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Die 80er sind ja nun fraglos das Zeitalter des Videos gewesen. Nicht nur eine bisher unbekannte Verleihstruktur erblühte, im Zeichen der Videokamera stellten auch Exploitation- und Pornofilmer ihre Produktion um. So landeten fortan eine Menge billig produzierter Streifen in den Videotheken, die einzig auf die Sensationsrezeptoren abzielten und oftmals wenig davon boten, was man sich bei Ansicht des Covers noch vorgestellt hatte. Im Gegensatz zum Videospiel, wo in der Anleitung noch erklärt werden mußte, daß ein gelbes Rechteck eine Banane sein soll, hat sich daran auch heute nicht sehr viel geändert, aber das wißt ihr bestimmt schon.
Witch Bitch gehört allerdings zu den Covern, die mich nie angesprochen haben, zumindest auf DVD - das Tape gab es in unserer Videothek nicht. Eigentlich sagt der englische Titel Death Spa ebenso schon aus, daß es sich nur um völlig banale Videokost handeln kann. Vielleicht hätte man den Titel Hexenhure aus der Sexualhölle des Verderbens nennen sollen, dann hätte ich bestimmt nicht geschlagene sechs Jahre gebraucht, bis die DVD vom Stapel in den Player gewandert ist. Ich habe sie nichtmal gekauft. Mein Händler hat sie mir mal als Geschenk aufgezwungen.

Jetzt, wo ich direkt mit dem Film konfrontiert bin, dämmert es mir, daß Witch Bitch seiner Zeit vielleicht tatsächlich Kundschaft angesprochen haben könnte. Immerhin war Fitness da ziemlich angesagt. Man trug ja sogar Schweißbänder nur der Optik wegen. Die Aussicht, selbige auf sportliche Mädels unter der Dusche und in Aerobicanzügen zu genießen, könnte da vielleicht doch den ein oder anderen verführt haben.
Die Idee ein Fitnesstudio automatisiert über einen zentralen Computer zu steuern halte ich dafür schon wieder für so beknackt, daß der Film eigentlich ziemlich gut hätte werden können. Immerhin hat sich die Technik meines Wissens nicht wirklich durchgesetzt und überhaupt: Welchen Sinn macht es eigentlich, Fitnessgeräte per Computer zu steuern? Ich hatte jedenfalls noch nie das Bedürfnis danach, daß sich mein gewünschtes Gewicht automatisch justiert. Bisher hat es vollkommen gereicht, eben den Stöpsel in das entsprechende Loch umzustecken und schon war das Gewicht da.

Kann es sein, daß man bei solchen Filmen eh nicht zuviel fragen sollte? Hinsetzen, Film nebenher laufen lassen, vielleicht noch paar Kollegen dabei, um die vorhandenen Leerläufe gekonnt zu überbrücken, so kann man Witch Bitch anwenden. Der Sinn besteht eh nur darin, daß die erwähnte Computertechnik ein wenig rumkaspert und Leute sterben. Der Knackpunkt ist, daß es Filme gibt, die trotz ähnlich dünner Handlung immer noch besser unterhalten. Dabei steh ich schon auf 80er Trash und kann sogar Zombie Nightmare noch etwas abgewinnen. Dieser hat zwar weniger Splatter zu bieten und ist trotzdem besser, da witziger.
Witch Bitch besitzt zwar Effekte, welche auch versuchen einigermaßen derb zu sein, jene wirken aber so unspektakulär billig, daß man selbst aus technischem Interesse kaum gefesselt wird. Insofern lohnte sich die DVD Veröffentlichung wohl auch hauptsächlich für jemanden, der bisher nur das geschnittene deutsche VHS Tape kannte und diese Lücke zu schließen suchte.

Michael Fischa hat sonst nur weniges ala Hilfe, meine Mutter ist ein Werwolf gerissen und Stars wie Ken Foree, Chelsea Field und Brenda Bakke liefern keine beachtenswerte Performance ab. Produzent und Second Unit Director Jamie Beardsley produzierte übrigens auch X-Tro 3 und war als Assistent Director bei Reservoir Dogs tätig.
Wer wirklich jeden Horror Film gesehen haben muß, in der Videothek alles andere kennt oder mangels Alternativen einen Notkauf tätigen will, der kann mal rein schauen. Als belanglosen Konsumfilm kann man Witch Bitch aber auch getrost verdrängen und vergessen.

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