Review

Als das Halbblut Keoma nach dem Bürgerkrieg in seine Heimat zurückkehrt, muss er feststellen, dass das Land von einer Pockenseuche heimgesucht wurde. Überall türmen sich Leichenberge, viele Menschen haben sich angesteckt. Doch damit nicht genug: In seinem Dorf hat der miese Gangster Caldwell das Kommando übernommen und terrorisiert mit einer Bande von Ex-Soldaten die Einwohner. Unterstützt wird er dabei ausgerechnet von Keomas Stiefbrüdern. Mit Hilfe des ehema-ligen Sklaven George will Keoma der Terrorherrschaft ein Ende setzen. Ein blutiger Kampf beginnt.

Als Keoma entstand, war die große Welle der Spaghetti Western eigentlich schon beinahe abgeebbt. Um so erstaunlicher, das Enzo Castellari mit seinem Spätwerk noch einmal so eine Bombe zünden konnte.
Das zentrale Halbblut Keoma ist zwar ein Mann der wenigen Worte und kargen Sprüche, aber andererseits auch nicht wie in vielen Beiträgen im Genre der unbesiegbare Einzelheld. Er darf auch Schwächen zeigen und kommt eigentlich nur durch für ihn selbst unerwartete Beschützerinstinkte in die ganze Bredouille hinein. Franco Nero sieht dabei mit seiner Bombenlegerfrisur alles andere aus, wie man sich den Beschützer der Witwen und Waisen im wilden Westen vorstellt. Ebenfalls mit den gängigen Klischees gebrochen wird auch dadurch, das er den eigentlichen Schurken nicht selbst erledigt und dadurch den Tag rettet, sondern das erst damit der eigentliche Showdown eingeleitet wird. Gute und ungewöhnliche Ideen finden sich hier jedenfalls genug.
Dasselbe gilt auch für die handwerklichen Aspekte. Die kamera fängt die Szenerie gut ein und sorgt für angemessen staubige Westernatmosphäre. Es wird viel geschossen und geballert und das fröhliche sterben wird sogar oft in Zeitlupe festgehalten, das gibt dem Geschehen eine passende dreckige Optik. Erste Sahne sind auch die schmissigen Songs, die zum einen den handlungsverlauf unterstreichen, andererseits aber auch absolut eingängig sind, muß echt mal schauen ob es hiervon einen Soundtreck gibt.
Eher nicht so ganz überzeugend fand ich da schon eher die Darsteller, gut das Keoma kaum eine Miene verzieht, steht mit Sicherheit auch so im Drehbuch, aber auch in den wenigen emotionalen Momenten, fand ich jeweiligen Beteiligten von der Leistung nur im Durchschnittsbereich. Andererseits, ich hätte den ganzen Film über geschworen, das da der junge Donald Sutherland mitspielt, wars dann aber doch nicht.
Bleibt ein sehr guter Spätwestern, der jedem der Cowboyfilmen etwas abgewinnen kann eigentlich ein Must see sein sollte. Viele Shootouts, ab und zu auch angenehm ruhige Momente, summa sumarum ein gute Mischung und gelungene Partitur des Todes.
8/10


Details
Ähnliche Filme