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Nicht nur von den jeweils gewählten Titeln Il ragazzo delle mani d'acciaio / The Kid with Iron Hands bzw. hierzulande Karate Rock her ist die Anlehnung an den vorherigen Erfolg von Il ragazzo dal kimono d'oro a.k.a. Karate Warrior offensichtlich, auch die Ausgangsidee, die gleichzeitige Verzögerung durch und die Steigerung vom Drangsal als auch letztlich das Aufbegehren mit Unterstützung eines Lehrmeisters sind deutlich vergleichbar bis hin zur Analogie. Geschrieben diesmal durch Olga Pehar, die anschließend mit Regisseur Fabrizio De Angelis auch für die für das Fernsehen gedrehten Karate Warrior 3, 4 und 5 (1991/92) verantwortlich war, wird hier im Grunde nur die Umgebung anders und damit auch die Problematik auf verschiedene Weise gesetzt, wobei die Unterschiede gleichzeitig Stärken und fast noch mehr Schwächen zum 'Original' darstellen, und der Verweis auf den ehemaligen Aspiranten der Inspiration, den Karate Kid (1984) eher noch größer als zuvor ist:

Als Kevin Foster [ Antonio Sabato Jr. ] von seinem Vater, dem Polizisten John Foster [ David Warbeck ] zwecks Erziehungsmaßnahmen dem ehemaligen Drill Instructor Billy [ Robert Chan ] in die Obhut übergeben wird, ahnt er von der folgenden Problematik noch nichts. In dem Küstenstädtchen fällt der Neuling auf wie ein bunter Hund, was nicht nur die verhuschte Nachbarstochter Conny [ Dorian D. Field ] mitsamt ihrer Promenadenmischung interessiert, sondern nach der Anmache an die Dorfschönheit Kim [ Natalie Hendrix ] auch deren eigentlichen Freund Jeff Hunter [ Andrew J. Parker ]. Jeff hat seine eigene Posse an Mitläufern, die alles für ihn tun, und er ist es gewohnt zu kriegen, was er will. Nachdem Kevin trotz Ratschlägen seines neuen Freundes Mortimer [ Timothy Smith ] weiterhin in sein Schussfeld hineinläuft, kommt es zu ersten Auseinandersetzungen, die Jeff, der lokale Karateguru problemlos auf seine Weise löst. Zum Glück hat Kevins Vermieter Billy auch eine stattliche Sammlung an Pokalen für gewonnene Turniere im Keller versteckt.

Wieder steht eine Ankunft in der ersten Szene des Filmes bereits, wird dem Zuschauer die Haupt- und Identifikationsperson des Folgenden bei seiner Reise und dem Eintreffen am zukünftigen Ort des Geschehens vorgestellt. Anders als zuvor, wo es per Flugzeug in ein gänzlich fremdes Land, vom sicheren Amerika aus in den Fernen Osten und die undurchschaubare Exotik mit seinen ganz eigenen Regeln und Gesetzen ging, wird hier nur der amerikanische Bundesstaat, von Oakland und Oregon überwunden und nicht gleich der Ozean überquert. Der Rest verhält sich im Grunde ähnlich wie bereits bekannt, wird aber in seinen Mitteln und so auch den Ergebnissen, sowohl materiell als auch formell immer eine Nummer abgeschwächt.

Während dort bereits früh die Bekanntschaft mit Taschenräubern und Schutzgeldeintreibern an der Tagesordnung stand, steht man sich hier nur den örtlichen Platzhirschen gegenüber, die ihre Ehre, oder das, was sie dafür halten, verteidigen wollen und das Mädchen und das Territorium für sich okkupieren. Der Neuling aus der 'Fremde', der auch noch unverschämt gut aussieht und schnell Aufmerksamkeit bei der Dorfjugend erregt, ist da natürlich unangebracht; vor allem auch deswegen, weil er als pubertierender Rüde mit Hormonen im Überfluss keiner Herausforderung aus dem Weg geht und sich mit seinem eigenen Selbstbewusstsein und dem Schniedel auf Pirsch nach Beute durch die Gegend schiebt.

Erinnern tut man in dieser Variante der Erzählung dabei trotz italienischer Herkunft des Drehteams an vielmehr amerikanische Werke der Achtziger, wie bereits in Die Kids von Orlando (1985), Teuflische Klasse (1986) oder die Young Streetfighters (1986) bzw. 3:15 - Die Stunde der Cobras (1986) gesehen. Im Kontrast dazu wird hier aber eher die weichgespülte Version und dies noch amerikanischer als die Amerikaner es selber können präsentiert, sich in einer Art ausufernden Rivalität der vermeintlichen Männlichkeit beschäftigt und sich in mehr oder minder sinnlosen Wettbewerben gegenüber gestellt. Eine ausgeschriebene Rock Competition bildet den Anfang, bei dem sich zu glorreichen Soundtrack von 'Donald Brent' im Freestyle über das Würfelmuster des örtlichen Tanzschuppens bewegt wird. Anschließend steht noch ein Autorennen an, und um die Sache spannender zu machen, und den wahren Sieger zu finden, eine folgende Autojagd durch den sogenannten "Tunnel des Todes", der derart gefährlich und vor allem auch so dunkel ist, dass auch das Publikum davon nichts sieht.

Von Karate wird zwischendurch nur mal etwas erwähnt, dies quasi als letzte Karte, als As im Drehbuch und so nur im Notfall gezückt; der große Rest ist ein Teeniemärchen der mild bösen Art, in dem der schmucke Held die eigentliche Heldin die ganze Zeit übersieht, während er einem Feind gegenübersteht, der eigentlich nur deswegen auffällt, dass er für das Angehen an seine Freundin am liebsten die Öffentlichkeit (im Auto vor Freunden auf der Rückbank, draußen vor dem Tanzschuppen, später auch auf dem Parkplatz vor dem vermeintlich Geschlagenen Kevin und wieder seinen eigenen Freunden) wählt. Ein Schelm, wer arges dabei denkt.






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