Im Original trägt der Film den Titel von Chandlers Roman "The Long Goodbye" und so kann dieser Film auch als Abschied vom generellen Bild des hard-boiled-Detektiv gesehen werden, daß in den Romanen und von Bogart und Konsorten während der Schwarzen Serie geprägt worden war.
Altmans Film ist ein Experiment, wenn es auch gleichzeitig ein unterhaltsamer Krimi ist. Doch Anspruch und Umsetzung sind hier mehr als diskutabel, weswegen die Zugänglichkeit seitens der Zuschauer auch mehr als erschwert wird.
Das Drehbuch von Leigh Brackett postuliert eine Versetzung Marlowes aus den 30/40ern in die (damaligen) 70er Jahre. Marlowe ist nicht mehr der superharte, wortkarge Schweiger, sondern ein totaler Außenseiter und Verlierer, der nicht mehr zur modernen Welt passen will.
Goulds Marlowe trägt immer nur ein- und denselben Anzug, dasselbe Hemd, fährt einen altertümlichen Wagen, raucht als einziger und führt halbironische Selbstgespräche. Wirkliche Agressivität ist ihm fern, eher strahlt er etwas schusselige Coolness aus. Das wirkt zwar einerseits unterhaltsam, andererseits will man sich als Marlowe-Kenner auf so etwas nicht einlassen.
Darüber hinaus bleibt die Frage, was es bringt, einen Charakter sowohl eins zu eins um dreißig Jahre in die Gegenwart zu schicken, ihn gleichzeitig aber auch aufzuweichen und abzuändern.
Inhaltlich hat man den Roman weitestgehend entkompliziert, die Storyline schwelgt zwar in flotten Bildern, ist bisweilen aber so simpel gestrickt, daß man sich über die fast zwei Stunden Lauflänge wundert. Allerdings frönt Altman hier auch seinem Faible für kleine Extras, wie reichlich ausführlich präsentierte unwichtige Nebenfiguren, wie die bei Gould nebenan wohnende Nackt-Yoga-Kolonie, einer überlangen unwichtigen Szene in einer Nervenklinik und einem schwatzhaften Mithäftling Marlowes, den, fast unkenntlich, David Carradine gibt.
Ist die Figurenkonstellation schon recht einfach gestrickt, so sind die Regie- und Bucheinfälle sonst geradezu bizarr. Besonders der Gangster Augustine, ein Jude mit einem irisch-, italienisch-, arabisch- und österreichischen (hier glänzt in einer stummen Rolle in einer Zwei-Minuten-Szene ein geradezu taufrischer Arnold Schwarzenegger als muskelbepackter Heavy mit ekligem Oberlippenbart) Schlägertrupp, der sich vor Gould mitsamt seinen Leuten entkleidet, wirkt in dieser Szenerie geradezu bizarr.
Außerordentlich geschickt konstruiert ist die Parallele mit Marlowe's Katze zu Beginn, die ein Gleichnis zu seiner eigenen Situation den Film über darstellt. Solch brilliante und eingängige Einfälle gehen dem Film aber sonst ab. Altmans Regie glänzt mit interessanten Bildern, nützt sich aber auf Filmintegritätsebene schnell ab. Leider will auch zu keinem Zeitpunkt Spannung aufkommen, wenn man von der Lösung des Fall im Ganzen mal absieht.
Gould an sich ist schön schlampig gecastet und führt angenehm durch den Film, in dem sonst nur noch Sterling Hayden in einer späten Rolle als Hemingway-Verschnitt über längere Distanz auffällt.
Für Fans der althergebrachten Detektivfilme wird dieser Film eher ärgerlich, zumindestens aber verwirrend bleiben, weswegen er auch an der Kasse floppte. Das ist meiner Meinung nach der unzusammenhängenden Modernisierung des Stoffes anzulasten, eine interessante, aber sehr uneinheitliche Mischung zum Erfahren, nicht zum Genießen.
Klare Geschmackssache - eine echte Schwarze-Serien-Mutation. (6/10)