Review

Vorweg muss ich sagen, dass ich "Á bout de souffle" leider noch nicht kenne und mir somit eine Vergleichsmöglichkeit fehlt.

Dem Zuschauer wird hier die Geschichte von Jesse Lujack (Richard Gere), einem Kleinganoven der in den Tag hinein lebt, erzählt. Er stiehlt in Las Vegas ein Auto, um zu seiner Urlaubsbekanntschaft Monica (Valérie Kaprisky) nach L.A. zu fahren. Auf dem Weg dorthin bringt er jedoch einen Polizisten um, sodass ihm in L.A: schon bald die Cops auf den Fersen sind. Auch Monica scheint zuerst von Jesses Auftauchen weniger begeistert zu sein und es dauert lange, bis sich die beiden wieder Annähern. Als die Lage immer aussichtsloser wird, entscheiden die Beiden nach Mexiko zu fliehen, doch liebt Monica ihn wirklich...

Nun könnte man meinen, es handle sich hier um einen typischen Genrevertreter, zumal Richard Gere ja ein Indiz dafür sein könnte, wenn der Film nur nicht auf o.g. „Außer Atem“, von keinem geringeren als Jean-Luc Godard in Zusammenarbeit mit Francois Truffaut, basieren würde. So hüllt sich der Film in eine schon fast morbide, erotische Atmosphäre, welche durch die vielen Nacktszenen und anzüglichen Dialoge verstärkt wird. Leider ist die Story recht belanglos und so wird der Film eigentlich nur durch diese Szenen und die Actionsequenzen gespeist und vor der Belanglosigkeit gerettet. Interessant ist auch, dass Richard Gere eine doch recht ungewohnte Rolle spielt: er ist rebellisch, ein bisschen durchgeknallt aber trotzdem sympathisch. Hin und wieder vollführt er sogar Tanzeinlagen, welche mit einem wunderbarem Soundtrack unterlegt sind. Ein Manko an seinem Charakter ist jedoch, dass seine Motivation nicht explizit dargestellt wird. Es gibt zwar oft die Andeutungen, z.B. die Parallelen zu dem Charakter aus seinem Lieblingscomic, jedoch wird diese Sucht nach Monicas Liebe und die daraus resultierende Verzweiflung oder auch sein irrationales Verhalten nicht klar genug bzw. nicht ausdrucksstark genug herübergebracht. Hier wäre ein emotionaleres Spiel genauso wünschenswert gewesen, wie ein verbessertes Buch. Wahrscheinlich hat Godard dies besser gelöst.
Erwähnenswert ist hier auch noch das offene Ende, was mir persönlich gut gefallen hat.

Richard Gere ist hier in einer seiner früheren Rollen zu sehen und versprüht noch nicht die Routine seiner späteren Werke. Dies ist jedoch nicht negativ anzumerken, es macht ihn viel mehr sympathischer und für das Publikum fassbarer, wenn auch wie schon beschrieben, ein emotionaleres Spiel anzuraten gewesen wäre.
Seine Partnerin Valérie Kaprisky, eine mir bis dahin völlig unbekannte Schauspielerin, kann hier nicht nur durch ihre körperlichen Reize punkten, auch ihr Spiel ist eigentlich überzeugend, wobei sie teilweise ihren inneren Konflikt, ob sie Jesse liebt oder nicht, nicht gut nach Außen tragen konnte. So wirken manche Szenen etwas kalt.

Erwähnenswert ist auch der schöne Soundtrack, der 60ies like eine gute Stimmung projiziert, welche, wie schon erwähnt, durch die Einlagen Geres verstärkt wird. Auch wird so mancher ein bestimmtes Musikstück sicherlich wiedererkennen ;). Ebenso schön sind einige Kameraeinstellungen, z.B. die Kamerafahrt bei dem T-Bird, als sie ganz langsam von links über die Motorhaube nach rechts fährt und dann wieder zurück in die Mitte.

Abschließend kann man sagen, dass es sich bei diesem Film durchaus um eine gute Mixtur aus Drama/Thriller handelt, garniert mit Erotik und ein bisschen Action. Man kann sich den Film ruhig mal im TV anschauen, interessanter ist hier sicherlich Godards Film, welcher höchstwahrscheinlich mehr aus dem vorhandenen Potential gezaubert hat.

6/10

Details
Ähnliche Filme