Review

Erotische Episodenfilme stoßen bei mir auf großes Interesse. Einer der besten Vertreter dieser Zunft ist meines Erachtens "Contes immoraux" von Walerian Borowczyk. Die Anmerkung "collezione Sex&Violence" auf der italienischen Videokassette von "La Bella e la Bestia" ermöglicht es dem Zuschauer eine gewisse Vorahnung in Bezug auf den Film zu entwickeln. Zumindest sollte dies der Fall sein; in der Realität sieht alles selbstverständlich anders aus. Denn dieses Werk von Luigi Russo enthält weder gelungene Erotikszenen noch explizite Gewaltdarstellungen in irgendeiner Form.

"La Bella e la Bestia" präsentiert vier unterschiedliche Erotikgeschichten, die sich unter anderem mit Sado-Masochismus und Voyeurismus auseinandersetzen. Für kurze Zeit musste ich während der zweiten Episode den Atem anhalten, als eine splitternackte Frau in einen Stall -zusammen mit einem Hengst und zwei Hunden- gesperrt wurde. Es folgten diverse Zwischenschnitte auf die Genitalien der Tiere und ich machte mich auf die schlimmste Ausartung gefasst. Gott sei dank passierte nichts, die Frau grinste am Ende der Episode nur dumm in die Kamera, um ihre angebliche Verrücktheit zum Ausdruck zu bringen. Ich glaube, dass diese kurze Beschreibung einen relativ guten Eindruck über das Niveau von "La Bella e la Bestia" vermittelt.

Auch die übrigen Episoden strotzen nur so vor nicht relevanten Inhalten. Richtig grausam finde ich jedoch, dass der oben genannte Film von Walerian Borowczyk rücksichtslos kopiert wird. Diese Entwicklung geht so weit, dass einzelne markante Einstellungen 1:1 übernommen wurden. Beispielsweise sieht man an einer Stelle die typische Nahaufnahme der Lippen und die folgenden Bewegungen der Finger.

Aus technischer Hinsicht kann man den Film durchaus als gelungen betrachten, denn die unspektakuläre Kameraarbeit bewegt sich im gesunden Mittelmaß und ein schöner Score ist ebenfalls vorhanden. Doch diese kurzen Lichtblicke können über die eklatanten Probleme nicht hinwegtäuschen. Denn der Film versäumt es einfach eine erotische Atmosphäre aufzubauen oder besonders explizit zu werden (was in diesem Fall vielleicht besser ist), sodass er sich aus der Masse der Softsex-Filme nicht hervorheben kann.

So bekommt der Zuschauer letztendlich einen unspektakulären Film zu sehen, der die Erwartungen von Genrekennern nicht befriedigen kann und schon gar nicht mit philosophischen oder reflexiven Inhalten überzeugt.

In diesem Fall muss ich abraten.
3/10

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