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Als einzigster Überlebender eines Massakers an seinem Indianerstamm wird Keoma vom Revolverhelden Shannon (William Berger) aufgezogen und muss unter dessen 3 eifersüchtigen Söhnen in seiner Kindheit ordentlich leiden. Jahre später kehrt er in seine Heimat zurück und stellt fest, dass seine 3 Stiefbrüder für den Gangster Caldwell arbeiten. Nebenbei versucht er die Schwangere Lisa zu schützen, welche von den Dorfbewohnern aufgrund der Pockenkrankheit geächtet wird.

Ein relativ später Italo-Western von Regisseur Enzo G. Castellari mit Onkel Django als langhaariger Bombenleger in der Hauptrolle. Franco Nero alias Keoma sieht hier aus wie Hippimax der Waldhüter mit Hengst-Haarpracht und Schlaghose.
"Keoma" ist irgendwie sauberer & gelackter als die meisten Italo-Western seiner Zeit. Keine schweißtriefenden Gesichter in Nahaufnahme, oder von ekeligen Bohneneintöpfen verschmierte Münder. Trotzdessen bietet Keoma extrem stilvolle Landschaftsaufnahmen sowie Top Darsteller. Olga Karlatos alias Lisa ist nicht nur optisch ein Leckerbissen und William Berger könnte vom Aussehen her sogar Francos echter Vater sein (Vielleicht ist er's auch, was weiß ich denn).
Das Bud Spencer & Terence Hill Dauer-Opfer Riccardo Pizzuti ist ebenfalls mit von der Partie und Franco Nero ist lässig wie eh und je. Nicht umsonst lautet der Alternativtitel "Coolman Keoma".

Regisseur Castellari setzt hier bei den Schießereien vermehrt auf Zeitlupe, was an Peckinpah's "The Wild Bunch" erinnert.
Was ich an den meisten Italo-Western, wie auch hier schmerzlich vermisse sind sichtbare Einschüsse. Genau einen blutigen Flinten-Shootout gibt es hier zu bestaunen, und das in den ersten 10 Minuten. Macht doch wohl keine Mühe mal so'n paar Plastiktütchen mit roter Farbe unter die Klamotten zu stecken, oder? Ansonsten killt Keoma bevorzugt mit Wurfmessern oder auch mal mit der Mistgabel.

Oft gibt es im Verlauf der Geschichte geschickt eingespielte Rückblenden in denen die Gegenwart sowie das damals Geschehene verschmelzen. Ein wenig Symbolik tritt auch zu Tage, in Form eine alten, ergrauten Dame die sich wie ein Geier immer da aufhält, wo soeben Leben ausgelöscht wurde beziehungsweise wo kein Leben mehr existiert. Allerdings ist sie wohl auch Keomas persönlicher Schutzengel.

Der Score besteht aus abwechselndem Frauen und Männergesang der das soeben Geschehene stets kommentiert. Das ist irgendwie etwas eigenartig aber weiß ansonsten zu gefallen. Der männliche Gesangspart ist in diesem Fall allerdings deutlich melodischer.

Der Bodycount ist recht gering im Gegensatz zu anderen Vertretern, aber besonders die letzte Schießerei im Dorf hat es in sich und ist actionreich abgefilmt worden.
Etwas peinlich wirkt hier allerdings die Szene in der Keomas Kumpel George (Woody Strode), ein Bär von einem Mann, angeschossen wird und daraufhin wie ein kleines Mädchen flennend seinem Henker an die Gurgel geht. Das nenne ich mal unfreiwillige Komik.

Alles in allem ist "Keoma" aber ein gelungener später Western-Flick dem es ein bisschen an dichtem Storyaufbau sowie an der Atmosphäre anderer Werke gemessen mangelt, der aber vieles mit seinen (unblutigen) Zeitlupen-Shootouts, den tollen Sets und Landschaftsaufnahmen, sowie den guten Darstellern wieder wett macht. Kann man gucken.

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