DAS IMPERIUM DER WÖLFE ...oder was dabei herauskommt, wenn sich fünf (!!!) Drehbuchautoren nicht für eine durchgehend konzipierte Geschichte entscheiden können.
Ich muss zugeben, dass ich selten mit dermaßen großer Begeisterung und Faszination einen über zweistündigen Film gesehen habe, trotz der Tatsache, dass ich vielleicht nur 80% der inhaltlichen Zusammenhänge verstanden habe.
Nein, ich gehöre nicht zur 08/15-Zielgruppe des RTL-Unterschichten-Fernsehens und Britney Spears ist auch nicht meine Lieblings-Sängerin - Trotzdem, so ganz eindeutig kann ich die Handlungsstränge dieser französischen Produktion nicht nachvollziehen. Nachdem ich mir mehrere OFDB-Kritiken zu Gemüte geführt habe, kann ich jedoch erleichtert aufatmen - ich bin nicht allein!
Zurück zum Film. Da die Story sowieso zu komplex ist, bitte hier an anderer Stelle weiterlesen.
Zur Inszenierung kann man den aufstrebenden Chris Nahon („KISS OF THE DRAGON") aber nur gratulieren. Sein technischer Stil aus spektakulären Kamerafahrten, schnellen Schnitten, schrägen Einstellungen und donnernden Soundfetzen fasziniert von der ersten Minute an - Wahnsinn!!! Bis sich im sonnigen Anatolien alle Protagonisten zum letzten Showdown und damit zur großen Auflösung des filmischen Zwei-Stunden-Rätsels treffen wird das Action-Herz mit zahllosen Kampf-Sequenzen und blutigen Gefechten verwöhnt. Atmosphäre pur, während die ein oder andere logikfreie Handlungsebene meine grauen Zellen auf Trab hält und über weite Strecken an dem Sinn des Ganzen zweifeln lässt.
Auf schauspielerischer Seite enttäuscht sogar Jean Reno, der mit seiner Nebenrolle, die aus Promotions-Gründen als einzig namhafter Darsteller weitaus größer angepriesen wird, mit einer lustlosen und scheinbar unterforderten Darstellung. Ganz im Gegensatz zu dem ansonsten gut aufgelegten Gefolge wirklich ansprechend agierender junger Schauspielkollegen, die dafür sorgen, dass die Spannung kontinuierlich auch einem sehr hohen Level bleibt.
Somit ist DAS IMPERIUM DER WÖLFE ein zweischneidiges Schwert:
Zum einen erleben wir einen actionreichen High-Tech-Thriller, der auf technischer und inszenatorischer Seite Maßstäbe im europäischen Kino setzt.
Andererseits versagt der Streifen auf inhaltlicher Ebene, indem er sich zu sehr in verschiedene Handlungsstränge verstrickt, zumal der irreführende Titel auch auf einen Film gänzlich anderen Film schließen lässt.
Egal, Spaß gemacht hat's trotzdem, auch wenn man wehmütig zugeben muss, dass mit weniger Drehbuch-Köchen vielleicht an dieser Stelle ein wirklich großartiges 6-Gänge-Menü hätte entstehen können!
(6 / 10)