Zeitgenössische Menschen interessieren mich nicht sehr - denken sie nur an all diese Durchschnittstypen, die man täglich im Fernsehen sieht, bei Big Brother und all dem anderen Zeugs. So laut und trivial! Wie kann man dem also entkommen? Wie findet man Figuren und Schauspieler, die nicht von diesem Zeitgeist durchdrungen sind? Das ist einer der Gründe, warum ich Filme wie diesen -und Filme im Allgemeinen - mache: um wegzukommen von der modernen Realität...
Pawel Pawlikowski
"My Summer of Love" ist ein sehr "stranger" Film. Er ist sehr sinnlich und ruhig erzählt. Pawel Pawlikowski achtet sehr darauf die Landschaft in seine Erzählung einzubinden. Der Film wird mit traumhaften Einstellungen garniert, die bis zum Exzess ausgereizt werden. Die Schauspieler wirken fast beängstigend echt. Streckenweise ist es ein Genuß, diesem Film zu lauschen...
Mona (Nathalie Press) und Tamsi (Emily Blunt) sind sehr unterschiedlich. Sie sind in völlig gegensätzlichen gesellschaftlichen Kasten aufgewachsen und dürften eigentlich nichts gemeinsam haben...
Mona lebt mit ihrem Bruder Phil (Paddy Considine) im Swan, einem ehemaligen Pub, der ihrer Mutter gehört hat. Die Mutter ist mittlerweile an Krebs gestorben. Monas Vater ist ihr unbekannt. Phil ist ein Ex-Knacki, der von Gott erleuchtet worden ist und nun in seinem Pub mehr Bibelsitzungen abhält, als Bier zu verkaufen. Er ist von oben bis unten geleutert, er ist davon überzeugt, dass ihm Jesus erschienen ist. Mono kommt allerdings mit seiner Einstellung nicht zurecht, sie fühlt sich absolut allein, ohne jeglichen Halt.
Tamsi hingegen ist Kind reicher Eltern. Sie geht auf ein Eliteinternat und verbringt nur den Sommer auf dem Herrensitz in der Gemeinde von Mona. Absolut vernachlässigt von ihren Eltern (die Mutter fühlt sich als Schauspielerin und ist auf Tournee, der Vater hat eine Affäre mit seiner Sekretärin und ist auch nie da) fantasiert sie traumatische Ereignisse in ihr Leben.
Als sie dann das "Opfer" Mona kennen lernt, wuchert ihre Phantasie noch weiter aus. Sie behauptet, dass ihre Schwester an Magersucht gestorben ist, um sich mit den Schicksaalsschlägen von Mona identifizieren zu können. Sie heuchelt eine Verbundenheit vor, die Mona so weit bringt, dass sie Tamsi absolut bedingungslos liebt und über ihren Bruder Phil stellt. Für Tamsi ist das allerdings nur ein Spiel, wie alles in ihrem Leben..."Only a Summer Love" - Spaß, Abwechslung, Vergnügen...und vor allem Beschäftigung!
Als es dann zur Eskalation mit Monas Bruder kommt, ist für ihn der Ofen aus. Phil spürt die schlechten Schwingungen, die von Tamsi ausgehen. Er kann jedoch seine Schwester nicht davor bewahren, obwohl er alles versucht, sie zu überzeugen...
Als dann Mona ihrem Gefühl folgt und mit Tamsi weggehen will, wird sie hart in die Realität zurückgeholt: Tamsi geht wieder aufs Internat! Das Spiel ist aufgeflogen...Ihr abgegebenes Versprechen ist nur noch Makulatur! Sichtlich verletzt wegen der Lässigkeit mit der Tamsi ihre Fantasien entschuldigt, ist Mona kurz davor doch ihren Part des Versprechens einzulösen...
Fazit:
"My Summer of Love" nach dem gleichnamigen Roman von Helen Cross ist ein Film, der meiner Meinung nach unterbewertet ist. In England ist er 2005 zum besten Film der British Film Academy gewählt worden. Außerdem war er auf der Berlinale 2005 und auf dem Filmfestival in Toronto und London zu sehen. 2004 gewann er den Michael Powell Award auf dem Film Festival von Edingburgh! Das dürfte genügend Lebenslauf für einen Film sein...
Hinzu kommt noch, dass niemand geringeres als Goldfrapp für den Soundtrack des Film zuständig waren...
8.0/10 Punkten