Tagebuch von Bridget Jones....Entschuldigung...Tagebuch von Moonshade ÜBER Bridget Jones.
28.August 2001
Gestern mit Freundin in Bridget Jones gewesen. Nach all den Vorschußlorbeeren mit Vorfreude an den Film herangegangen. Im Kino waren zwei Drittel des Publikums weiblich, wovor haben Männer bei einem solchen Film eigentlich Angst?
Dabei geht es doch nur um einen weiblichen Single, der sich selbst und sein Liebesleben im neuen Jahr mit guten Vorsätzen umkrempeln will, dies aber nicht richtig hinbekommt.
Die Story dürfte doch bekannt sein, die deutschen TV-Sender schmeißen uns doch zu mit sogenannten "großen TV-Movies", die alle ein ähnliches Thema haben.
Gesamteindruck ist positiv, im Kino reichlich lautes Gelächter, der Film ist tatsächlich extrem witzig. Liegt vermutlich daran, daß er in England gemacht wurde, der berühmte britische Humor fliegt einem ständig um die Ohren.
Liegt wohl aber auch an der Besetzung. Renee Zellweger sieht schön aufgedunsen aus und hat sichtlich Spaß an der Rolle, die mit reichlich pointiertem inneren Monolog gepfeffert ist und sonst aus einer endlosen Reihe peinlicher und amouröser Szenen besteht. Böser Humor in großer Menge. Muß sich dazu durch viele Kostüme quälen.
Hugh Grant kann ja erwiesenermaßen gar nicht schauspielern, tut dies aber auch hier wieder bravourös. Als komplettes Machoarschloch, das sich hinter einer charmant-witzigen Fassade versteckt, bietet er etwas Abwechslung. Hat einige der besten Dialoge, vor allem sein dreckiger Keats-Limerick ist ein Hammer.
Colin Firth kommt gut als britische Ausgabe von Frasier Crane, staubtrocken und scheinbar total fade, dann aber immer besser werdend.
Nebendarsteller en gros und en masse und very british, seien es jetzt Bridgets beste Freunde, ihre Arbeitskollegen oder ihre durchgeknallte Familie. Wunderbar ausgesucht.
Erinnert jedoch an eine Kopie des Schemas aus "Vier Hochzeiten..." und "Notting Hill", ist hier zumindest aber besser als bei letzterem. Allerdings bleibt einem kaum ein Gesicht im Gedächtnis, sind auch zu viele kurze Auftritte.
Muß jedoch auch meckern. Story ist papierdünn und kann in einem Satz zusammengefaßt werden (nicht erstrebenswert). Erinnert leider thematisch an Hera Lind und Konsorten, es wird also nichts neues geboten und der Rest ist auch noch ein einziges Klischee.
Wird jedoch durch permanente witzige Einlagen zeitweise unkenntlich gemacht. Versinkt auch nicht total in romantischen Einlagen, die durch herbe Wortwahl eh kontrakariert werden, Flüche und sexuelle Anspielungen ohne Ende.
Optisch geradezu eine Patchworkdecke - eine unendliche Anzahl von kurzen, intensiv dramatischen oder komischen Szenen - gönnt einem kaum eine Pause und darf dies auch nicht, da sonst die Mängel der Story auffallen würden. Besonders gelungen Zellwegers Gesänge zwischendurch und die Schlägereiszene zwischen Firth und Grant.
Trotzdem hat man das alles irgendwo schon mal gesehen, wenn auch bedeutend schlechter.
Ist deswegen aber keine Offenbarung im komödiantischen Filmsinn, zu der es immer gemacht werden soll. Zwar treffsicher, sättigt aber nicht wirklich nachhaltig.
Hinterher zufrieden gewesen, angemessen unterhalten worden, viel gelacht, einige schöne Szenen im Gedächtnis geblieben. Bin leider kein Single mehr, sonst könnte ich mich jetzt ungebremst getröstet fühlen. Wird ein herrlicher für alle Pärchen, die sich mal wieder einen Film ins Regal stellen wollen. Kann sogar mit Freund betrachtet werden, der genug findet, um das Autowaschen warten zu lassen.
Im Anschluß gleich nach Hause gefahren und keine tieferen Gedanken mehr über den Film gemacht. War irgendwie nicht möglich, nötig. Schön so, wie es ist.
Nur noch Note ausgesucht: 7/10.