Inhalt:
China, Mitte des 17. Jahrhunderts. Das Reich ist im Norden massiv bedroht, manchurische Horden greifen die chinesischen Ming-Festungen unentwegt an. Einer der befehlshabenden Generäle, Yuan Chong Huan (Ko Ban), ist dringend auf Entsatz durch zugesicherte Truppen des Generals Lu Qiang (Ku Wen-Chung) angewiesen.
General Lu Qiang ist jedoch korrupt, ignoriert die Befehle und die Entsatz-Truppen bleiben aus! Die Sun-Moon-Sekte von Chief Hung Zhong (Yang Chih-Ching), dessen "2. Mann" Ge Jingfu (Fang Mien) und Master Wu Hao-Ren (Tien Feng) nimmt sich der Sache an, will die Intrigen des korrupten Generals durchbrechen, diesen zur Rechenschaft ziehen und die Truppen endlich in den Norden verbringen lassen.
Doch Chief Hung wird heimtückisch ermordet, und Ge Jingfu gefangen gesetzt und brutal gefoltert.
Zum neuen Anführer der Sun-Moon-Sekte wird der edle und rechtschaffende Schwertkämpfer Shen Bingyi (Chang Yi). Dieser will die Angelegenheit klären, und macht sich zusammen mit der Tochter Ge Jingfus, der schönen Ge Daiyun (Lisa Chiao Chiao) auf den Weg in den Norden.
Dort erhalten sie Hilfe durch einen nomadischen Stamm, angeführt von derem Khan Mumaiti (Ching Miu). Dieser hat zwei bildschöne und tapfere Töchter, Meng Meng (Shu Pei-Pei) und Si Si (Jeannett Yu aka Yue Wai). Die beiden verlieben sich in den noblen Helden Shen Bingyi, und buhlen um dessen Gunst.
Zwar bekommen Shen Bingyi und seine Mitstreiter General Lu Qiang in ihre Hand, jedoch kommt es zunächst zum Austausch mit dem Gefangenen Ge Jingfu. Nunmehr hat man freie Hand. Aber arglos nimmt man eine Einladung Lu Qiangs zu einem Fest an, auf dem es zu einer Verständigung kommen soll.
Das ist eine Falle! Es kommt zum Kampf gegen Lu´s "rechte Hand" Yan Shi-Yuan (Huang Chung-Hsin). Wird es den Helden gelingen, Lu endlich zur Rechenschaft zu ziehen und die benötigte Truppen-Entsendung einzuleiten...?
Kritik:
Im Jahre 1967 drehte Regisseur Kao Li für die Studios der Shaw Brothers diesen frühen und gutklassigen, kleinen WuXia-Eastern-Klassiker. Es entstand ein bunter und weitestgehend in seiner Storyline sich verdichtender, spannender Abenteuer-Film aus dem alten China der ausgehenden Ming-Epoche.
Einmal mehr in den schönen Super-Sets der Shaw Brothers visuell bestechend in Szene gesetzt, auch mit vielen Außenaufnahmen in authentisch-altchinesischen Kulissen oder illustrer wie malerischer Landschaft unter strahlend blauem Himmel, war hier auch das atmosphärische, typische Shaw-Feeling vorhanden. Was ja die Fans des Studios immer wieder aufs Neue fasziniert, ja elektrisiert. Ein weiterer WuXia-Eastern der Shaw Brothers, die Ende der 1960er und Eingangs der 1970er Jahre ein gewaltiges Produktionsvolumen auf diesem Feld entwickelten.
Die Geschichte die erzählt wird, ist sich immer mehr verdichtend inszeniert, die Figuren und ihre Motive soweit ausgeleuchtet. Zur Mitte hin gibt es einige kleine Längen, plätschert das Ganze fast etwas dahin, doch zieht die Spannung dann wieder an, und mündet in ein dramatisches Finale, mit dann auch wieder reichlich Action, das konnte dann wiederum entschädigen. Sodass man sich als Fan der Shaw Brothers wieder solide, gut unterhalten fühlte, mit einem WuXia-Eastern aus der Anfangszeit des Genres.
Chang Yi ist hier der Held, an seiner Seite zwar Lisa Chiao Chiao, aber letztlich der einsame Kämpfer für die gerechte Sache. Er macht das solide und bemüht, aber es ist eher ein Ensemble-Streifen, mit nicht ganz unwesentlichen Frauen-Rollen. So ganz war auch "The Silent Swordsman" noch nicht aus dem Schema der chinesischen Oper raus, so trällert Lisa Chiao Chiao ein klassisches Lied, und auch Jeanette Yu, sowie ein Fest in den Jurten eines Nomaden-Stammes, was fast folkloristisch in Szene gesetzt wurde.
Ku Wen-Chung ist zwar der Haupt-Villain als Verräter-General, doch wirkt er da eher wie ein naiv-harmloser Opa -und täuscht damit auch seine Gegner-. Gefährlicher wirkt da Huang Chung-Hsin, mit skrupellos-böser Mimik, und mit ihm gibt es die physische Auseinandersetzung im Endfight. Yang Chih-Ching, diesmal auf Seiten der Guten, macht er einen soliden Job als opi-hafter Sekten-Boss, der aber rasch dahingemeuchelt wird, an seine Stelle tritt quasi Fang Mien, der etwas dynamischer im Spiel ist.
Man entdeckt in kleinen Neben-Rollen noch einiges an Prominenz, wenn auch eher am Rande: Tien Feng, nobel-souverän wie immer; sowie -ganz klein und zum Ende- Lo Lieh, und "Drunken Master" Simon Yuen als Sekten-Mitglied, beide noch am Anfang späterer, großer Eastern-Karieren.
Wichtig sind hier die weiblichen Rollen, obgleich Lisa Chiao Chiao eher nur als Mitläuferin Chang Yis hier einzustufen ist. Das sieht bei den heimlichen Stars dieses Eastern ganz anders aus, Jeanette Yu und Shu Pei-Pei verdrehen hier dem Helden den Kopf. In einer Nebenhandlung quasi, werden die Schwestern -im Film- zu Rivalinnen um die Gunst des Helden. Das füllt die Handlung um einen kleinen melodramatischen Aspekt auf, und ist ja immer interessant, 2 Frauen 1 Mann, eine Dreieckskonstellation um Liebe und Eifersucht, auch wenn alles eher an der Oberfläche bleibt. Yu und Pei-Pei machen das auf niedlich-süße Art im Spiel, das Ende ist indes dramatisch. Und Chang Yi kann sich da natürlich nur schwer entscheiden. Jeanette Yu oder Shu Pei-Pei? Das ist fast so, als müsste ich mich zwischen Hayley Bentley und Nikita Sullivan entscheiden, Herrgott! Okay, leichte Vorteile für Shu Pei-Pei, aber das ist Ansichtssache.
Die Swordplay-Fightaction, anfangs mit Massen-Szene als eine Schlacht nachgestellt wird, kann sich für das frühe Baujahr ´67 sehen lassen. Gar rasante Fights, gut choreographiert. Und der Endfight im Schurken-Palast mit wechselnden Fight-Auseinandersetzungen mal hier mal dort, haut noch extra einen raus, schön.
"The Silent Swordsman", ein kleiner WuXia-Easternklassiker der Shaw Brothers, bietet dem Fan des Studios und des Genres gediegen-solide und kompakt-routinierte Unterhaltung.
7/10.