"Everyone in this place is going to die!"
(Die "Witch Bitch" gibt sich nicht mit halben Sachen zufrieden)
Wenn ein Horrorfilm mit dem Einschlag eines Blitzes beginnt, bedeutet das selten etwas Gutes. Wenn der Blitz dann auch noch in ein ultramodernes Fitness-Center namens Star Body Health Spa einschlägt und die Leuchtbuchstaben S-T-A-R-B-O-Y-H-L auslöscht, sodaß die verbleibenden Buchstaben die unheilschwangere Bezeichnung "Death Spa" ergeben, dann kann man sich sicher sein, daß die unter Faulpelzen weit verbreitete Floskel "Sport ist Mord" hier punktgenau ins Schwarze trifft. Und tatsächlich: Auf einmal geschehen bizarre "Unfälle" in der computergesteuerten High-Tech-Fitness-Bude, sehr zum Leidwesen von Besitzer Michael Evans (William Bumiller, Guns). Erstes Opfer ist seine hübsche Freundin Laura (Brenda Bakke, American Gothic), deren leckerer, schweißbedeckter Luxuskörper (nackt, wie Gott sie schuf, selbstverständlich) in der Sauna von austretendem Chlordampf schlimm verbrüht wird.
Nach eher harmlosen Zwischenfällen - wie einem sich lösenden Sprungbrett beim Wasserbecken, heißem Wasser aus den Duschköpfen und durch die Gegend fliegenden Fliesen - wird es dann so richtig übel. Eine Sportskanone wird beim Krafttraining vom Fitnessgerät so beansprucht, daß es ihn innerlich zerreißt, der zarte Hals einer Frau wird von einem Stahlrohr durchbohrt, und ein unglückliches Mädel wird von aus der Sprinkleranlage spritzender Säure regelrecht zersetzt. Lieutenant Fletcher (Francis X. McCarthy) und Sergeant Stone (Rosalind Cash) nehmen die Ermittlungen auf und haben als potentiellen Täter neben Michael vor allem dessen Ex-Schwager David (Merritt Butrick, Fright Night Part 2) im Auge, dem Programmierer der Computersteuerung. Ein Motiv hat der ständig schlecht gelaunte Kerl nämlich auch, schließlich war seine geliebte Zwillingsschwester Catherine (Shari Shattuck) mit Michael verheiratet, bis sie sich eines Tages mit Benzin übergossen und angezündet hat.
Michael Fischas Death Spa ist ein sehr ansprechend inszeniertes und überaus kurzweiliges Slasher-Movie mit einem coolen Gimmick. Der heimtückische Killer ist nämlich übernatürlichen Ursprungs, womit ihm auch weit mehr Möglichkeiten zur Verfügung stehen, seine Opfer über den Jordan zu schicken, als den üblichen tumben Gestalten mit ihren Messern, Äxten oder Macheten, die diese Art Film für gewöhnlich bevölkern. Ein reanimierter, tiefgefrorener Aal, der sich in eine Kehle verbeißt, oder zerberstende Spiegel, deren scharfe Glassplitter einen Körper zerfetzen, sieht man nun wirklich nicht alle Tage. Der Kreativität sind kaum Grenzen gesetzt, wenn es die "Witch Bitch" krachen läßt und den "Tod aus dem Jenseits" bringt, wodurch natürlich auch für reichlich Abwechslung gesorgt ist. Bei den Gore-Effekten schossen die Macher (für die damalige Zeit) fröhlich übers Ziel hinaus, weshalb die amerikanische Zensurbehörde MPAA für ein R-Rating auch prompt diverse Kürzungen forderte.
Die Splatterszenen sind zwar überwiegend recht happig, allerdings beschränkt sich Fischa selbst in der Unrated-Fassung auf eher kürzere Einstellungen, nicht zuletzt wohl auch, um die nicht immer gelungenen Effekte etwas zu kaschieren. Lediglich bei der saftigen Mixerszene (ein einfacher aber höchst effektiver Trick) wird mit der Kamera bis zum bitteren Ende der süßen "Biene" draufgehalten. Die SFX-Leute um Mel Slavick (Bride of Re-Animator) konnten sich bei Death Spa jedenfalls über mangelnde Arbeit bestimmt nicht beklagen, wobei beim spektakulären Finale auch die Pyrotechniker einiges zu tun bekamen. Denn trotz aller Todesfälle läßt es sich Michael nicht nehmen, eine flotte Mardi Gras-Party zu schmeißen, was den Bodycount noch mal drastisch in die Höhe schraubt. Das nicht ganz schlüssige Ende ist ziemlich abrupt, wird aber immerhin durch die angenehm eklige Schlußeinstellung etwas versüßt.
In seinen besten (=absurdesten) Momenten weckt der 1987 gedrehte, aber erst 1989 veröffentlichte Death Spa Erinnerungen an italienische Genreklassiker wie Suspiria, ...E tu vivrai nel terrore! L'aldilà (Über dem Jenseits aka Die Geisterstadt der Zombies) oder La Chiesa (The Church), die ja ebenfalls das (blutige) Spektakel über eine nachvollziehbare, logische Handlung stellten. Death Spa erreicht zwar weder deren Klasse, noch deren dichte, alptraumhafte Atmosphäre, aber in einer Zeit, als sich das populäre Genre bereits in einer tristen Abwärtsspirale befand, setzt er zumindest mit Schmackes noch ein dickes, fettes Ausrufezeichen. Obwohl Death Spa zweifellos ein preisgünstig produziertes B-Movie ist, ist der Film gut gemacht, was schon bei der tollen Eröffnungsszene (ein langer Steadicam-Tracking-Shot von der Straße durch den Eingangsbereich in den Fitness-Club) klar ersichtlich ist.
Zudem hat der 1952 in Wien geborene Michael Fischa (My Mom's a Werewolf, Deadtime Stories) die Regie fest im Griff und schafft es problemlos, die Geschichte ohne grobe Durchhänger über die Runden zu bringen. Selbst Szenen, in denen nichts von Belang passiert, weiß er launig auf Zelluloid zu bannen, sodaß kaum Langeweile aufkommt. Fans des unvergleichlichen Achtziger-Jahre-Flairs bekommen hier die volle Dröhnung verpaßt. Geile Frisuren und wunderbar scheußliche (Sport-)Klamotten, schamlos ins neondurchtränkte Licht gerückt, geben sich die Klinke in die Hand, während längst vergessene Popsongs (u. a. von längst vergessenen Bands wie People, Messenger, The Raunchettes und Sgt. Rock) die Tonspur rocken. Im schauspielerischen Bereich werden zwar keine Bäume ausgerissen, aber das Dargebotene ist durchaus akzeptabel. Ein echter Hingucker ist Chelsea Field (Prison) als Darla, aber auch Ken Foree (Dawn of the Dead) ist immer wieder gern gesehen, selbst wenn er so wie hier in äußerst lächerliche Klamotten schlüpfen mußte.
Wie bei vielen Filmen dieser Art ist die große Schwachstelle hier einmal mehr die Figurenzeichnung. Sämtlichen Figuren fehlt es an Tiefe, die Charakterisierung ist bestenfalls oberflächlich, weshalb es dem Publikum schwerfällt, etwas für die (todgeweihten) Männer bzw. Frauen zu empfinden oder gar mit ihnen mitzufiebern. Wer darüber hinwegsehen kann, der bekommt mit Death Spa ein flottes, spaßiges B-Movie serviert, welches für den nicht allzu anspruchsvollen Genrefan ein kleines Rundumsorglospaket darstellt. Schließlich ist in dem Streifen so ziemlich alles drin, was man sich erhoffen darf. Starke, wuchtige, spektakuläre und/oder blutige Murder-Set-Pieces, hübsche junge Frauen, die mit ihren Reizen nicht geizen, eine originelle Location, in der eine wahre Furie ihr Unwesen treibt, und dazu noch Unmengen an extravagantem 80s-Chic. Das alles mag nicht für einen qualitativ hochwertigen Film reichen. Für knappe anderthalb Stunden megageile und recht charmante Horrorunterhaltung langt es jedoch allemal.