Ein Remake wie ein rotes Rüschenhemd
Godard wäre/war stolz? Wahrscheinlich schon. Ich bin zu faul seine Meinung und echte Zitate zu „Breathless“ von 1983 herauszusuchen, aber da auch Godard ein Styler vor dem Herrn war, würde es mich wundern, wenn er diesem frechen und ganz eigenständigen Remake gar nichts abgewinnen konnte… Erzählt wird in dieser (meiner Meinung nach höchst verkannten!) Neuinterpretation wieder die Geschichte eines charmanten Ganoven, Frauenhelden, Lebemanns auf der Flucht und wie er eine unschuldige, französische Studentin mit in sein mörderisches Schlamassel zieht - dieses Mal jedoch in L.A. und auf der Fahrt nach Mexiko statt in der Stadt der Liebe…
Copkiller on the Sexhunt
Klar, das Original von Godard war bahnbrechend und ist immer noch einer der filmischen Inbegriffe der Coolness. Vielleicht der coolste Film der coolsten filmischen Bewegung überhaupt. Was Godard da stilistisch getrickst hat, hat die Filmbranche nachhaltig und radikal verändert. Die Grenzen des audiovisuellen wurden massiv verschoben und der Film als Medium war plötzlich weitaus interessanter, wendiger, hipper als je zuvor. Ebenso klar, dass da ein Remake zwanzig Jahre später nur verlieren konnte und einen extrem harten Stand hatte. Selbst wenn es die Handlung in die Staaten verlegt und einiges anders macht. Vielleicht sogar zu anders, denn dieser „Breathless“ hat 1983 scheinbar alle verwirrt bis verärgert. Erst recht mit dem Schatten von Godards unantastbarem Flaggschiff im Rücken. Ich hätte damals sicher ähnlich verdutzt reagiert, kann absolut nicht behaupten, den damals schon „durchschaut“ zu haben oder dass ich ihn hätte schätzen können. Für das was er ist, nicht das was man will, was er ist oder das, was man mit dem Original verbindet. Heute mit mehr Weitsicht, Rücksicht und Weisheit kann aber auch „Breathless“ (1983) vollkommen faszinieren. Manchmal Erotikthriller, manchmal fast ein Vorläufer von sowas wie „Sin City“. Comichaft, überdreht, waghalsig. Käsig hoch drei. Aber phänomenal unterhaltsam. Und stylisch ohne Ende. Mit einem charmant-überdrehenden Gere, mit einer unheimlich heißen Valerie Kaprisky, mit einem flirrenden L.A. und ganz viel Mehico, Mehico, Mehico! Mal bescheuert, mal weise, mal aus der Zeit gefallen, mal seiner Zeit voraus. Ein Querschläger. Eine Anomalie. Ein Kultfilm, wie er im Buche steht.
Fazit: Hot, stylisch, flambiert, cheesy, sexy, exquisit, seiner Zeit audiovisuell sowas von voraus, ein 80s-Fiebertraum - so nehme ich gerne Remakes, selbst wenn keiner wirklich nach ihnen gefragt hat!