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„Hat denn dieser Wahnsinn niemals ein Ende?!“

Nach seinen Kriegsfilmen drehte der italienische Multi-Genre-Regisseur Antonio Margheriti („Asphaltkannibalen“) im Jahre 1989 noch einmal einen Science-Fiction-Horrorfilm, der offensichtlich an die James-Cameron-Erfolge „Aliens“ und „The Abyss“ angelehnt war: „Das Alien aus der Tiefe“. Es sollte einer seiner letzten Spielfilme werden.

Die Umweltschutzaktivisten Jane (Marina Giulia Cavalli, „Ghosthouse 4 - Haus der Hexen“) und Lee (Robert Marius, „Jäger der Apokalypse 2 - Zurück in's Inferno“) suchen eine pazifische Privatinsel auf, um in die geheime Fabrik des Chemie-Konzerns „E-Chem“ einzudringen. Sie sind auf der Suche nach Beweisen dafür, dass dort Atommüll in einen aktiven Vulkan verklappt wird, der dadurch erhöhte Aktivitäten aufweist. Doch kaum hat Lee einiges an Bildmaterial gefilmt, werden beide entdeckt. Lee wird gefangen genommen, Jane gelingt an der Seite des Schlangenfarmers Bob (Daniel Bosch, „Good Morning, Babylon“) die Flucht. Während man überlegt, wie man Lee und seine Aufnahmen aus den Fängen des skrupellosen Sicherheitschefs Colonel Kovacks (Charles Napier, „Philadelphia“) befreien kann, lockt der im Vulkan reagierende Atommüll eine außerirdische Lebensform an, die das Leben aller bedroht. Wird man in der Lage sein, zusammen mit dem Fabrikwissenschaftler Dr. Geoffrey (Luciano Pigozzi, „Blutige Seide“) etwas gegen die extraterrestrische Bedrohung zu unternehmen?

„Das Wichtigste im Leben ist, dass man Geld hat.“

Margheritis Abgesang auf die eigenen Arbeiten in den Bereichen Science Fiction und Horror ist wie erwartet ein trashiges kleines Filmchen, das den großen Vorbildern zu keiner Sekunde gerecht wird. Er kleidete „Das Alien aus der Tiefe“ in ein Öko-Horror-Gewand, besetzte die Hauptrollen mit unerfahrenen Darstellern aus den hinteren Reihen, konnte für seine gewichtigen Nebenrollen jedoch abermals großkalbibrigere Namen wie Napier und Pigozzi gewinnen. Das Charisma letzterer hilft tatsächlich ein wenig, den Film über die volle Distanz zu bringen.

Zunächst wähnt man sich jedoch in einem eher unbeholfen konstruierten Öko-Thriller mit überzeichneten Charakteren, der es nicht immer leicht hat, die Handlung glaubwürdig voranzutreiben. Vorläufiger Höhepunkt des Grotesken ist das eigenartige Techtelmechtel, das sich Jane und die ohnehin schon fragwürdige Erscheinung des „Schlangenfarmers“ Bob liefern. Grenzwertiges Verhalten und ebensolche Dialoge bestimmen das Bild, während Lee in Lebensgefahr schwebt. Bis zum ersten Auftauchen des ungebetenen außerirdischen Besuchers vergehen satte 50 Minuten mit viel sinnlosem Herumgeballer und hirnrissigem Gelaber des grenzdebilen Wachpersonals der Anlage. Ist die verwirrend „Alien aus der Tiefe“ getaufte Kreatur, die vielmehr von hoch droben kommt, erst einmal anwesend, kann man sich jedoch an dessen trashigem, ungelenkem „Alien“-Rip-Off-Biomechanik-Design erfreuen, das durchaus seinen Charme hat. Etwaige Grausamkeiten und Gewaltspitzen werden in Sachen blutiger Spezialeffekte indes lediglich angedeutet, dafür weiß aber ein Finale zu gefallen, das sich angesichts des Produktionsjahrs fast schon anachronistisch liebenswürdiger Miniaturmodelle bedient, innerhalb derer Margheriti sich austobt. Außerdem rennt die Cavalli lange Zeit in ultraknappen Klamotten durch die Szenerie und versieht die Sause mit Sex-Appeal.

Wenngleich „Das Alien aus der Tiefe“ knietief im Trash watet und man die einzelnen Handlungssequenzen besser nicht näher auf ihren Logikgehalt hin abklopft, so erleidet er doch nie den Todesstoß jedes unfreiwilligen Trash-Films, die totale Langeweile. Nein, sicherlich ist rasante Spannung etwas anderes und betreibt auch Margheriti hier wieder seine berüchtigte Zeitschinderei, doch ist noch genug Tempo vorhanden, um zumindest kurzweilig zu unterhalten. Ein unterdurchschnittlicher End-Achtziger-Billigfilm in jederlei Hinsicht, aber noch keine Vollgurke.

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