Enzo G. Castellaris später Italo-Western „Keoma“ ist eine rasante Mischung aus vielen erfolgreichen Western. So findet man Sergio Leone typische Szenen in denen die Zeit quasi stillzustehen scheint oder auch solche, in denen der Dialog nur auf das nötigste beschränkt ist. Gewaltszenen werden in Sam Peckinpah Manier in Zeitlupe dargestellt, um die Gewalt eindeutig hervorzuheben. Natürlich hat der Film das für dieses Genre gewohnte Rachemotiv.
Das Halbblut Keoma kommt noch dem Bürgerkrieg in seinen Heimatort zurück. Das Dorf wurde von den Pocken und Cholera heimgesucht und ehemalige Soldaten versuchen die Kranken in eine Mine zu pferchen um sie zugrunde gehen zu lassen. Außerdem terrorisieren sie die übrigen Leute im Dorf. Zusammen mit George, einem schwarzen Sklaven dem die Freiheit geschenkt wurde, der aber bedingt durch seine Hautfarbe nicht respektiert wird und deshalb trinkt, stellt sich Keoma den Gangstern.
Mit Franco Nero (“Django” u.a.) und Woody Strode (“Spiel mir das Lied vom Tod”) durchaus gut besetzt. Besonders freute es mich Riccardo Pizzuti, der in vielen Bud Spencer und Terence Hill Filmen mitgespielt hat, in einer Nebenrolle als Gunman an der Seite des Gangsterbosses Caldwell zu sehen.
Eine Innovation des Film, neben den vielen bekannten, um nicht zu sagen geklauten, Elementen, war mit Sicherheit die depressive Stimmung, die der Film vermittelt. Nicht ganz unbeteiligt daran war wohl der Soundtrack. Eine Ballade, in der sich der Gesang einer Frau und eines Mannes abwechselt. Der Text des Liedes erzählt in Bruchteilen das Geschehen, was man im Film dargeboten bekommt.
Ansonsten lebt der Film von dem Kontrast der düsteren, staubigen Stadt über der andauernd ein Wind zieht und den weiten, grünen Steppen, durch die Keoma oft reitet.
Neben der Haupthandlung wird auch über das Verhältnis von Keoma, seinen drei Halbbrüdern und dessen Vater erzählt, welches am Ende gekonnt in die Handlung verwoben ist.
„Keoma“ bietet Altes und Neues und fesselt so den Zuschauer von der ersten Minute an. Störend finde ich nur die Verwandlung Keomas. Anfangs cool mit Mantel und Hut wirkt er gegen Ende mit Bandana, Schlaghose und knapper Weste eher zwangsweise komisch. Aber schwamm drüber. Über die alte Frau und ihre Funktion in dem Film lässt sich streiten. Eigentlich passt sie gut in den Film hinein, allerdings wirkt er dadurch stellenweise unrealistisch. Trotzdem ist „Keoma“ eine Perle und verdient 8 von 10 Punkten.