Review

Die Amerikaner haben es gern nach Schema F. Die kennen ihren Geschmack und berechnen ihre Filme im voraus. Da freut man sich immer, wenn dann ein Film gegen den Stricht gebürstet ist und mal was anderes bietet.
Nur bei „Nurse Betty“ funktioniert das nicht – bei mir zumindest.

Die Idee ist interessant: eine in ihre Soap verliebte Ehefrau sieht zu, wie Killer ihren Mann wegen krummer Geschäfte ermorden, klinkt aus und fühlt sich in die Serienrealität versetzt, so daß sie sich auf die Suche nach dem Arzt ihrer Träume macht und selbst Krankenschwester wird, während die Killer auch ihrer Spur folgen.

Das Ergebnis ist gespickt mit guten Schauspielernamen und einer normalerweise unterhaltsamen Storyline und dennoch tritt sich der Nervfaktor bald in unnormale Höhen.
Renee Zellweger will ich da gar keinen Vorwurf machen, die die weggetretene Diner-Bedienung so intensiv spielt, daß man Angst um ihren Intellekt haben muß. Nur braucht man eine Menge Humor, um dieses blonde Dummbrötchen, daß sich im Serienwahn nach L.A. aufmacht, auch über die volle Länge ertragen zu können.
Der Witz besteht darin, daß sie auf mirakulöse Weise ihrem Ziel immer näher kommt, die Fahrt bewältigt, in einem Krankenhaus sogar als Schwester angenommen wird (ohne Ausbildung), eine Wohnung und eine Freundin findet und schließlich sogar den Arzt kennenlernt (bzw. den Schauspieler desselben), bis sie selbst in der Kulisse der Serie steht und mitspielen darf...worauf die Illusion bald zerbricht, denn es sollte ja alles wirklich sein, kein schöner TV-Schein.

Leider versäumen es die meisten Nebenfiguren, dem blöden Hascherls mal präventiv eins aufs Haupt zu geben, dann würde es nicht so lange mit der Odyssee dauern, aber Zellwegers Handlungsstrang ist noch der Interessantere. Gleichzeitig verfolgt man Morgan Freeman und Chris Rock als sich streitende Killer (Vater und Sohn) auf ihrer Verfolgung.
Leider sind diese Szenen so was von bemüht bei Tarantino angelehnt, daß es schon abgeschmackt ist. Freeman verliebt sich in Abwesenheit in sein Opfer, während Rock immer nur billige Standup-Standards von sich geben darf. Das zieht sich wie Kaugummi, obwohl der Film bisweilen (in der herben Skalpierungsszene) recht derb daherkommt.

Insgesamt schwankt das Gemisch aber zwischen Schicksalsdrama, Komödie und Tarantino-Krimigroteske und das will nicht passen. Am Ende wird’s dann auch noch turbulent-albern und brutal dazu und die sorgsam aufgereihten Storyfäden verlieren sich ins Nichts.
Was bleibt, sind diverse skurile Schmunzler und reichlich Witz., der aber stets in die falsche Richtung zu mutieren scheint.
Der vielbeschriebene feine Humor ist allerdings zu selten zu entdecken, da kann „Nurse Betty“ kaum punkten und so schiebe ich den Film lieber zu den Mißkonzeptionen, die einen zwar nicht enttäuschen, aber auch nicht sättigen können. (5/10)

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