Zoltan - Draculas Bluthund ist auf den ersten Blick eine der klassischen Low-Budget-Produktionen der späten 70er Jahre.
Wir erinnern uns: Tier-Horror war damals schwer angesagt, es wurden sämtliche (tierischen) Register gezogen: Grizzlys, Haie, Bienen, Ameisen, Piranhas - und eben auch Hunde.
Kurzer, aber unvermeidbarer Spoiler:
Der titelgebende Zoltan ist der verstobene Dobermann des Grafen. Der Hund fand seine letzte Ruhestätte in der Familiengruft, direkt neben seinem Herrchen. Leider nehmen einige Soldaten, im unmittelbaren Umfeld der Gruft, einige Sprengungen vor. Diese Sprengungen verursachen zuerst die Freilegung und danach die Entdeckung der Gruft, durch das rumänische Militär.
Schnell, sogar sehr schnell, wird ein "Vampir-Experte" zu Rate gezogen. Bei diesem Experten handelt es sich um einen gewissen Inspektor Branco, der kurzerhand die Verbrennung der Särge empfiehlt, auch ungeachtet der Tatsache das zwei der Toten-Behältnisse völlig leer vorgefunden wurden.
Nach kurzen Recherchen wird dann auch schnell heraus gefunden, wer denn eigentlich in einem der beiden leeren Särge hätte liegen sollen: Veit Smit, Draculas ergebener Diener und Halb-Vampir, also ein Vampir mit noch menschlichen Zügen, der sich auch tagsüber völlig frei bewegen kann.
Wer in dem zweiten Sarg lag, weiß zu diesem Zeitpunkt weder Inspektor Branco, noch das Militär, dafür aber der Zuschauer der diesen filmischen Flick mit seinen Augen aufsaugt - genau, es ist kein geringerer als der titelgebende Zoltan, der Veit Smit nun begleitet, auf der Suche nach einem neuen "Meister".
Spoiler Ende
Nüchtern betrachtet ist der Film, gemessen an anderen Genre-Vertretern, natürlich eher knapp oberhalb des Bodensatzes einzuordnen. Da beißt die Maus auch keinen Faden ab, denn allein die Logiklöcher sind so groß wie ein Schweizer Käse. Nur: Logik ist halt nicht alles, schon gar nicht wenn es um Horror und Unterhaltung geht. Aber nochmal kurz zurück zu den Logiklöchern: Ein oder zwei Beispiele gefällig?
Gleich zu Beginn fährt einer der Protagonisten, später ein weiterer der den ersten verfolgt, mit dem Schiff in die USA. Tja, heute ist das durchaus möglich. Aber 1978 oder von mir aus auch einige Jahre vorher, war das vor allem eines: Fast unmöglich.
Nicht deswegen, weil keine Schiffe fuhren, sondern weil Rumänien schlicht keine Ausreise in westliche Ausland gestattete, schon gar keinen Halb-Vampiren mit bestenfalls über 100 Jahre alten Dokumenten.
Aber gut, ignorieren wir das. Ein anderes Logikloch:
Wenn man einmal voraus setzt, das Dracula hier keine fiktive Figur ist, sondern ein verstorbener Graf, also dem Adel angehörend - dann ist es mehr als verwunderlich, das man anscheinend vorher nicht wusste, wo dieser begraben liegt. Na, so eine Art Sterbe-und-Friedhofsregister schien anscheinend nicht zu existieren. Alle guten Dinge sind drei, drittes Logikloch:
Im Verlauf des Films wird ein Protagonist durch einen Biss getötet - oder besser durch Dutzende Bisse regelrecht zerfleischt. Jetzt sollte man glatt annehmen, der Typ wird zum Vampir, nachdem er das Zeitliche gesegnet hat. Kurz: Ist aber nicht so, der ist einfach nur tot und spielt danach auch keine Rolle mehr, nicht mal die geringste. Nicht gerade Vampir-Logik.
Ersparen wir uns besser die restlichen Logiklöcher und kommen zu den Stärken des Films. Ja, solche Stärken sind durchaus genauso vorhanden, wie die gerade umrissenen Schwächen.
Trotz der nicht gerade völlig durchdachten Story schafft es der Film, zumindest über weite Strecken, den Zuschauer mit einigen Hunde-Attacken, der Suche nach dem vermeintlich letzten Dracula und nicht zuletzt durch die Tatsache, das Zoltan und Halbvampir Veit Smit nur eine begrenzte Zeit ohne Meister "überleben" können, bei der Stange zu halten.
Allzu hoch gesteckt, dürfen die eigenen cineastischen Ansprüche dabei natürlich nicht sein, wer hier eine Dracula-Story nach Hammer-Manier erwartet, ist hier ungefähr so falsch wie ein Gourmet im Schnell-Imbiss. Das sollte im Vorfeld klar sein, am besten bevor man den Player einschaltet. Nachdem das nun geklärt ist, kommen wir nochmal auf jene Szenen zurück, die das Herz des Horror-Fans entzücken, sofern dieser halt nicht nur Hochglanz-Produktionen gegenüber aufgeschlossen ist.
Zum einen agiert Zoltan stets nachts, denn tagsüber schläft er in seiner Transportkiste. Das bedeutet natürlich auch: Alle Hundeattacken erfolgen nachts, was das Ganze noch einmal eine Spur bedrohlicher wirken lässt. Hinzu kommt: Alle Hundeattacken, bis auf die erste, erfolgen weitab vom Schuss, wie man so schön sagt, mitten im Wald, irgendwo an einem See. Irgendeine Form von Hilfe von außen, können die von den Hunden bedrohten Protagonisten also nicht erwarten. Dies alles steigert die Spannung, wenn auch auf überschaubarem Niveau, aber immerhin: Völlige Langeweile sollte sich nicht einstellen.
So, der aufmerksame Leser wird sich jetzt denken: "Was schwadroniert der immer von Hunden, also Plural, ist doch nur einer!" Ja, stimmt - zu Anfang.
Später, im Verlauf des Films, agiert Zoltan jedoch mit einem kleinen Rudel von untoten Kötern die er alle höchstpersönlich "rekrutiert" hat, nämlich durch einen Biss in den Hals.
Halt, da war doch was? Bei dem Typen hat das doch nicht funktioniert, das mit dem "Beißen" wieso dann bei den Hunden? Fragen über Fragen und nochmal: Ja, der Film hat Logiklöcher, groß wie ein Käse. Aber mal ehrlich: "Fehler" findet man in (fast) jedem Film, seien es Armbanduhren in unpassenden Epochen oder, so wie hier, Vampir-Bisse die anscheinend nur temporär funktionieren. Viel wichtiger ist doch eines bei einem Film - der Unterhaltungswert.
Sicher, zugegeben: Ich wurde schon besser unterhalten, als es "Zoltan" zu tun vermochte, aber auch wesentlich schlechter - unter dem Schnitt also ein ordentlicher, absolut subjektiver oberer Durchschnitt. Solide 6/10.