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„Der Wolfsmensch“ von 1941 ist DER klassiche Werwolffilm. Alle weiteren Fortsetzungen, Remakes oder Interpretationen dieser Geschichte orientieren sich an diesem Klassiker des Horrorfilms. Dabei war „Der Wolfsmensch“ nur eines der klassischen Monster, mit denen sich das Filmstudio Universal zu dieser Zeit einen Namen machte. Es gab da noch Dracula, Frankenstein, Die Mumie und andere dunkle Gestalten, die in unzähligen Filmen mitwirkten und die Zuschauer von damals in Angst und Schrecken versetzten.

Heutzutage sind die Zuschauer natürlich viel abgebrühter. In Zeiten von Kettensägen, Splatterfilmen und wesentlich furchteinflößenden Filmmonstern, wie Jason Vorhees oder Leatherface schockiert ein Werwolf die Zuschauer nur noch sehr bedingt. Nichtsdestotrotz haben diese Filme einen besonderen Charme und verströmen den ein oder anderen Schauer und eine Art „gothisches Flair“. Sehenswert sind sie sowieso. „Der Wolfsmensch“ macht da keine Ausnahme, vor allem, da er alle diese beschriebenen Merkmale auf sich vereint. Neblige Friedhöfe, geheimnisvolle Zigeuner, einen unglaublichen Soundtrack und eine für damalige Verhältnisse sensationelle Maske zeichenen diesen Film aus und machen ihn zudem zeitlos. Die beschriebenen Trademarks erschaffen eine stimmige Atmosphäre, wie es sie in heutigen Horrorfilmen überhaupt nicht mehr gibt. Zudem wird die tragische Figur des Larry Talbot und des Wolfes von Lon Chaney jr. verkörpert, der wohl der bekannteste Darsteller des „Wolf Man“ aller Zeiten ist. In den zahlreichen Fortsetzungen, die nach diesem Klassiker gedreht wurden, aber auch in den „Bud Abbott & Lou Costello“-Parodien war er der Werwolf. Der Schauspieler mit den markanten Gesichtszügen ist der einzige der klassischen Universal-Monsterdarsteller, der die Figur des Wolfmenschen über mehrere Filme hinweg spielte. Karloff oder Lugosi spielten ihre weltbekannten Rollen viel seltener. In „Der Wolfsmensch“ hat Chaney jr. die Möglichkeit einen großen Teil des Films ohne Maske zu spielen, denn der Werwolf taucht erst im letzten Filmdrittel auf. Insofern ist die Rolle des Talbot ein durchaus anspruchsvoller Charakter, was für die damaligen Horrorfilme keine Selbstverständlichkeit war. In den Szenen, in denen der Wolfmensch letztendlich auf der Leinwand zu sehen war, konnten die Zuschauer eine beeindruckende Maske bestaunen, die dem Schauspieler dennoch genügend Möglichkeiten zum Schauspielern gab. Insofern steht der Charakter des Wolfsmenschen dem des „Dracula“ näher, als dem von „Frankensteins Monster“. Die eigentliche Verwandlung vom Menschen in das Monster wurde aber nur angedeutet. Dies liegt zum Einen an der beschränkten Technik von damals, doch zum Anderen lehnten die Studiobosse zu drastische und eindeutige Szenen ab, aus Angst, die Zuschauer damit zu sehr zu erschrecken. Wie sich die Zeiten ändern... Heutzutage werden immer neue Tricks gesucht, damit man dem Zuschauer überhaupt noch ein Zucken im Kinosessel abringen kann.

Zudem ist der Auftritt von Bela Lugosi in „Der Wolfsmensch“ bemerkenswert. Der einstige Superstar des Studios und Darsteller des Grafen Dracula taucht hier als Zigeuner Bela (sic!) auf, der Chaney jr. erst mit dem „Werwolfgen“ infiziert. Er ist allerdings nur für ca. 5 Minuten zu sehen. Insofern war sein Stern am Filmhimmel wohl schon damals am untergehen. Wer Tim Burtons „Ed Wood” gesehen hat, kann sich einigermaßen vorstellen, in welche Richtung sich Lugosis Karriere entwickelte.

Alles in allem ist „Der Wolfsmensch“ ein absoluter Klassiker und über jeden Zweifel erhaben, auch wenn er sicherlich nicht mehr die gleiche Wirkung auf den Zuschauer hat, wie bei Erscheinen. Wer allerdings in die einzigartige Atmosphäre eines Gruselklassikers eintauchen möchte, ist bei „Der Wolfsmensch“ goldrichtig, auch wenn es verhältnismäßig wenig Wolf zu sehen gibt.

Fazit:

9/10

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