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Der 30jährige Fotograf und glückliche Familienvater Matyas, dessen Gattin gerade im 9. Monat schwanger ist, wird plötzlich mit seiner Vergangenheit konfrontiert, als er zur Testamentseröffnung seiner Mutter geladen wird. Er hat jedoch keinerlei Erinnerung an seine Kindheit und glaubte eigentlich Waise zu sein. Aber damit nicht genug. Beim Notar lernt er seinen Zwillingsbruder kennen, der ihm (zumindest später mit neuer Frisur) wirklich bis aufs Haar genau gleicht. Völlig verunsichert und vor den Kopf gestoßen versucht er mehr über seine Vergangenheit herauszufinden. Unterstützung findet er hierbei in der Gattin seines Bruders Thomas, die eine eigenwillige Erscheinung ist. Noch dazu scheint sie von ihrem Mann misshandelt zu werden. Aber auch Thomas ist derzeit nicht untätig und nimmt Kontakt zu Matyas Familie auf, was letzterem gar nicht passt. Die Identitäten der beiden Zwillingsbrüder verwischen sich mit der Zeit immer mehr, bis es dann zu einer folgenschweren Begegnung im früheren Haus der Familie kommt.

Diese ist zwar für den geübten Thriller-Fachmann eigentlich nicht übermäßig originell, in ihrer Konsequenz jedoch schon ungewöhnlich. Überhaupt hält der französische Thriller einiges an kleinen Überraschungen bereit, die man so nicht zwingend erwartet, und die ich vor allem auch so noch nicht gesehen habe. Dies hängt vor allem mit dem sehr ähnlichen Aussehen der beiden Protagonisten zusammen, das so manch interessanten Konflikt heraufbeschwört, und durch das auch die eine oder andere nicht zu erwartende Wendung entsteht.

Ein besonderes filmisches Augenmerk gilt hier dem Aufzählen der Zahlen eins bis zehn in umgekehrter Reihenfolge, mit denen der Film beginnt und auch praktisch endet. Das sind zwei äußerst gelungene und interessant inszenierte Passagen.

Bis zum Abspann war ich sogar der Meinung, dass hier wirklich Zwillinge die Hauptrolle spielen, doch es ist wirklich nur ein einzelner, mir unbekannter Darsteller namens Benoit Magimel, der beide Rollen und vor allem den ständigen Wechsel zwischen beiden Charakteren hervorragend meistert. Insbesondere in den Einstellungen, in denen man beide gleichzeitig sieht, wurde hier tricktechnisch doch einiges aufgefahren, denn von einer klitzekleinen Stelle abgesehen kann man wirklich meinen, es mit zwei verschiedenen Personen zu tun zu haben.

Warum bekommt Duplicity jetzt „nur" 7,5 Punkte? Zwischendurch wird der Zuschauer öfters mal extrem verwirrt und alles klärt sich hierbei auch nicht auf. Insbesondere die Begegnungen mit seinem tot geglaubten Vater sind doch etwas zu schräg konstruiert, was dem Ganzen die Glaubwürdigkeit nimmt, die den Film ansonsten über weite Strecken auszeichnet. Das Potenzial der Geschichte wird zwar größtenteils ausgereizt, doch es gibt zwischendurch auch immer wieder kleinere Hänger. Außerdem hat man bei den rot eingefärbten Gegenständen in den Schwarz-Weiß Bildern ziemlich dreist von „Sixth Sense" abgekupfert, wobei die Filme ansonsten aber absolut gar nichts gemein haben, obwohl das auf der Rückseite des Booklets dick und breit erwähnt wird, denn Übersinnliches im eigentlichen Sinne findet bei Duplicity nicht statt. Den zweiten Vergleich mit „Die Teuflischen" lasse ich da eher gelten.

Insgesamt bleibt ein recht interessanter Thriller mit erstaunlich vielen (und vor allem auch neuen) Ideen, dem aber zwischendurch immer mal wieder etwas die Puste ausgeht, das reicht dennoch für ein „Gut +" und sollte die Leser dieser Zeilen animieren, sich den Streifen zumindest mal auszuleihen.

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