Inhalt:
China, gegen Ende der manchurischen Qing-Dynastie. So Chan (Lau Kar Fei aka Gordon Liu) und So Jiabao (Wong Yue) sind Halb-Brüder, gewitzt aber auch chaotisch in ihrem Wesen. Ihr Vater ist der reiche Weinhändler So (Kwan Hoi-San), der in zweiter Ehe mit der Mutter (Leung San) von Jiabao verheiratet ist. Unterricht in Poesie erhalten die beiden Halbbrüder vom Lehrer Liang Hang (Jason Pai Piao).
Der entpuppt sich als Meister des KungFu, und So Chan erhält von ihm denn auch ein Training in der "Drunken Tiger"-Technik. So Chan und Jiabao vergucken sich in das selbe Mädchen, die bildhübsche Dingding (Wong Man-Ying), die beiden buhlen um die junge Dame. Vater So schickt seine beiden Söhne zum Englisch-Unterricht zu einem Priester, Father Manling (Diego Swing), um sie zur Räsong zu bringen.
Mutter So will zusammen mit ihrem gerissenen Bruder Zhu Chun (Lam Fei-Wong) die Weinhandlung übernehmen, und heuern dafür den gefährlichen KungFu-Fighter und Killer Wu Gong (Johnny Wang Lung-Wei) an. Der spielt mit seinem Schergen Bai (Kwan Fung aka Gwan Feng) jedoch sein ganz eigenes Spiel. Eine Rechnung aus alten Zeiten mit Liang Hang offen, tötet Wu Gong zunächt Liang, dann kommen auch Jiabao und Dingding, sowie Vater So zu Tode, die Weinhandlung wird verwüstet, die Mitarbeiter getötet.
So Chan schwört, blutig Rache zu nehmen. Es kommt zum Show-Down und zum gnadenlosen Duell zwischen ihm und Wu Gong...!
Kritik:
Im Jahre 1985 standen die Studios der Shaw Brothers vor der Schließung. Und so gelten die Streifen "Journey of the Doomed" (siehe mein Review auf dieser Webseite) und eben "The Young Vagabond" als die -inoffiziell- letzten Eastern-Produktionen des legendären Studios an der Clearwater Bay in Hongkong.
Noch einmal auf die edlen Sets des Studios zurückgreifend, noch einmal Hochglanz-Bilder die die besondere Atmosphäre ala Shaw Brothers erschaffen, entstand unter der Regie von Lau Sze-Yu (aka Lau Shut-Yue) ein insgesamt solide und flott-spritzig unterhaltender Film. Als zunächst mehr oder weniger gelungen lustige Pennäler-Komödie, spät den Faden findend, mit Nonsens, Gags mit Slapstick und Overacting, Love-Story und Action mit Balgereien, vergeht die erste Stunde ganz passabel -wenn man sich bewusst ist, was für eine Art KungFu-Film man da betrachtet-: Es sollte halt ein lustiger Film entstehen. Dann verlässt dieser Eastern jedoch seine komödiale Ebene..., total.
Es kommt zu etlichen Tötungen, zu brutalen Morden an für die Hauptfigur dieses Streifens wichtigen Menschen. Der Vater, der Halb-Bruder, die Geliebte, der Sifu..., sie alle müssen sterben, und der Held des Films, die Figur die Shaw-MegaStar Lau Kar Fei (aka Gordon Liu) hier verkörpert, schwört dem Mörder blutige Rache. Und so sind denn die letzten 20 Minuten des Films -von 85 Minuten gesamter Laufzeit- auch die Dramatischsten und Besten von "The Young Vagabond".
Das sorgt denn für ´unterm Strich´ einen insgesamt solide und passabel unterhaltenden Eastern aus der ausgehenden Spät-Phase der Shaw Brothers.
Der Film lebt denn natürlich von der Ausstrahlung und dem Können von Lau Kar Fei. Seit "Die 36 Kammern der Shaolin" ("The 36th Chamber of Shaolin", siehe mein Review auf dieser Webseite), 7 Jahre zuvor entstanden, ein MegaStar der Shaw Brothers und des Eastern-Genres schlechthin, zeigt Lau Kar Fei auch hier, was in ihm steckte. Auch in den komödialen Filmen genauso wie zuvor in der "36th-Chamber"-Reihe, zeigt Lau Kar Fei, dass er in Top-Fighter und Performer ist. So ist das auch hier, und Lau Kar Fei wandelt sich überzeugend vom lustigen Burschen zum Rache-Engel.
Wong Yue, sein Partner, agiert gekonnt, Jason Pai Piao als Sifu und zuvor Poesie-Lehrer, einmal mehr eine straffe Performance, ich sehe JPP immer wieder gerne, er hebt das Ganze natürlich insbesondere. Ku Feng, Alt-Star und Vielfilmer der Shaw Brothers, hier als durchgeknallt-überforderter Polizei-Chef, Vater des von den Halb-Brüdern begehrten Mädchens und Schwerenöter, sorgt in einer Nebenrolle für die besseren komödialen Sequenzen in diesem Film.
Die weiblichen Rollen, die niedliche Wong Man-Ying als von Lau Kar Fei und Wong Yue Begehrte, macht sie das solide-tapfer. Als intrigant-verschlagen-böse Stief- bzw. leibliche Mutter der Helden-Brüder agiert die reif-attraktive Leung San, die mir sogar besser gefällt als die dagegen blutjunge Wong Man-Ying. Sie ist natürlich der "Aufhänger" für den Wandel im Handlungs-Geschehen, als aus der Komödie ein Rache-Drama und KungFu-Actioner wird.
Und dafür sorgt denn vor allem einer, der fast heimliche Star dieses Eastern: Johnny Wang Lung-Wei, die Villain-Legende der Shaw Brothers. Der mit cool-lässig, knallhartem Spiel, böser Aura und vor allem seinem eleganten, klassischen KungFu-Kampfstil diesem Eastern in den letzten 20 Minuten den Stempel aufdrückt. Oft standen sich Johnny Wang Lung-Wei und Lau Kar Fei in diversen Endfights für Filme der Shaw Brothers gegenüber, fast schon als klassische Rivalen. Legendär vor allem ihr Endfight in "Martial Club" (siehe mein Review auf dieser Webseite), ganz kann hier ihr End-Duell in "The Young Vagabond" denn da nicht mithalten. Aber wenn die beiden gegeneinander kämpfen, ist das immer ein Top-Fight!
Das bringt mich abschließend zur KungFu-Fightaction in diesem Eastern der Shaw Brothers. Nicht erst in den letzten 20 Minuten dreht hier die Fightaction auf, bereits das -leider eher angedeutete- Training zwischen Lau Kar Fei und Jason Pai Piao -eine wunderbar fotografierte Szene bei Ebbe am Meer, auch fast als Schatten-Spiel aufgenommen- ist da ein erstes Highlight, so wie eben die Intrige die zu den letzten, dramatischen 20 Minuten führt, die Ernsthaftigkeit im Geschehen denn einleitete. Dann kommt es zum Drama, zu den Tötungen und zu den blutigen Schicksalen..., und zur KungFu-Fightaction, klassische Techniken, schönes KungFu. Johnny Wang Lung-Wei und Lau Kar Fei sorgen für die KungFu-Action, und ihr Duell ist dann das finale, knallharte Top-Highlight.
Man kann nicht nur die letzten 20 Minuten bewerten. Zuvor ist nicht alles gut, aber insgesamt -für eine Pennäler-Komödie mit Nonsens & Overacting- solide, passabel und unterhaltsam. Dann dreht der Streifen auf, wird es dramatisch, blutig und actiongeladen.
Das sorgt für knappe aber verdiente 7 von 10 Punkten in meiner Bewertung.