten Handlungsstrang über weite Teile zu tragen.

Unterm Strich ist „Empire of the Wolves“ dann Durchschnitt, denn sowohl Plot als auch Actionszenen sind von schwankender Qualität. Da können auch die guten Darstellerleistungen nur bedingt helfen.

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