Eigentlich liegt es in meiner Philosophie, sich nicht viel aus Liebesfilmen jeglicher Art und Weise zu machen. Wenn dann auch noch eine Frau im Mittelpunkt steht, dann halt ich mich sehr oft zurück - zu groß ist die Angst vor solchen furchtbaren Filmen, wo nur Frauen, Frauen, Frauen mitspielen und man sich als Mann Sachen anhören muss, die vor Klischees nur so platzen. Da wird mir einfach kotzübel.
"Bridget Jones" war für mich lange Zeit auch so einer dieser Filme, bis ich ihn mir eines Tages tatsächlich mal anschauen wollte/sollte, und ich muss zugeben, dass ich doch recht überrascht war. Vielleicht deswegen, weil die Frau an sich hier nicht als Supermensch dargestellt wird, sondern als Wesen, das durchaus Schwächen aufweist und sich selbst ab und zu nicht so ernst nimmt. Im Nachhinein ist dieser Film für mich immer noch keine Offenbarung, aber wie gesagt, ich wurde angenehm überrascht und über die gesamte Spielfilmlänge ohne Längen unterhalten.
Doof nur, dass ich jetzt nicht der Renee Zellweger Fan schlechthin bin. Ich hab keinen besonderen Grund dazu, zu manchen Menschen hat man einfach von Anfang an ein zwiespältiges Verhältnis, man kann ja nicht jeden sofort toll finden. Allerdings geht mir deswegen auch ein bisschen - ein ganz kleines bisschen - der Aufbau des Films auf die Nüsse. So gesehen ist er total abgerundet und weiß zu überzeugen, aber Filme in Tagebuchform, wo man die ganze Zeit auf eine Erzählstimme hören muss, die sagt was sie denkt, sind mir doch ein wenig zu überladen.
Vorhersehbar ist das alles dann auch irgendwie. Natürlich spielt Hugh Grant den schleimigen Aufreißer durchweg sympathisch, aber man weiß doch ehrlich gesagt schon von Anfang an, wie das hier ausgeht. So sehr tendiert das alles hier zu Hollywood-typischer Liebesschnulze, als das man eine wirkliche Überraschung erwartet. Da ist dann auch das mitfiebern mit dem Hauptprotagonisten recht schwer. Vor allem, wenn der Film gegen Ende so viele (un)erwartete Wendungen ins Spiel bringt, dass das Fass überläuft. Erst kloppen sich Grant und Firth auf der Straße; Zellweger verlässt Grant, will wieder zu Firth; der ist schon andersweitig vergeben; Zellweger ist wieder allein; Firth fasst sich ein Herz und kehrt zu Zellweger zurück, lies ihr Tagebuch und all die netten Bemerkungen über ihn; er verlässt sie offenbar wieder, sie rennt ihm hinterher, alles stellt sich als gut und schön raus, Ende. Es gibt gute Zeiten, schlechte Zeiten...
Aber sicherlich hat der Film trotzdem einen charmanten Humor - zwar ohne große Überraschung oder neuen Einfällen, aber durchweg unterhaltend. Die Zeit geht verdammt schnell rum und dank der Spielfreude aller Beteiligten macht es auch noch richtig Spaß. Sicher, es mag Geschmackssache sein, aber man sollte sich den Film schon ansehen - der Überraschungserfolg im Kino ist jedenfalls relativ nachvollziehbar.
Fazit
Gut gelaunte Komödie mit sympathischen Darstellern. Der Aufbau mag Geschmackssache sein, die allgegenwärtige Erzählstimme ein bisschen nervig, aber größenteils darf man locker lachen und ist nicht um seine Zeit betrogen.
7/10