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Die junge Psychologin Beatriz (Cristina Brondo) tritt eine neue Stelle in einer renommierten psychiatrischen Klinik an der spanischen Küste an. Nach kurzer Begrüßung durch Klinkleiter Dr. Blanch (Féodor Atkine) und Einweisung durch ihre Kollegin Elena (Marisol Membrillo) entdeckt sie unter den Patienten im Park ein stummes Mädchen, zu der sie ein paar Sätze spricht. Die Kleine ist nach dem Mord an ihren Eltern (in der Eingangsszene kurz zu sehen) schwer traumatisiert, doch als Beatriz in der darauffolgenden Nacht durch die geräumige Klinik schleicht, erkennt sie genau jenes Kind in einer Therapiesitzung mit Dr. Blanch wieder, wobei ihr letzterer einen Suizid einzureden versucht. Tatsächlich wird das Mädchen tags darauf tot aufgefunden, was Beatriz verstört, zumal Dr. Blanch deren Selbstmord als bedauerlichen Fehler abtut und nicht näher darauf eingeht. Auch ein anderer Patient, der der stets erstaunlich offenherzig auftretenden Jung-Ärztin vorher beim Duschen zugeschaut hat, äußert in wirren Worten und Zeichnungen, daß in der Klinik irgendetwas nicht stimmt und als ein weiterer Patient sie bei einer Therapiesitzung angreift und ihr ins Ohr flüstert, daß er in Wirklichkeit Polizist sei, weiß Beatriz überhaupt nicht mehr, was sie denken soll...

Auch bei der kürzlich erfolgten Zweitsichtung wird der Stoff, den Regisseur David Carreras in seinem 2004er Psycho-Thriller Hypnos verarbeitet hat, in seiner Gesamtheit kein bißchen besser als seinerzeit: Ein schnell geschnittener Mordfall zu Beginn ohne weitere Erklärung, eine vom ersten Moment an vollkommen unglaubwürdig auftretende tablettenabhängige "Psychologin" und durch die Bank seltsam agierende Kollegen und Patienten lassen den Zuschauer keinerlei logische Konturen ausmachen. Als dramaturgisches Stilmittel mag dieses Verwirrspiel funktionieren, zumal das Zusammenwirken von Location (große, vollkommen weiße Therapieräume, weitläufige Gänge, großzügige Büros) Kameraarbeit (Close-ups auf Gesichter, Pillen etc.) und Score (oft bedrohlich hämmernd) in geradezu hervorragender Weise eine unangenehme Atmosphäre heraufbeschwören, doch weil die Darsteller (Atkine ausgenommen) so unglaubwürdig agieren, kommt zu keiner Zeit Spannung auf. Nach etwa der halben Filmlaufzeit mag nicht nur der geneigte Zuschauer vorausahnen, wie der schlußendliche Plot Twist ausfallen wird - und er soll sich nicht täuschen.

Geradezu ärgerlich ist jedoch der Filmcharakter der damals 27-jährigen Cristina Brondo, die alles mögliche sein könnte, nur eben keine Vorzeige-Psychologin mit Bestnoten-Abschluß: Mit Stöckelschuhen und stets tiefausgeschnittenen Klamotten (in eklatantem Gegensatz zum Dresscode des spärlich vorhandenen anderen Personals) agiert sie ohne Selbstbewußtsein wie eine verwirrt Suchende und der Umstand, daß man sie oft oben-ohne zu sehen bekommt (was die Kamera desöfteren geradezu zelebriert) läßt eher auf eine Feature-Rolle als zukünftiges Playmate schließen, nicht jedoch auf eine ernsthafte Filmkarriere. Vermutlich über die Hälfte aller positiven Kritiken zu dieser filmischen Gurke beziehen sich auf Brondos Körpereinsatz, aber auch ein makelloser Body kann über solcherlei Effekthascherei nicht hinwegtäuschen. Weit gefehlt auch, wer persiflierende Elemente auf vergangene (Film-)Zeiten zu erkennen glaubt (der Polizisten-Patient mit der Mega-Rotzbremse scheint in diese Richtung zu deuten), denn Hypnos nimmt sich selbst stets bierernst.

Davon abgesehen fallen immer wieder einige Dinge und Begebenheiten auf, die einen am Drehbuch (ver)zweifeln lassen: Als Beatriz sich der jungen Patientin nähert, malt diese eine Linie auf ein Stück Papier und schmeißt dieses dann weg. Der Block, den sie dazu benutzt, hat höchstens 30 Blätter, wie lange mag das also wohl schon so gehen, und wie lange geht das noch so? Holt sie sich danach einen neuen Block? Und wer räumt das Papier vom Boden weg? Beatriz spricht nur einen einzigen Satz zu ihr, worauf sie kurz innehält, was Dr. Blanch in der folgenden Szene dann als "Erfolg bei dieser Patientin" bezeichnet - wtf? Weiters scheint es keine Trennung zwischen den Unterkünften der Patienten und denen des Personals zu geben (die sich zum bumsen auch mal in einem Zimmer oder am Strand treffen), und daß Beatriz (die im Lauf des Films dreimal ihre Frisur wechselt) nachts in Unterwäsche in der Klinik spazieren geht, bedarf ohnehin keiner gesonderten Erwähnung. Erst recht nicht, daß kein einziger der Filmcharaktäre auch nur irgendeine Art von Sympathie erwecken kann.

Fazit: Für ein nach erotischen Aufnahmen sabberndes männliches Publikum halbwegs empfehlenswert, für (Psycho-)Thriller-Freunde jedoch ein ziemlicher Reinfall. 3 Punkte.

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