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Bridget Jones (René Zellweger) lebt den genuin für männlich gehaltenen Traum von der Jungfrau und der Hure: Vermeintlich für ein Dasein als alte Spindel vorbestimmt, muss sie sich plötzlich zwischen dem sensiblen, aber langweiligen Staranwalt (Colin Firth) und der chauvinistischen "Sexbombe" (Hugh Grant) entscheiden. Und obwohl die tollpatschige und - zumindest für Hollywood-Verhältnisse -pummelige Bridget von einem Fettnäpfchen in das nächstgrößere stolpert, ist sie diejenige, um die sich die Männerwelt letztendlich prügeln muss.

Aber keine Bange, "Schokolade zum Frühstück" ist kein verspäteter Beitrag zum emanzipatorischen Frauenfilm, der in den 60er und 70er durchaus seine längst überfällige Daseinberechtigung erhalten hat. Die Herren der Schöpfung, die diesen Streifen noch nicht gesehen haben, dürfen also aufatmen. Denn Bridget Jones' Tagebucherzählung ist vielmehr ein modernes Märchen à la "Pretty Women", in dem eine Außenseiterin zu ihrem großen Glück findet. Ihre Suche erweist sich allerdings als äußerst kompliziert - sehr zur (Schaden-)Freude des Publikums. Der weibliche Anhang wird zwar weitaus mehr idenfikatorische Berührungspunkte mit dem Gesehenen verknüpfen können, die Alpha-Tiere dieser Welt dürfen aber gerne mitschmunzeln. Schließlich endet dieser selbstironische Geschlechter-Clash mit einem Unentschieden: Titelheldin Bridget mag ihr Ziel erreicht haben, doch zum gemeinsamen Glück gehören bekanntlich immer zwei Seiten. Demnach darf sich auch die Männerwelt von diesem "Frauenfilm" angesprochen fühlen.

Insofern bietet der Film gelungene Unterhaltung für die gesamte Familie ab zwölf Jahren. Bedeutenden Anteil daran haben die die liebevoll skizzierten Figuren und der ebenso liebevoll zusammengestellte Cast. René Zelllweger möchte man die Rolle des hässlichen Entleins zwar nicht ganz abnehmen, dennoch beweist sie großes komödiantisches Talent. Hugh Grant gehört daneben ja schon fast zur Standardinventar einer erfolgreichen Romantic Comedy und läuft mal wieder zur Hochform auf. Sein Schubladen-Image wird er allerdings wohl nur noch mit Mühe los. Colin Firth mit seiner Gesichtslähmung ist sicherlich das schwächste Glied dieses Beziehungstriumvirates, das selbst gegen einige Nebenrollen, wie die von Bridgets Vater oder ihrem Vorgesetzten, der gemeinhin als "Titten-Herbert" bekannt ist, abstinkt. Im Endeffekt passt sein Auftritt aber voll ins Bild.

Fazit: "Schokolade zum Frühstück" ist eine sympathische Komödie, die am dümmlich-plumpen Image des romantischen Films kratzt, es schlussendlich aber nicht ganz aufbrechen kann. Denn das Happyend mag zwar für ein wohliges Gefühl sorgen, kommt für neutrale Betrachter gleichwohl äußerst unmotiviert daher. Wer jedoch den idealen Film für das erste Date sucht, ist mit Bridget Jones ganz gut beraten. (7/10)

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