„Je t´aime... moi non plus" war 1969 ein Welthit und provozierte mit seinem expliziten Text, der im Fortgang des Lieds nahezu stöhnend von einer Frauenstimme ins Mikrofon gehaucht wird, einen Skandal. Der Song wurde geschrieben vom französischen Komponisten und Chansonnier Serge Gainsbourg; die stöhnende Frau war Jane Birkin, seine damalige Ehefrau. Aufgrund des großen Erfolgs von „Je t´aime" initiierten diese beiden Beteiligten 1975 unter dem gleichen Titel sozusagen den Film zum Song und verletzten wieder einige Tabus: unmoralische Pornografie, so lautete der Vorwurf der Kritik und dem Film schlug eine Welle der Ablehnung entgegen. Im Nachhinein allerdings wirkt dieser Eklat im Angesicht einer heutzutage doch recht freizügigen Filmkultur eher lächerlich.
Worum geht es? Nun ja, da hätten wir den schwulen Müllwagenfahrer Krassky (Joe Dallesandro), der sich in die burschikose Restaurant-Bedienung Johnny (Jane Birkin) verliebt. Mit ihr lebt er seine sexuellen Wünsche aus, kann ihr zuliebe jedoch nie seine Homosexualität „überwinden", weswegen beide nur für sie schmerzhaften Analverkehr ausüben. Als Krasskys Liebhaber Padovan (Hugues Quester) eifersüchtig wird, eskaliert alsbald die Situation...
Man ist es leid, als Filmrezensent immer wieder die oft bemühte Kunstdebatte anzustoßen, doch stellen sich angesichts des filmischen Ergebnisses von „Je t´aime" einige Fragen. Der Film ist offensichtlich zumindest fragwürdig, wenn man sich nur einmal die Dialoge und die Inszenierung vor Augen führt. Es vergehen keine drei Minuten im Film, wo nicht ein Kraftausdruck, Schimpfwort oder eine Beleidigung (sehr beleibt: "Schwuchtel") fallen würde; lange Einstellungen, in denen wenig passiert, provozieren allzu oft die Geduld des Zuschauers; eine Storyline an sich existiert nicht, sondern besteht nur in einer losen Aneinanderreihung von Road-Movie-Elementen (lange Fahrten mit dem LKW) und aus heutiger Sicht eher zurückhaltenden denn drastischen Kopulationsszenen. Ist das Kunst? Sollte sie nicht irgendwo eine Aussage haben oder Kritik üben? Würde ich Theodor W. Adorno heißen, würde ich diese Diskussion hier sicherlich weiter ausbreiten, doch mir genügt es, darauf hinzuweisen, dass „Je t´aime" sich gerade diesem Anspruch, eine klare Botschaft auszudrücken oder auch nur eine Argumentation aufzubauen, verweigert. Jegliche Motive in den Handlungen der Protagonisten bleiben allzu nebulös. Oder was soll die Aussage sein? Dass Schwule auch aus Liebe ihre sexuelle Orientierung nicht ändern können? Zynischer geht es wohl kaum! Oder dass Liebe bzw. Lust auch immer mit Schmerz verbunden ist? Auch ziemlich platt!
Oho, da hätten wir ja noch die Bilder einer öden, von Müll und Zerfall geprägten Welt, die vielleicht auf das Ende der Konsumgesellschaft hindeuten. Aber was hat diese postapokalyptische oder zumindest postmoderne Atmosphäre denn bitte mit Liebe und Sex zu tun? Wenn es Johnny und Krassky auf der Ladefläche eines Müllkippers zwischen einigen Autowracks treiben und laut über Liebe nachdenken - was im Laufe des Films immer wieder zu seltsamen Aussprüchen wie (Zitat:) „Die Liebe hat n rosa Schwanz und ist blind" führt, - ist das schon die verblasene Pointe eines prätentiös-phlegmatischen Problemfilms, der nur durch die instrumentelle Untermalung mit der „Je t´aime"-Melodie glänzen kann und sonst nie wirklich zu überzeugen vermag. Auch die unfreiwillig komisch chargierenden Darsteller leisten dazu ihren Beitrag. Mein Favorit: Hugues Quester, der in seiner Rolle als eifersüchtiger Lover so sehr Overacting betreibt, als würde er dem Zuschauer allein durch seine Präsenz Schmerz bereiten. Und so können auch einige entblößte Körper, die durchaus gelungene schauspielerische Leistung von Jane Birkin oder ein kurz auftretender, koksender Gérard Depardieu, der ein Pferd am Ohr leckt (!), an dem absolut misslungenen, miesen Gesamteindruck nichts ändern.
Fazit: Je n´aime pas ce film. Gähnend-langweiliger Murks ohne erkennbare Botschaft in tristen Bildern, mit eher mäßig agierenden Darstellern (Ausnahme: Jane Birkin) und mit kryptischen Dialogen einzig für den Zweck, mit einem weiteren Skandal Geld zu scheffeln. „Je t´aime" ist ein Kunstfilm ohne Kunst (außer, wenn man die Demontage und Negation selbiger dazu zählen möchte) und ordinärer, stupider Mist.