Die goldenen 1930er. Dracula und Frankenstein's Monster hatten in der ersten großen Horrorwelle von Universal bereits Fuß gefasst, Originalverfilmungen und Sequels waren gefragt, Bela Lugosi und Boris Karloff nicht mehr wegzudenken. "Die Mumie", "Frankensteins Braut", Draculas Tochter", "Black Cat", "The Raven" - großartige Klassiker, bemerkenswerte Fortsetzungen. Vergleichsweise ruhig war es um "The Invisible Man", Anno '33, Claude Rains Einstand in der Horrorszene. Die tricktechnisch mehr als bemerkenswerte Verfilmung des Buches von H. G. Wells machte alles richtig, ging aber etwas unter zwischen eben genannten Blockbustern. So dauerte es dann auch sieben Jahre, bis man sich entschied, eine gescheite Fortsetzung aus dem Ärmel zu schütteln: The Invisible Man Returns.
Um gleich etwaiges Stirnrunzeln zu dämmen: Claude Rains kehrt natürlich nicht als Unsichtbarer zurück, ist er doch im Original nach mehreren Schüssen gestorben. "The Invisible Man Returns" kann auch nur indirekt als Fortsetzung, gar Weiterführung des bisher Erzählten gesehen werden, viel mehr handelt es sich hier um eine Art Reboot, eine Neuerzählung mit anderen Aspekten. John Sutton spielt Dr. Frank Griffin, niemand geringeres als der Bruder des unsichtbaren Griffins aus dem Original. Der macht sich Sorgen um seinen alten Kumpel Geoffrey, der vermeintlich schuldig im Gefängnis sitzt und auf seine Todesstrafe wartet. Griffin verabreicht dem Todgeweihten das berühmte Serum - Geoffrey entkleidet sich, ist für das menschliche Auge nicht mehr sichtbar und entkommt. Er sucht den eigentlichen Mörder, dessen Schuld er tragen muss.
Claude Rains, der erste Griffin, wird nur via Passfoto und Akte erwähnt, sonst erzählt der Film eine eigene Story, ohne sich dabei groß in neue Gefilde zu wagen. Tatsächlich spult das Sequel nur die Highlights des Vorgängers ab - der Unsichtbare trifft auf die Polizei, allgemeine Panik, Flucht, Rache an alten Penigern, Welteroberungspläne. Die goldene Nase für neue Ideen hat sich das Autorentrio wahrlich nicht verdient, zudem beschränken sich die 1933 bahnbrechenden Tricks auf einen immer noch spektakulären, aber tatsächlich etwas langweiligen Standard, der kaum mit neuen Seherlebnissen zu punkten weiß. Lediglich die Flucht- und Jagdszene im Regen und mit Zigarettenqualm verdient die Höchstnote - das eindeutige Highlight des ganzen Werkes, das nicht mehr übertroffen werden kann.
Eindeutiger Glücksfall: Vincent Price. Der damals knapp 30-Jährige Theaterschauspieler, hier in einer frühen Filmrolle zu sehen (oder eher zu hören) überzeugt mit seiner markanten Aussprache und kann sich ohne Zweifel mit Claude Rains Stimmgewalt messen. Price hält den Film am Leben. Wo die Nebendarsteller, allen voran John Sutton und Nan Grey als Verlobte Griffins, nur den Autopiloten einschalten und keine bemerkenswerte Leistung zu Tage fördern, reißt Price selbst mit Bandagen um den Kopf die Szenen an sich, gestikuliert stets und bleibt in Erinnerung. Einzig sein Gegenspieler Cedrick Hardwicke als Mörder und Schurke kann eine ähnlich intensive Darstellung abliefern. Tatsächlich ist es auch Hardwicke, der für die einzige Leiche des Films sorgt, nicht etwa der Unsichtbare.
Genau hier drückt der Schuh nämlich. Die Story hätte das Potenzial, ein verzwickt-geschickter Krimi zu werden. Das Serum, das den unangenehmen Nebeneffekt hat, seine Patienten schrittweise wahnsinnig zu machen, könnte bei einer Person, die immerhin des Mordes beschuldigt ist, interessante Züge offenbaren. Stattdessen ist schon relativ früh klar, dass Price' Charakater tatsächlich unschuldig hinter Gittern gesessen hat, ergo keine Spielereien mit seinem Charakter und der Geschichte möglich sind und sich der "Ich-werde-wahnsinnig"-Faden auf eine einzige Szene beschränkt, die auch nicht weiter wichtig ist. Tatsächlich schafft es Price, den eigentlichen Mörder zu stellen, scheint trotz der anhaltenden Unsichtbarkeit wieder völlig normal zu sein, ohne jede Wahnvorstellung seiner Selbst, und wird dank späterer Bluttransfuion zum Happy End hin sichtbar - genau wie Rains im Vorgänger, Price darf allerdings mit seiner Herzensdame im Arm überleben. Schmacht.
Letztlich ist "The Invisible Man Returns" an sich kein schlechter Film - es ist eine uninspirierte Fortsetzung, die sich absolut nichts traut und sorgsam den alten Pfad abklappert. Man wartet auf eine Neuerung und kriegt sie nicht. Mit knapp siebzig Minuten ist trotzdem ein unterhaltsamer Streifen gelungen, hier und da etwas dialoglastig, mit den bewährten Effekten (die leider etwas schwächer geraten sind, tatsächlich sieht man bei einigen vermeintlich fliegenden Objekten den Hintergrund durchscheinen) und einem großartigen Vincent Price, der den Inbegriff des Films bietet. Für einen nebelverhangenden Sonntagabend genau das richtige - auch wenn man mit dem Original besser bedient ist.