Nachdem Leni Riefenstahl, die zeitlebens für ihre Nähe zur NSDAP und Adolf Hitler kritisiert wurde, bereits als Schauspielerin u.a. in Die weiße Hölle vom Piz Palü (1929) und Stürme über dem Mont Blanc (1930) in einigen Filmen des Genres mitgewirkt hatte, legte sie mit dem Bergfilm Das blaue Licht 1932 ihr Regiedebüt vor.
Dabei erhielt sie nicht nur die Unterstützung einer großen Anzahl von den Beteiligten der bereits erwähnten Bergfilme wie Kameramann Hans Schneeberger und Produzent Harry Sokal, sondern konnte als Co-Regisseur und Drehbuchautoren auch den ungarischen Schriftsteller, Filmtheoretiker und -kritiker Béla Balázs gewinnen, der mit seinem bekannten Aufsatz in seinem gleichnamigen Buch Der sichtbare Mensch 1924 dem Film die Überwindung der Entfremdung, die dem Mensch durch das geschriebene Wort der Literatur wiederfuhr, durch die Sichtbarmachung menschlicher Mimik und Gestik zutraute. Der Liebhaber des Bergfilms Balázs half Riefenstahl als Regisseur in jenen Szenen, wo sie selbst als Hauptdarstellerin auftrat. Es sollte die einzige Langfilm-Regiearbeit von Balázs bleiben, der ob seiner jüdischen Herkunft und kommunistischer Gesinnung 1933, nach Hitlers Machtergreifung, das russische Exil wählte und sich Vorwürfe gefallen lassen musste, an einen Film Riefenstahls, die später mit ihren Filmen wie Triumph des Willens (1936) zu einer der einflussreichsten Propagandainstrumente des "Führers" wurde, mitgewirkt zu haben.
Das blaue Licht handelt dabei von der (fiktiven) Legende einer Frau namens Junta (dargestellt von Leni Riefenstahl), die dem italienischen Dorf Santa Maria Wohlstand brachte, indem sie - unbeabsichtigt - den Bergmännern den Weg zu einer Kristallgrotte auf dem Berg wies, von wo aus die Dorfbewohner des Nachts ein blaues Licht schimmern sahen. Bevor dies jedoch geschieht, wird Bergmädchen Junta für den Tod von zahlreichen Bergsteigern verantwortlich gemacht und das Dorf feindete sich mit ihr an - bis auf Maler Vigo (Mathias Wieman), der oben auf der Alm ihre Gegenwart sucht.
Leni Riefenstahl gelingt bereits mit diesem Film, wofür sie später bekannt werden sollte: Beeindruckende Aufnahmen einer wunderschönen Natur. Stets in leichter Untersicht und mit Panoramaaufnahmen die Größe und Übermacht der Berge und die Weite der Landschaften gegen den verschwindend kleinen Menschen illustrierend, gelingen Kameramann Hans Schneeberger und ihr - und das ist der bittere Beigeschmack bei der Sichtung dieses Frühwerks - schon frühe Ansätze einer faschistischen Ästhetik. Das Darstellen der Schönheit der Natur schlug in den deutschen Filmen der 30er Jahre zusehends um in das Darstellen des nationalsozialistischen Schönheitsideals des kraftvollen, gesunden Menschen, wie Riefenstahl selbst es nur sechs Jahre später mit ihren Olympia-Filmen zeigen sollte. Die Ehrfurcht vor der Natur, vor der Höhe eines Berges verlor sich mit Triumph des Willens in einer großen, anspruchsvollen Komposition der Ästhetik der Massen, wobei - und das verwundert doch sehr - der Berg selbst in Das blaue Licht nicht so eine zentrale Rolle einnimmt, wie er es in Luis Trenkers Der Berg ruft von 1938 um die Erstbesteigung des Matterhorns beispielsweise tat.
Riefenstahl richtet ihren Fokus nicht auf die Besteigung des Berges, sondern - ganz im Sinne der Dokumentaristin, die sie zeitlebens war - auf die Darstellung der Natur des Berges und beeindruckende Panoramen. Die banale Story um einen Mythos dient nur als Vorwand für eine latente Liebesgeschichte, die neben Sprachbarrieren auch die Habgier und Vorurteile der Menschen aushalten muss. Diese wird jedoch beinahe lieblos erzählt und so sind die Sequenzen, als Junta vor einem Wasserfall einen Kristall findet, auf einem Felsvorsprung in Nebel gehüllt im Profil auf das Dorf herabblickt oder schließlich in kontrastreichem Weitwinkel den Berg hinaufkraxelt die optischen Highlights des Films. Für die Dramaturgie und den Inhalt abseits der beeindruckenden Bild- und pathetisch-überfrachteten Musikkompositionen scheint sich Riefenstahl nicht interessiert zu haben. Diese These scheint die Armut an Dialogen, die sich nur auf das Nötigste beschränken, zu untermauern.
Zugegeben: Zeitraffer eines aufgehenden Mondes über dem Gebirgspanorama und die wenigen Kletterszenen (die jedoch für sich genommen die Zuordnung zu dem in den 30er Jahren populären Genre des „Bergfilms" nicht rechtfertigen) imponieren gar sehr, vermögen aber nicht von der inhaltlichen Leere des Films abzulenken, die mit selbigen Einstellungen zu füllen versucht wurde.
Zwar wurde der Film 1951 in einer neuen Schnittfassung wieder veröffentlicht, bei welcher die Rahmung um Touristen, die den Weg nach Santa Maria finden und über die Legende von Junta aufgeklärt werden, zugunsten eines Off-Kommentars weggelassen. Allerdings vermag es auch dies nicht, die dramaturgischen Schwächen zu übertünchen. Auch Riefenstahls Selbstinszenierung als posthum verehrte Heldin wirkt eher peinlich, obwohl sie ihre Rolle durchaus passabel zu spielen vermag. Als Zeitdokument und unter ästhetischen Gesichtspunkten ein durchaus beeindruckendes Werk, allerdings hat Das blaue Licht abseits seiner Optik heute in seiner altbackenen Inszenierung schon eine dicke Staubschicht angesetzt (5/10).