Review

Warum sind Actionfilme made in Germany so selten? Richtig, weil sie einfach nichts taugen. So auch „Cascadeur – Die Jagd nach dem Bernsteinzimmer“: Während die eher spärlich gesäten Actionsequenzen überzeugen, ist der Plot jedoch nichts weiter als ein roter Faden. Ein roter Faden, der aus aufgeblasener heißer Luft besteht. Klischees werden bis zur unfreiwilligen Selbstparodie ausgereizt, die „Bösen“ chargieren so mies, dass sie selbst in jedem Provinztheater rausgeschmissen würden und das idiotische Drehbuch hat null eigene Einfälle aufzuweisen.

Zur Story: Ex-Stuntman Vincent (der recht mäßig talentierte Regisseur Hardy Martins) lebt nach dem tragischen Unfalltod seiner Frau als Tannenzapfen-Pflücker (!) im Schwarzwald, als eines Tages Forscherin Christin (blass: Regula Grauwiller, "Gran Paradiso") buchstäblich vom Himmel fällt. Mit einem Amulett, welches sie aus Caracas gestohlen hat, ist es möglich das lange verschollene Bernsteinzimmer wieder zu finden. Doch leider sind auch noch ein paar zwielichtige Gestalten um einen Oberst des MAD (richtig mies: Heiner Lauterbach, „Rossini“) hinter der Kette her. Vincent tritt zusammen mit Christin die Flucht an…

Man merkt dem Film an, dass Hardy Martins – auch im wirklichen Leben von Beruf Stuntman – die Idee für diesen Film hatte. Anders kann man sich die dünne und haarsträubende Geschichte nicht erklären. Peinliches Klischee reiht sich an peinliches Klischee, differenzierte Charakterzeichnung sucht man ja in solchen Filmen sowieso vergebens. Der Held ist der den Genre-Standards entsprechende, traumatisierte Ex-Profi, welcher den Tod seiner Frau nicht verwinden kann – wie originell. Die „Bösen“ um den Oberst spielen so mies und so betont „böse“, dass es zuweilen unfreiwillig komisch wirkt, wenn selbige mit finsterer Miene so etwas wie „Ich hasse Kinder“ von sich geben. Ohnehin sind die Dialoge so hohl, dass sie an Flachsinn nicht mehr zu überbieten sind. Die eher wenigen Actionsequenzen hätten nicht übertriebener sein können (man denke nur an die Aktion mit dem Auto, welches bei einer Verfolgungsjagd genau im Führerhaus des Trucks landet), überzeugen aber sonst durch handwerkliche Perfektion. Die selten eingestreuten Ironisierungen wie bei den amerikanischen Actionvorbildern, an die sich der dümmliche Film leider allzu deutlich orientiert, wirken aufgesetzt und unlustig (gegen Ende im Wald: „Da geht’s lang!“). Auch spannend ist die abstruse Hetzjagd kaum: Zu leblos und flach sind die Charaktere, zu konstruiert die Handlung. Immer dann, wenn „Cascadeur“ einmal zur Ruhe kommt, tritt ein dramaturgisches Vakuum auf. Hardy Martins sollte es lassen, über Stunts hinaus auch noch den ganzen Film zu inszenieren. Einzig die stimmig gestalteten Sets sowie die Bebilderung in satten Farben vermögen es in hoch stilisierter Optik in satten Farben fast die fabrizierte unlogische Aneinanderreihung von Dummheit vergessen zu machen. Aber eben nur fast.

Fazit: „Cascadeur“ ist der klägliche Versuch eines deutschen Actionfilms, welcher leider in den Charakterzeichnungen und den cartoonesk überzeichneten Actionsequenzen allzu deutlich auf amerikanische Vorbilder schielt, was allzu oft in unfreiwilliger Komik gipfelt. Das Drehbuch ist so unfassbar hohl und konstruiert, dass der Film zuweilen wie ein gescheiterter Versuch einer Parodie wirkt. Aber zumindest wird das temporeiche, aber idiotische Vehikel mit schlecht spielenden Darstellern nie langweilig. Für Trash-Fans – ich zähle mich dazu – ein Fest, der Rest der Zuschauer wird jedoch nicht umhin kommen, dass ein oder andere Mal enttäuscht mit dem Kopf zu schütteln.

Eigentliche Klasse des Films: 4 von 10, Trashfaktor: 6 von 10 – macht unterm Strich 5 von 10 Punkten.

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