"Schick aussehender Schwachsinn", so könnte man "Imperium der Wölfe" recht treffend und knapp umschreiben. Ich hatte ja so ziemlich mit allem gerechnet aber nicht mit einem solchen Mischmasch verschiedenster Genres und Handlungselemente. Es verwundert mich somit keineswegs, dass das Ganze als Einheit nicht funktionieren will.
Was nach etwas gewöhnungsbedürftigem Labor-Auftakt als düsterer Kriminalfall im unverbrauchten Türkenviertel-Milieu beginnt, weitet sich alsbald über Wissenschaftsthrillerelemente zu pompösen Actioneffekten, vereinzelten Horrorelementen, Okulten und Superkillergekröse aus. Fehlt eigentlich nur noch Neo aus der Matrix...
"Imperium der Wölfe" hat also verständlicherweise teils heftige Probleme seine 2 Haupthandlungstränge auch nur halbwegs beisammen zu halten. Die Logik bleibt nicht nur einmal auf der Strecke, ebenso versanden andere Storyteile wie beispielsweise der vermeintliche Ehemann auf nimmer Wiedersehen im Sande. Gerade im Hinblick auf das chaotisch-überkonstruierte Finale, für das sich der Schauplatz gar von Frankreich hin in die Türkei verlagert, hatte ich dann endgültig den Eindruck, dass Regisseur Chris Nahon ("Kiss of the Dragon") selber nicht mehr wusste, was er hier eigentlich bisher auf Zelluloid gebannt hatte.
Inhaltlich kann man hier schon beinahe vom Supergau sprechen. Was den Streifen trotzdem noch gerade so ins Wertungs-Mittelfeld hieft, ist zum einen die schicke, atmosphärische Inszenierung. Diese überzeugt vor allem in der ersten Filmhälfte mit wunderbar eingefangenen Gossen und Hinterhöfen. Später lässt sich leider auch der Bilderstil von der konfusen Story anstecken und verliert durch die ständigen Locationwechsel prompt gehörig an Intensität. Es hätte so schön sein können, hätte man sich schlicht und ergreifend auf das faszinierend-unheimliche Türkenviertel und die bestialischen Morde konzentriert. Ein klassischer Serienmord-Thriller wäre ergo optimal gewesen. Den ganzen restlichen Story-Murks rund um Drogen, türkische Gangster, Gedächtnismanipulationen usw. hätte man sich getrost sparen können und so zugleich die Lauflänge auf sicherlich angenehmere 90 Minuten drücken können!
Neben der rein technischen Umsetzung wissen aber zum anderen auch noch die darstellerischen Leistungen zu gefallen. Jean Reno ist eine Bank und spielt mit aller Routine den undurchsichtigen Ex-Cop. Jocelyn Quivrin erweist sich als grundsolider, eifriger Jungbulle, während Arly Jover als identitätslose junge Frau im Prinzip auch überzeugt. Schade bloss, dass ihr anfänglich recht gut beleuchteter Charakter mit zunehmendem Storyverlauf zur reinen Type verkommt. Potentielle publikumsseitige Sympathien wurden so leichtfertig verschenkt.
Ein wirklich präsenter, charismatischer Bösewicht fehlt dem Film leider. Sicherlich auch ein Grund für den nicht selten fehlenden roten Faden.
Fazit: Das Drehbuch ist ein Totalausfall wie man ihn selten erlebt, Technik und Schauspiel stimmen jedoch. Welchen Geschmack "Imperium der Wölfe" schließlich trifft, lässt sich kaum vohersagen, am ehesten werden wohl anspruchslosere Thrillerfreunde hinter dem Ofen hervorzulocken sein. Actionenthusiasten sollten trotz einiger effektvoller Szenen nicht allzu viel erwarten. Insbesondere Schiesserreien sind doch sehr seltsam geschnitten, passen nicht in den Kontext oder zeigen praktisch nichts.
Für mich insgesamt eine Enttäuschung - aber im Steelbook verklauft sich wohl auch der letzte Schrott noch halbwegs...