Billy Wilder gehört zweifelsohne zu den Regisseuren, die Hollywood geprägt haben. Ob Komödie, Drama, Krimi, Wilders Filme gehören zu den besten der jeweiligen Genre und sie stehen in der Gunst mehrerer Generationen. Dazu gehört ebenfalls, dass er viele Stars für seine Filme gewinnen konnte. In „Zeugin der Anklage“ treffen Marlene Dietrich, Tyrone Power und Charles Laughton aufeinander und hinterlassen einen Eindruck, den man so schnell nicht vergessen wird:
Der Film basiert auf dem Stück von Agatha Christie und handelt von dem Rechtsanwalt Sir Wilfrid (Charles Laughton), der nach einem Herzinfarkt eigentlich keine aufwendigen Fälle mehr übernehmen darf. Dafür soll die Krankenschwester Miss Plimsoll sorgen, die ihm auf Schritt und Tritt folgt und mit Argusaugen aufpasst. Als sich jedoch ein guter Freund und Kollege mit einem schwierigen Fall an ihn wendet, kann er sich nicht mehr zurückhalten und übernimmt die Verteidigung für den sympathischen Gentleman Leonard Vole (Tyrone Power). Dieser wird beschuldigt eine Witwe ermordert zu haben, um ihr Erbe zu bekommen. Das Verfahren verläuft zuerst ganz positiv und Sir Wilfrid hat auch eine Taktik, wie er die Unschuld seines Mandanten beweisen kann. Doch dann tritt Christine Helm, Leonards Ehefrau, (Marlene Dietrich) als Zeugin der Anklage in den Zeugenstand und verrät, dass ihr Mann den Mord begangen hätte und sie eine falsche Aussage gemacht hätte und das ihre Ehe nicht rechtmäßig sei, da sie bereits in Deutschland verheiratet gewesen war und ihn nur ausgenutzt habe, um nach England mitkommen zu können. Die Verteidigung fällt aus allen Wolken und der Prozess scheint schon verloren, als sich eine Fremde in der Kanzlei meldet und berichtet, dass sie unterlagen besäße, die beweisen könnten, dass Frau Helm eine Lügnerin sei...
Es ist nicht ganz leicht den Plot wiederzugeben ohne zu viel zu verraten, da er teilweise doch ziemlich komplex ist. Dies soll aber nicht bedeuten, dass der Film kompliziert oder verwirrend sei. Ganz im Gegenteil. Wilder ist es wunderbar gelungen den Film zu erzählen. Man beginnt locker und leicht bei Sir Wilfrid, wird in sein Leben eingeführt, begleitet ihn. Dann tritt Leonard Vole aufs Parkett und man bekommt in Rückblenden die näheren Umstände erzählt. Man merkt, wie der Film langsam Fahrt aufnimmt, wie man sich mit den Charakteren anfreundet und dann tritt Marlene Dietrich aufs Parkett: kühl, unberechenbar. Ihr Charakter hinterlässt ein mulmiges Gefühl bei den Zuschauern. Je länger man dann dem Prozess folgt, je näher das Ende rückt, desto mehr steigt in einem das Verlangen zu erfahren, wer denn nun der Mörder war. Aufgelöst wird der Film dann in einem fulminanten Finale, dass dramatischer nicht hätte ausfallen können, ohne jedoch übertrieben zu wirken oder ins Kitschige abzurutschen. Es ist zum Einen die Story, die diesen Film so fesselnd macht: Die Spannung wird kontinuierlich aufgebaut, es gibt nahezu keine für den Verlauf unnötigen Passagen, sodass ein Gefühl von Langeweile in keiner Minute aufkommt. Alle Informationen, die wir für den Verlauf des Filmes benötigen, bekommen wir geliefert. Nichtsdestotrotz bleibt genügend Zeit auch auf Details zu achten, die sorgsam in den Film eingearbeitet wurden. Manche davon sind nämlich im späteren Verlauf, von nicht zu unterschätzender Wichtigkeit. Obwohl es sich hierbei um ein Kriminalstück handelt, wurde nicht wie bei anderen Genrevertretern der Fehler gemacht, sich stur und trocken auf diesen einen Aspekt zu konzentrieren. In „Zeugin der Anklage“ wird vielmehr der Spagat zwischen Krimi und Komödie vollbracht, sodass das Publikum auch Zeit zum Verschnaufen, Aufheitern hat, während es den spannungsgeladenen Atem des Filmes trotzdem weiter spürt.
Dazu tragen vor allem die Schauspieler bei, welche bei einem Kammerspiel, wie es dieser Film ist, die wohl wichtigste Rolle spielen.
Besonders Marlene Dietrich gibt hier eine Person ab, deren Eiseskälte und Durchtriebenheit dem Zuschauer das Wasser den Rücken herunter laufen lassen. Sobald sie den Raum betritt versprüht sie eine Atmosphäre, die nichts Gutes ahnen lässt.
Tyrone Power hingegen scheint zu Beginn eher ein Sunnyboy zu sein, entwickelt sich jedoch im Laufe des Filmes immer weiter, bis er dann am Ende um seine Unschuld fleht, ihm gegenüber die Dietrich, und dazwischen der Zuschauer, der nicht wirklich weiß, wem er glauben kann und wem nicht.
Doch ein Mann schafft es diesen beiden Spitzenstars die Show zu stehlen: Charles Laughton.
Schon zu Beginn kann er den Zuschauer durch seine Art für sich gewinnen. Immer einen guten Spruch auf den Lippen flaumt er mal seine Krankenschwester an, weist den Staatsanwalt in seine Schranken oder demontiert Belastungszeugen. Es macht einfach Spaß ihn zu beobachten und er kreiert ein Bild von einem Anwalt, wie man es nicht so schnell vergessen kann.
Es ist teilweise etwas schwer, das in Worte zu fassen, was diesen Film zu dem macht, was er ist: ein Glanzstück Hollywoods aus seinen besten Tagen. Jeder Filmfreund wird an diesem Film seine helle Freude haben, mitlachen und mitzittern und wenn sich der Film dann dem Ende neigt, wird ihm die Sonne im Herzen aufgehen und all die schlechten Mainstreamgurken heutiger Zeit werden für einen Augenblick vergessen. Volle Punktzahl (10/10).