Der Halbindianer Keoma (Franco Nero) taucht Jahre nach seinem Verschwinden wieder in seiner alte Heimatstadt auf, die nicht nur vom Bürgerkrieg und marodierenden Ex-Soldaten verwüstet ist/wird, sondern auch von den Pocken heimgesucht wird. Keoma versucht nun, mit Hilfe seines Vaters und eines versoffenen alten Freundes (Woody Strode), den Banditen und der Seuche Herr zu werden. Dabei begleicht er noch ein paar offene Rechnungen aus seiner Vergangenheit.
An sich mag ich Italo-Western sehr gerne, habe selbst zahlreiche auf DVD und nicht nur die berühmtesten Sergio Leone-Filme, sondern auch unbekanntere von Fernando Baldi oder Mario Caiano. Aber Enzo G.Castellaris Spätwestern von 1976 war nahezu die Karikatur eines Italo-Westerns. Die dröhnende Erlösersymbolik, die drittklassigen Anspielungen auf Sam Peckinpah mit dem Zeitlupenfall der Stuntmen, der unerträglich pathetische Soundtrack mit einem Sänger, der zuvor definitiv noch nie Englisch gesprochen oder gesungen hat, die unsympathische Hauptfigur, die billigen Kulissen, die pathetischen "Dialoge", der permanente Windmaschineneinsatz, um Endzeitstimmung zu kreieren, kurzum: ich war geradezu frustriert ob dieses Flops.
Immerhin: der Film ist auf einem sehr geringen, fast trashigen Level durchaus unterhaltsam, aber dies täuscht nicht darüber hinweg, wie sehr dieser Film ein unnötiger Nachzügler war. Beim Sehen des Films musst e ich voll Wehmut an Meisterwerke von Sergio Sollima oder kleine Genreperlen wie "Blind Man" oder "Töte, Django" denken. Lichtjahre besser als dieser bizarre Versuch einer Genre-Reanimation, die den Kern des Scheiterns schon direkt in sich trug.
Ich kann die oft positiven Reviews des Films gar nicht verstehen - vielleicht sehe ich auch nur den Wald vor lauter Bäumen nicht. und z. B. nicht Keomas geradezu alttestamentarische Entschlossenheit, habe mich zu sehr von Franco Neros Perücke, seiner blanken Brust oder von Woody Strodes verstörenden Gekreische, als er in die ewige Jagdgründe eilt, irritieren lassen. Was für eine filmische Granate...